Technik & Planung

Erdbohrung für Wärmepumpe: Planung, Genehmigung & Kosten 2025

Erdbohrung für Erdwärmesonde: Wie tief, welche Genehmigungen, wie viele Bohrungen und was kostet eine Tiefenbohrung für die Sole-Wärmepumpe? Vollständige Anleitung 2025.

6 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Erdwärmesonde vs. Erdkollektor: Was ist was?

Merkmal Erdwärmesonde (Tiefenbohrung) Erdkollektor (Flächenkollektor)
Tiefe 80–150 m 1,2–2,0 m
Fläche Wenig (1–2 Bohrköpfe) Groß (1–2× Wohnfläche)
Jahresleistungszahl JAZ 4,0–5,0 JAZ 3,8–4,5
Kosten Hoch (Bohrkosten) Mittel (Aushubkosten)
Genehmigung Wasserrecht Pflicht meist genehmigungsfrei
Grundstücksgröße Kleineres Grundstück ausreichend Großes Grundstück nötig

Erdwärmesonde empfohlen wenn: Kleines oder bebauutes Grundstück, Neubau, hohe Effizienz gewünscht.


Bohrtiefe ermitteln

Entzugsleistung des Bodens

Der Boden gibt Wärme pro Bohrmeter ab – je nach Geologie unterschiedlich:

Geologie Entzugsleistung (W/m)
Tonstein, Schluff 20–35 W/m
Sandstein, Kalkstein 40–60 W/m
Kristallingestein (Granit, Gneis) 55–80 W/m
Rheinschotter (Kies, nass) 50–70 W/m
Trockener Sand 20–30 W/m

Bohrtiefe berechnen

Bohrtiefe = WP-Heizlast (W) ÷ Entzugsleistung (W/m)

Beispiel: 10 kW WP, Sandstein (50 W/m):

Bohrtiefe = 10.000 W ÷ 50 W/m = 200 m
→ 2 Bohrungen à 100 m oder 1 Bohrung à 200 m

Wichtig: Die WP-Heizlast (Auslegungsleistung laut Heizlastberechnung DIN EN 12831) – nicht die kW-Nennleistung der WP – ist die Grundlage.


Genehmigungsverfahren

Wer ist zuständig?

Untere Wasserbehörde (Kreisamt, Landratsamt, Umweltamt der Großstadt):

  • Bayern: Landratsamt / Kreisverwaltungsreferat
  • NRW: Untere Wasserbehörde beim Kreis/Stadtkreis
  • BW: Landratsamt
  • Berlin: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz

Antragsinhalte (typisch)

  • Grundrissplan mit Bohrstellen-Koordinaten
  • Geplante Bohrtiefe und Bohrlochdurchmesser
  • Angaben zur Sole-Füllung (Frostschutzmittel, i.d.R. Ethanol oder Propylenglykol)
  • Bohrtiefenprofil (wenn geologisches Gutachten vorhanden)
  • Erklärung, dass keine bekannten Grundwasserschutzgebiete betroffen

Sperrbereiche (keine Bohrung erlaubt)

  • Trinkwasserschutzgebiet Zone 1 und 2 (oft Zone 3 erlaubt, prüfen)
  • Altlastenflächen (kontaminierter Boden)
  • Bergbaugebiet mit alten Stollen (Risiko für Sole-Kontamination)
  • Überschwemmungsgebiet (kann eingeschränkt sein)

Sperrkarte prüfen: In vielen Bundesländern gibt es online Erdwärme-Eignungskarten (z. B. Bayern: Geothermie-Atlas LfU).

Bearbeitungszeiten

Bundesland Typische Dauer
Bayern 6–12 Wochen
Baden-Württemberg 4–8 Wochen
NRW 6–10 Wochen
Berlin 8–16 Wochen
Brandenburg 4–8 Wochen

Bohrkosten nach Geologie und Bundesland

Bohrkosten 2025 (reine Bohrkosten, ohne WP)

Geologie Kosten/Bohrmeter
Lockersediment (Sand, Kies) 50–75 €/m
Weicher Fels (Sandstein, Kalkstein) 65–95 €/m
Hartes Kristallingestein (Granit) 80–130 €/m

Regionale Preisunterschiede: Süddeutschland (Bayern, BW) teurer durch höhere Lohnkosten und schwieriges Gestein. Norddeutschland (Lockergesteine) günstiger.

