Technik & Planung

Sole-Befüllung bei Erdwärmepumpen: Ablauf, Kontrolle & Frostschutz

Sole-Befüllung bei Erdwärme- und Sole-Wärmepumpen: Welches Frostschutzmittel, welche Konzentration, wie wird befüllt und was ist bei der Kontrolle zu beachten?

5 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Was ist Sole?

Sole ist das Wärmeträgermedium im geschlossenen Erdwärme-Kreislauf:

  • Fließt zwischen Erdwärmesonde/Erdkollektor und Wärmepumpen-Inneneinheit
  • Entzieht dem Erdreich Wärme und überträgt sie an den Kältemittelkreis der WP
  • Muss frostbeständig sein (Erdreich kann auf 0 °C oder knapp darunter abkühlen)
  • Muss korrosionsneutral sein (Rohrleitungen aus PE, Kupfer, Stahl)

Sole ist kein Kältemittel: Die Sole-Seite ist der Sekundärkreis (Heizkreis-Seite). Das Kältemittel (R32 o. a.) ist davon getrennt (Wärmetauscher im WP-Innern).


Ethanol vs. Propylenglykol: Vergleich

Eigenschaft Ethanol (Ethylalkohol) Propylenglykol
Ökologie Gut abbaubar Gut abbaubar
Toxizität Nicht giftig (Lebensmittelqual.) Nicht giftig (E1520)
Brandgefahr Leicht entzündlich Nicht entzündlich
Wärmeübertragung Sehr gut (ähnlich Wasser) Gut
Viskosität bei –10 °C Niedrig Etwas höher (höhere Pumpenergie)
Preis Günstig Teurer
Typische Lösung 25–30 % in Wasser 25–35 % in Wasser

Empfehlung:

  • Ethanol: Guter Standard, weit verbreitet, günstig
  • Propylenglykol: Wenn Brandschutz-Auflagen streng (z. B. unter Gebäuden, Garagen) oder Schulen/öffentl. Gebäude

Konzentration und Frostschutztemperaturen

Ethanol-Sole

Konzentration Ethanol Gefrierpunkt
20 % –10 °C
25 % –15 °C
30 % –20 °C
35 % –24 °C

Empfohlen für Sole-WP: 25–30 % → Schutz bis –15 bis –20 °C

Propylenglykol-Sole

Konzentration PG Gefrierpunkt
20 % –9 °C
25 % –12 °C
30 % –16 °C
35 % –20 °C

Wichtig: Frostschutztemperatur muss mind. 5 K unter der minimalen Soletemperatur liegen (Sicherheitsmarge).

Minimale Soletemperatur an der Erdwärmesonde: typisch –3 bis –5 °C → Frostschutz bis –10 bis –15 °C ausreichend.


Sole-Befüllung: Schritt-für-Schritt

Sole-Befüllung ist immer Fachbetrieb-Aufgabe (Spezialgerät, Drucktest, Protokoll erforderlich).

Was der Fachbetrieb tut:

1. Sole-Mischung vorbereiten

Tankvolumen Sole-Kreis berechnen:
Sole-Rohrlänge (m) × Rohrinnen-Querschnitt (m²) = Volumen (m³)

Beispiel: 2 × 100 m Erdwärmesonden + 30 m Verbindungsleitung
= 230 m × 0,0038 m² (DN 32 Rohr) = 0,87 m³ = 870 Liter Sole

2. Befüllgerät ankoppeln

  • Befüllpumpe an Vor- und Rücklauf-Anschluss des Sole-Kreises
  • Sole-Mischbehälter vorbefüllt (Wasser + Konzentrat)

3. Spülen und Entlüften

  • Sole wird mit hohem Volumenstrom durchgepumpt (Luft ausdrücken)
  • Entlüftungsventile öffnen (Hochpunkt des Systems)
  • Vorgang wiederholen bis kein Luftblasen mehr
  • Dauer: 30–60 Minuten

4. Konzentration messen

  • Refraktometer entnimmt Probe aus dem Kreislauf
  • Brechungsindex → Konzentration ablesen
  • Muss Zielwert ±2 % entsprechen

5. System versiegeln und Inbetriebnahme


Drucktest nach Befüllung

Pflicht vor Inbetriebnahme:

Prüfdruck:   6 bar (bei Sole-Kreis typisch)
Haltedauer:  1 Stunde (bei Neubau-Bohrungen)
Zulässiger Druckabfall: 0 bar (kein Abfall = dicht)

Bei Druckabfall: Undichte Stelle suchen (Sonden-Anschlüsse, Verteilerkasten, Verbindungen). Im Außenbereich: Drucktest mit komprimierter Luft (einfacher zu orten als mit Flüssigkeit).

