Erdkollektor oder Erdsonde: Was passt zu meinem Grundstück?
Erdkollektor vs. Erdsonde (Erdbohrung): Flächenbedarf, Kosten, Effizienz und welche Sole-WP-Variante für welches Grundstück geeignet ist – 2025.
Inhaltsverzeichnis
- Überblick: Sole-WP Varianten
- Erdkollektor (Horizontalkollektor)
- Erdsonde (Vertikalbohrung)
- Sonderformen: Spiralkollektor & Energiepfahl
- Vergleich: Welche Variante für welches Grundstück?
- Kosten im Vergleich
- Genehmigung und Normen
Überblick: Sole-WP Varianten
Die Sole-Wärmepumpe (Erdwärmepumpe) nutzt im Gegensatz zur Luft-WP die konstante Temperatur des Erdbodens. Der Wärmetransport erfolgt über ein geschlossenes Rohrsystem, das mit einer Sole (Wärmeträgerflüssigkeit) gefüllt ist.
Drei Grundprinzipien:
Horizontal (Fläche): Erdkollektor → 0,6–1,5 m Tiefe
Vertikal (Tiefe): Erdsonde → 50–200 m Tiefe
Sonderform: Spiralkollektor → 2–4 m Tiefe
Alle Varianten: Geschlossenes System, Sole zirkuliert im Kreislauf (kein Grundwasserkontakt).
Erdkollektor (Horizontalkollektor)
Wie er funktioniert
Der Erdkollektor besteht aus PE-Rohren (Durchmesser 25–40 mm), die in 0,6–1,5 m Tiefe horizontal im Erdreich verlegt werden:
Erdoberfläche
|
| 0,6–1,5 m
|
[Rohrschlingen, mäanderförmig]
↕
Wärmetausch mit Erdreich
Flächenbedarf
Faustregel: 1,5–2,5 × Wohnfläche
| Bodentyp | Entzugsleistung | Fläche für 10 kW WP |
|---|---|---|
| Trockener Sand/Kies | 8–12 W/m² | 833–1.250 m² |
| Sandiger Lehm | 12–18 W/m² | 556–833 m² |
| Lehmiger Ton (feucht) | 18–25 W/m² | 400–556 m² |
| Wassergesättigter Boden | 20–30 W/m² | 333–500 m² |
Wichtige Einschränkungen:
- Fläche darf nicht überbaut werden (kein Terrasse, Carport, Anbau)
- Keine Bäume mit Tiefwurzeln (Wurzeln können Rohre beschädigen)
- Mindestabstand zu Bäumen: 2 m
- Mindestabstand zu Gebäude: 1,5–2 m
Vorteile Erdkollektor
- Keine Genehmigung erforderlich (in den meisten Bundesländern)
- Günstigste Sole-WP-Variante
- Rohre austauschbar (wenn nötig)
- Keine besonderen geologischen Voraussetzungen
Nachteile Erdkollektor
- Großer Flächenbedarf (oft nicht möglich bei kleinen Grundstücken)
- Temperaturen im Winter niedrig (2–4 °C) → JAZ etwas schlechter als Erdsonde
- Rasen über Kollektor kann im Winter braun werden (Frost an Oberfläche)
- Aushub und Wiederverfüllung aufwendig
Erdsonde (Vertikalbohrung)
Wie sie funktioniert
Die Erdsonde (Tiefenbohrung) besteht aus Doppel-U-Rohren aus HDPE, die in einer 50–200 m tiefen Bohrung senkrecht im Erdreich verankert sind:
Erdoberfläche
|
↓ 50–200 m Tiefe
|
[Doppel-U-Rohr im Bohrloch]
↕
Wärmetausch mit Gestein (8–12 °C konstant)
Tiefenberechnung
Tiefe (m) = WP-Heizlast (W) ÷ Entzugsleistung Gestein (W/m)
| Gesteinstyp | Entzugsleistung (W/m) | Tiefe für 10 kW WP |
|---|---|---|
| Ton, Lehm (trocken) | 20–30 W/m | 333–500 m |
| Sandstein, Kalkstein | 35–55 W/m | 182–286 m |
| Granit, Gneis | 55–80 W/m | 125–182 m |
| Wasserführendes Gestein | 50–80 W/m | 125–200 m |
Mehrere Sonden: Bei begrenzter Grundfläche: 2–3 kürzere Sonden statt einer tiefen (Abstand ≥ 6 m zwischen Sonden).
Vorteile Erdsonde
- Kleiner Flächenbedarf (nur Bohrkopf sichtbar, ca. 0,5 m²)
- Konstant hohe Quelltemperatur (8–12 °C ganzjährig) → hohe JAZ
- Kein Eingriff in Gartengestaltung
- Langlebig (50+ Jahre Rohrlaufzeit)
Nachteile Erdsonde
- Genehmigungspflichtig (Bergrecht oder Wasserrecht, je Bundesland)
- Bohrkosten 50–130 €/m → teurer als Kollektor
- Bohrergebnisse unsicher (Geologie erst beim Bohren bekannt)
- Regeneration: Bei großen WPs kann Boden langfristig auskühlen
Sonderformen: Spiralkollektor & Energiepfahl
Spiralkollektor (Energiekorb)
- Kompaktform des Erdkollektors: Rohr spiralförmig aufgewickelt, in 2–4 m Tiefe
- Flächenbedarf: ca. 5–8 m² pro Spiraleinheit (ca. 1,5 kW Entzugsleistung)
- Für 10 kW WP: ~7 Spiralen auf ~50 m² Fläche
- Vorteil: Weniger Fläche als Erdkollektor, keine tiefe Bohrung
- Nachteil: Geringe Tiefe → saisonal stärker schwankend; JAZ ähnlich Erdkollektor
Energiepfahl
- Wärmetauscher-Rohre in Fundamentpfähle integriert
- Nur bei Neubau mit Pfahlgründung wirtschaftlich
- Keine Zusatzkosten für Aushub/Bohrung
- Entzugsleistung: 25–40 W/m Pfahl
Vergleich: Welche Variante für welches Grundstück?