Gesamtkosten Erdwärmesonde-System

Position Kosten
Bohrung 2 × 100 m (Sandstein, 80 €/m) 16.000 €
Sondenrohre, Verpressung 2.000 €
Solekreis, Anschlüsse 2.000 €
Genehmigungsgebühren 500–1.500 €
Sole-WP 10 kW (Gerät) 7.000–10.000 €
Installation (WP-Inneneinheit + Hydraulik) 4.000–6.000 €
Gesamt 31.500–37.500 €

Nach BAFA 40 %: Eigenanteil ca. 19.000–22.500 €


Anzahl der Bohrungen planen

Eine oder mehrere Bohrungen?

Vorteile mehrerer Bohrungen:

  • Bessere Bodenregeneration (Wärme aus mehr Richtungen)
  • Geringere Beeinträchtigung des Bodens pro Bohrstelle
  • Redundanz (bei Leck in einer Sonde)

Mindestabstand zwischen Bohrungen: 5–6 m (nach VDI 4640)

Maximale Tiefe ohne Sondererlaubnis: In vielen Bundesländern 100–150 m pro Bohrung ohne vertiefte Prüfung.

Empfehlung

  • 10 kW WP, Sandstein: 2 Bohrungen à 100 m
  • 10 kW WP, Granit: 2 Bohrungen à 80 m (höhere Entzugsleistung)
  • 15 kW WP, Ton: 3 Bohrungen à 100 m

Ablauf der Bohrung

  1. Genehmigung erhalten (4–12 Wochen)
  2. Bohrunternehmen beauftragen (i.d.R. Subunternehmer des WP-Fachbetriebs)
  3. Bohrfahrzeug anliefern: Platzbedarf ~3 × 3 m, Zufahrt für LKW (Bohrstelle)
  4. Bohrung: 1–3 Tage je Bohrung
  5. Sondenrohre einbringen: Doppel-U-Rohr aus PE
  6. Verpressung: Bohrloch mit Spezialmörtel (Thermozement) verfüllen – für guten Wärmeübergang
  7. Drucktest: Solekreis auf Dichtheit prüfen (6 bar, 1 Stunde)
  8. Einfüllen der Sole: Frostschutzmischung (Ethanol ca. –15 °C oder Propylenglykol)
  9. Anschluss an WP-Inneneinheit

Risiken und was schieflaufen kann

Risiko Wahrscheinlichkeit Maßnahme
Schlechte Geologie (kein Wasser, zu hart) Gering–Mittel Geo-Voruntersuchung, Bergbaukataster prüfen
Artesischer Brunnen angebohrt Selten Fachunternehmen mit Erfahrung wählen
Sondenleck (Sole tritt aus) Sehr selten Drucktest nach Installation, PE-Rohre langlebig
Grundwasserverunreinigung Sehr selten (bei ordnungsgemäßer Verpressung) Genehmigungsauflagen einhalten
Mehrkosten wegen Geologie Häufig Kostenpuffer 20 % einplanen

→ Erdwärmepumpe mit Tiefenbohrung anfragen

Verwandte Ratgeber:

Häufige Fragen

Wie tief muss bei einer Erdwärmesonde gebohrt werden?

Tipiische Bohrtiefe: 80–150 m je Bohrung. Faustregel: Pro kW Wärmelast ca. 10–15 m Bohrmeter (abhängig vom Gestein). Beispiel: 10 kW WP-Leistung → 100–150 m Bohrmeter. Können auf 2 Bohrungen à 75 m aufgeteilt werden. Mehrere flachere Bohrungen sind oft besser als eine sehr tiefe. Maximum ohne Bergrecht: 400 m (dann Bergbaurecht anwendbar, selten nötig für Wohngebäude).

Welche Genehmigung brauche ich für eine Erdbohrung?

Wasserrechtliche Erlaubnis/Anzeige (Landeswasserrecht): Pflicht in allen Bundesländern. In Bayern, BW, NRW: Erlaubnispflicht ab 25–50 m Tiefe. In anderen Ländern: Anzeigepflicht. Zuständig: Untere Wasserbehörde (Landratsamt/Kreisamt). Antrag enthält: Bohrtiefe, -anzahl, Grundrissplan, geotechnisches Gutachten (oft nicht nötig für normale EFH-Bohrungen). Bearbeitungszeit: 4–12 Wochen.

Was kostet eine Erdbohrung für die Wärmepumpe 2025?

Bohrkosten 2025 (ohne WP und Installation): 50–100 €/Bohrmeter. Für EFH 150 m² (10 kW WP, 2 × 100 m Bohrung): 10.000–20.000 € reine Bohrkosten. Gesamtkosten Sole-WP (WP + Bohrung + Installation + Genehmigung): 25.000–45.000 €. Nach BAFA 40–70 %: Eigenanteil 8.000–25.000 €. Hinweis: Sole-WPs haben höhere JAZ (4,0–5,0) als Luft-WPs → niedrigere Betriebskosten.

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