Drucktest-Ergebnis wird im Inbetriebnahme-Protokoll dokumentiert (erforderlich für BAFA-Verwendungsnachweis).


Sole-Kontrolle und Wartung

Jährliche Sichtprüfung

  • Sole-Kreislauf: Keine sichtbaren Leckagen (Sole ist meist blau oder grün gefärbt → Farbe erkennbar)
  • Druck im Sole-Kreis: Sollwert 2,0–3,0 bar kalt (laut Anlagen-Datenblatt)
  • Sichtbare Anschlüsse: Keine Feuchtigkeit, kein Kondensat an Stellen die trocken sein sollten

Alle 3–5 Jahre: Qualitätsprüfung

Messgröße Sollwert Messung
Frostschutzgehalt Laut Auslegung (z. B. –15 °C) Refraktometer
pH-Wert 7,5–9,5 Teststreifen
Korrosionsschutz Inhibitor vorhanden Herstellerprüfung

Bei pH < 7,5: Sole-Tausch empfohlen (Korrosion möglich). Bei Frostschutz unzureichend: Konzentrat nachfüllen (über Einfüllöffnung).


Leckage im Sole-Kreis: Was tun?

Anzeichen Sole-Leckage

  • Sole-Kreis-Druck fällt regelmäßig ab (> 0,2 bar/Monat)
  • Feuchte Stellen an Sole-Anschlüssen oder Verteilerkasten
  • Blaue/grüne Verfärbung im Bereich der Leitungen (Solefarbe)
  • WP zeigt Druckfehler im Sole-Kreislauf

Was zu tun ist

  1. WP abschalten (Kälteschadensgefahr bei zu wenig Sole)
  2. Fachbetrieb sofort informieren
  3. Leckage lokalisieren: Drucktest je Sonde, Erd-Leckortung
  4. Reparatur: Verbindungsstellen nachziehen, defekte Sonde stilllegen oder ersetzen

Sole im Boden: Ethanol und Propylenglykol sind biologisch abbaubar → keine Grundwassergefährdung bei normalem Austritt. Trotzdem: Leckage muss behoben werden (Effizienzverlust, Druckmangel).


→ Sole-WP planen und installieren lassen

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Häufige Fragen

Welches Frostschutzmittel wird für die Sole-Wärmepumpe verwendet?

Zwei Hauptoptionen: 1) Ethanol (Ethylalkohol): Ökologisch abbaubar, gut wärmeübertragend, günstig. Nachteil: Leicht entzündlich, Konzentration muss genau stimmen. Typische Konzentration: 25–30 % → Schutz bis –18 bis –22 °C. 2) Propylenglykol (Lebensmittelqualität): Nicht giftig, geruchlos, sehr sicher. Teurer als Ethanol. Typische Konzentration: 25–35 % → Schutz bis –15 bis –20 °C. Beide zugelassen: VDI 4640 erlaubt beide Varianten.

Wie wird die Sole in die Erdwärmepumpe befüllt?

Sole-Befüllung erfordert Spezialtechnik: 1) Sole-Befüllgerät (Kreiselpumpe + Mischbehälter) nötig. 2) Entlüftung: Vorhandene Luft muss vollständig entfernt werden (WP arbeitet nicht bei Luft im Sole-Kreis). 3) Konzentration prüfen: Refraktometer misst den Frostschutzgehalt. 4) Drucktest: 6 bar, 1 Stunde – kein Druckabfall zulässig. 5) Inbetriebnahme-Protokoll: Sole-Art, Menge, Konzentration dokumentieren. Sole-Befüllung ist immer Fachbetrieb-Aufgabe.

Muss die Sole regelmäßig gewechselt werden?

Ethanol-Sole: Haltbarkeit 10–15 Jahre, danach pH-Wert prüfen (Korrosionsschutz kann nachlassen). Propylenglykol-Sole: Sehr langlebig, 20+ Jahre normal. Kontrollintervall empfohlen: Alle 3–5 Jahre Frostschutzgehalt und pH-Wert messen (Refraktometer + Teststreifen). Bei pH < 7,5: Sole tauschen (Korrosionsgefahr). Bei Undichtigkeit oder Verunreinigung: Sofortiger Tausch.

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