| Kriterium | Erdkollektor | Erdsonde | Spiralkollektor |
|---|---|---|---|
| Grundstücksgröße | ≥ 400 m² frei | Ab 50 m² | ≥ 50 m² |
| Genehmigung | Meist keine | Pflicht | Meist keine |
| JAZ | 3,5–4,5 | 4,0–5,0 | 3,5–4,5 |
| Investition | Niedrig | Hoch | Mittel |
| Geologie-Risiko | Kein | Mittel | Kein |
| Stadtgrundstück | Selten möglich | Möglich | Möglich |
Entscheidungsbaum
Grundstück ≥ 400 m² freie Fläche?
→ Ja: Erdkollektor prüfen (günstigste Option)
→ Nein: Weiter
Bohrerlaubnis in Region möglich?
→ Ja: Erdsonde (beste Effizienz)
→ Nein: Spiralkollektor oder Luft-WP
Neubau mit Pfahlgründung?
→ Ja: Energiepfahl prüfen
Kosten im Vergleich
| Variante | Erschließungskosten | WP-Gerät | Gesamtbrutto |
|---|---|---|---|
| Erdkollektor | 3.000–7.000 € | 8.000–14.000 € | 11.000–21.000 € |
| Erdsonde (100 m) | 8.000–14.000 € | 8.000–14.000 € | 16.000–28.000 € |
| Spiralkollektor (5 Stk.) | 4.000–8.000 € | 8.000–14.000 € | 12.000–22.000 € |
| Grundwasser-WP | 6.000–14.000 € | 6.000–10.000 € | 12.000–24.000 € |
Nach BAFA 40 %: Eigenanteil ca. 60 % der Brutto-Gesamtkosten.
Betriebskostenvergleich (EFH, 18.000 kWh/Jahr, 28 ct/kWh)
| Variante | JAZ | Stromverbrauch | Jahreskosten |
|---|---|---|---|
| Erdkollektor | 4,0 | 4.500 kWh | 1.260 €/Jahr |
| Erdsonde | 4,5 | 4.000 kWh | 1.120 €/Jahr |
| Luft-WP | 3,5 | 5.143 kWh | 1.440 €/Jahr |
Genehmigung und Normen
Erdkollektor
- Meist genehmigungsfrei in Deutschland
- Ausnahmen: Trinkwasserschutzgebiete (Zone I/II: verboten, Zone III: prüfen)
- Norm: VDI 4640 Blatt 2 (Erdkollektor-Auslegung)
Erdsonde
- Genehmigungspflichtig in allen Bundesländern
- Zuständig: Bergamt (wenn > 100 m) oder Untere Wasserbehörde (wenn < 100 m)
- Norm: VDI 4640 Blatt 2, DVGW W 115
- Prüfung Trinkwasserschutzgebiet: Vorher obligatorisch
Sole-Befüllung (beide Varianten)
- Sole: Ethanol 25–30 % oder Propylenglykol 25–35 %
- Drucktest: 6 bar, 60 Minuten, 0 bar Druckverlust
- Dokumentation für BAFA-Verwendungsnachweis erforderlich
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Häufige Fragen
Wie viel Fläche braucht ein Erdkollektor?
Faustregel: 1,5–2,5-fache der beheizten Wohnfläche. Beispiel: 150 m² Wohnfläche → 225–375 m² Kollektorfläche. Entzugsleistung: 10–25 W/m² (je nach Bodentyp). Feuchter Lehm/Ton: 15–25 W/m². Trockener Sand: 8–12 W/m². Die Fläche darf nicht überbaut oder dauerhaft beschattet werden (Bäume, Gebäude).
Wie tief ist eine Erdsonde?
Erdsondentiefe: Typisch 50–200 m, abhängig von Heizlast und Geologie. Faustregel: WP-Heizlast (kW) ÷ Entzugsleistung des Bodens (W/m) = Tiefe (m). Beispiel: 10 kW Heizlast, Gestein mit 60 W/m → 10.000 ÷ 60 = 167 m. Mehrere kürzere Sonden möglich (z. B. 2 × 100 m statt 1 × 200 m).
Welche Sole-WP ist effizienter: Erdkollektor oder Erdsonde?
Erdsonde (Tiefenbohrung): JAZ 4,0–5,0 – gleichmäßige Temperatur (8–12 °C in Tiefe). Erdkollektor (Flächenkollektor): JAZ 3,5–4,5 – saisonal schwankend (Winter: 2–4 °C). Erdsonde ist effizienter, aber teurer. Erdkollektor kostengünstiger, wenn ausreichend Fläche vorhanden. Beide deutlich effizienter als Luft-WP (JAZ 3,0–4,2).
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