Wärmepumpe Grundlagen

Warmwasserbereitung mit der Wärmepumpe: So klappt es effizient

Wie Wärmepumpen Warmwasser bereiten, welche Temperaturen nötig sind, wann ein separater Speicher sinnvoll ist und wie Legionellen verhindert werden.

7 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Warmwasser durch die Heiz-Wärmepumpe

Die meisten Luft-Wasser-Wärmepumpen können neben der Raumheizung auch Warmwasser bereiten. Der Warmwasserspeicher (150–300 Liter) wird in das Heizsystem integriert. Wenn der Speicher auf Solltemperatur gebracht werden muss, schaltet die Wärmepumpe in den Warmwassermodus und heizt das Brauchwasser auf.

Nachteile des kombinierten Betriebs:

  • Warmwasser erfordert höhere Vorlauftemperaturen (50–55 °C) als die Heizung (35–45 °C) → schlechtere JAZ
  • Während der Warmwasserbereitung steht weniger Kapazität für Heizung bereit
  • Besonders bei Sole-WPs mit optimierten Heizungstemperaturen: Warmwasser kostet Effizienz

Lösung: Warmwasserbereitung in günstige Betriebszeiten legen (PV-Überschuss, günstige Stromtarife, Mittagszeit).

Separate Brauchwasser-Wärmepumpe

Eine Brauchwasserwärmepumpe (BWP) ist ein Kombigerät aus Wärmepumpe und Warmwasserspeicher. Sie entnimmt Wärme aus der Raumluft (z. B. Keller, Technikraum) und heizt damit das Trinkwasser auf.

Vorteile:

  • Heizungs-WP läuft immer mit optimaler (niedrigerer) Vorlauftemperatur → bessere JAZ
  • Effizienz BWP: COP 2,5–4,0 (besser als elektrischer Heizstab mit COP 1,0)
  • Kühlt nebenher den Aufstellraum (angenehm im Sommer)
  • Unabhängiger Betrieb, separate Steuerung

Nachteile:

  • Zusätzliche Investition: 800–2.500 €
  • Braucht geeigneten Aufstellraum (mind. 15 m², min. 7 °C Raumtemperatur)
  • Erzeugt leises Betriebsgeräusch (~40 dB)

Empfehlung: Wenn die Heizungs-WP für Niedertemperaturbetrieb ausgelegt ist (JAZ ≥ 4,0 angestrebt), lohnt sich eine separate BWP für das Warmwasser.

Legionellen: Das Temperatur-Problem

Legionellen sind Bakterien, die in Warmwassersystemen bei 25–55 °C optimal wachsen. Ab 60 °C werden sie sicher abgetötet. Deshalb schreibt die Trinkwasserverordnung für Trinkwarmwasser-Anlagen mit großem Speicher (> 400 l) eine regelmäßige thermische Desinfektion vor.

Für private Haushalte (EFH/ZFH): Keine gesetzliche Pflicht zur thermischen Desinfektion, aber hygienisch sinnvoll. Empfehlung: Einmal pro Woche auf 60 °C aufheizen (Legionellenprogramm in der WP-Steuerung aktivieren).

Technische Umsetzung:

  • Wärmepumpe heizt auf 55–58 °C
  • Eingebauter Elektro-Heizstab pusht auf 60–65 °C (5–10 Minuten)
  • Programm läuft automatisch, z. B. dienstags um 2:00 Uhr

JAZ-Auswirkung: Das wöchentliche Legionellenprogramm kostet ca. 0,5–1 kWh Strom extra pro Zyklus. Bei 52 Zyklen/Jahr: 26–52 kWh = ca. 6–12 €/Jahr. Vernachlässigbar.

Speichergröße richtig wählen

Haushaltsgröße Empfohlenes Speichervolumen
1–2 Personen 100–150 Liter
3–4 Personen 150–200 Liter
5–6 Personen 200–300 Liter
> 6 Personen / Gewerbe 300–500 Liter

Wichtig: Diese Richtwerte gelten für Speicher mit Wärmepumpe (Aufheizzeit 30–90 Minuten). Bei Elektro-Direktheizern reicht weniger Volumen, weil die Aufheizzeit kürzer ist.

Schichtenspeicher sind effizienter: Das obere Drittel wird schnell heiß gehalten, das untere Drittel als Puffer. Weniger Energieverlust durch Mischung.

Optimale Programmierung

Zeitprogramm für Warmwasserbereitung:

  • Mit PV: Aufheizung zu Mittagszeiten (maximale Einspeisung), z. B. 11:00–14:00 Uhr
  • Ohne PV: Aufheizung nachts (günstigster Wärmepumpenstromtarif) oder morgens vor dem Hauptbedarf
  • Sommerbetrieb: Häufigere Legionellenprüfung, da WP seltener läuft

SG-Ready-Nutzung: Wärmepumpen mit SG-Ready-Schnittstelle können vom Energiemanagementsystem gesteuert werden. Bei hoher PV-Produktion: Speicher auf 60 °C laden.

Urlaubsmodus: Warmwassertemperatur auf 45 °C absenken (oder WW abschalten). Nach Rückkehr einmalig Legionellenprogramm starten.

Typische Fehler

Warmwasser dauerhaft auf 65 °C: Mehr Temperatur als nötig kostet JAZ-Punkte ohne hygienischen Vorteil. 50 °C Betriebstemperatur + 60 °C Legionellenprogramm 1× wöchentlich ist optimal.

Speicher zu klein: 100-Liter-Speicher für 4-Personen-Haushalt = kaltes Wasser beim zweiten Duschen.

Kein Legionellenprogramm aktiviert: Gesundheitsrisiko bei Stillstand des Speichers über mehrere Tage (Urlaub, Ferienhaus).

BWP im zu kleinen Raum: Brauchwasserwärmepumpen kühlen die Raumluft ab. In einem 8-m²-Technikraum sinkt die Temperatur im Winter so stark, dass die Effizienz leidet.

Kosten im Vergleich

Variante Investition Warmwasserkosten/Jahr*
Heizungs-WP mit Warmwasser integriert In WP-Preis enthalten ~200 €
Separate Brauchwasser-WP 800–2.500 € extra ~120 €
Elektrischer Heizstab allein 200–500 € ~350 €
Gas-Kombi-Therme (WW) Im Gerät ~280 €

*Annahme: 4-Personen-Haushalt, 2.500 kWh Warmwasserbedarf/Jahr

Die Brauchwasser-WP rechnet sich trotz Mehrkosten in ca. 6–10 Jahren durch niedrigere Betriebskosten.


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Häufige Fragen

Auf wie viel Grad muss die Wärmepumpe für Warmwasser heizen?

Für Trinkwasserhygiene (Legionellenschutz) sind im Speicher mindestens 60 °C nötig. Die Wärmepumpe heizt Warmwasser normalerweise auf 50–55 °C, ein elektrischer Nachheizer sorgt einmal wöchentlich für 60 °C.

Senkt die Warmwasserbereitung die JAZ der Wärmepumpe?

Ja. Da für Warmwasser höhere Vorlauftemperaturen nötig sind als für Heizung, sinkt die JAZ um 0,2–0,5 Punkte gegenüber reinem Heizbetrieb. Eine separate Brauchwasserwärmepumpe vermeidet diesen Effekt.

Wie groß muss der Warmwasserspeicher für ein Einfamilienhaus sein?

Für 3–4 Personen sind 150–200 Liter ausreichend. Bei 5+ Personen oder wenn das Warmwasser gleichzeitig für Duschen und Spülen genutzt wird: 200–300 Liter.

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