COP und JAZ: Wirkungsgrad der Wärmepumpe verstehen
COP und JAZ bei Wärmepumpen: Was die Kennzahlen bedeuten, wie man sie vergleicht und warum die JAZ die entscheidende Zahl für Ihre Stromkosten ist.
Inhaltsverzeichnis
- COP: Der Momentan-Wirkungsgrad
- JAZ: Die reale Jahreseffizienz
- Wie hoch ist eine gute JAZ?
- Was beeinflusst die JAZ in der Praxis?
- Herstellerangaben richtig lesen
- Typische Fehler beim Effizienzvergleich
- Stromkosten selbst berechnen
COP: Der Momentan-Wirkungsgrad
Der COP (Coefficient of Performance, auch Leistungszahl genannt) beschreibt, wie viel Wärme eine Wärmepumpe pro eingesetzter Kilowattstunde Strom liefert – zu einem bestimmten Zeitpunkt und unter definierten Bedingungen.
Formel: COP = abgegebene Wärmeleistung (kW) ÷ aufgenommene elektrische Leistung (kW)
Ein COP von 4,0 bedeutet: Für 1 kW Strom liefert die Pumpe 4 kW Wärme.
Die Normbedingungen: Damit Hersteller vergleichbar sind, werden COPs unter standardisierten Bedingungen gemessen:
| Bezeichnung | Bedeutung |
|---|---|
| A7/W35 | 7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf |
| A2/W35 | 2 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf |
| A-7/W35 | -7 °C Außenluft, 35 °C Vorlauf |
| B0/W35 | 0 °C Sole (Erd-WP), 35 °C Vorlauf |
Wichtig: Der COP ist kein Betriebswert, sondern ein Laborwert. In der Realität schwankt er stark je nach Außentemperatur und Vorlauftemperatur.
JAZ: Die reale Jahreseffizienz
Die JAZ (Jahresarbeitszahl) ist der durchschnittliche Wirkungsgrad über ein vollständiges Heizjahr. Sie ist die einzige Kennzahl, die Ihren tatsächlichen Stromverbrauch bestimmt.
Formel: JAZ = erzeugte Wärmeenergie (kWh/Jahr) ÷ verbrauchter Strom (kWh/Jahr)
Die JAZ berücksichtigt:
- Alle Außentemperaturen über das Jahr
- Abtauzyklen (bei Luftwärmepumpen im Winter)
- Warmwasserbereitung (höhere Vorlauftemperatur nötig)
- Hilfsheizstab-Einsatz bei Extremkälte
- Betrieb der Hilfsaggregate (Pumpen, Lüfter)
Deshalb ist die JAZ immer niedriger als der COP unter A7/W35 – oft um 0,5–1,5 Punkte.
Wie hoch ist eine gute JAZ?
| Wärmepumpentyp & Situation | Typische JAZ | Bewertung |
|---|---|---|
| Luft-WP, Fußbodenheizung Neubau | 4,0–5,0 | Sehr gut |
| Luft-WP, Niedertemperatur Altbau | 3,2–4,0 | Gut |
| Luft-WP, Altbau 55 °C Vorlauf | 2,8–3,4 | Akzeptabel |
| Sole-WP, Erdsonde | 4,0–5,2 | Sehr gut |
| Wasser-WP, Grundwasser | 4,5–6,0 | Ausgezeichnet |
| Luft-WP, schlechte Aufstellung | < 2,8 | Mangelhaft |
Mindest-JAZ für Wirtschaftlichkeit: Bei einem Wärmepumpenstromtarif von 23 ct/kWh und einem Gaspreis von 9 ct/kWh (Wirkungsgrad 95 %): Gaskosten je kWh Wärme = 9,5 ct/kWh. WP-Kosten je kWh Wärme = 23 ÷ JAZ ct/kWh. Gleichgewicht bei JAZ = 23 ÷ 9,5 = 2,4.
Eine JAZ über 2,4 bedeutet also: die WP ist günstiger als Gas. Die meisten modernen Anlagen erreichen JAZ 3,0–4,5 – deutlich besser als der Mindestpunkt.
Was beeinflusst die JAZ in der Praxis?
Vorlauftemperatur (wichtigster Faktor): -2 Grad Vorlauf = +5 % JAZ. Wer von 55 °C auf 45 °C kommt, steigert die JAZ von 3,0 auf 3,8.
Klimaregion: In südlichen Regionen (Bayern, BW) ist die Außentemperatur im Schnitt höher → bessere JAZ als in Norddeutschland oder im Bergland.
Aufstellort der Außeneinheit: Schlechte Durchströmung (Ecke, Nische) mindert den Wärmeeintrag und verschlechtert die JAZ um 0,1–0,3.
Hydraulischer Abgleich: Ohne Abgleich häufiges Takten → niedrigere JAZ.
Warmwasseranteil: Warmwasser auf 60 °C aufheizen kostet JAZ-Punkte. Wer ein Elektroboiler-Backup für die Spitzenlast hat, schont die JAZ.
Gerätealterung: Kältemittelverlust, verschmutzte Filter, alterungsbedingte Kompressorabnutzung können die JAZ über Jahre um 10–15 % mindern.
Herstellerangaben richtig lesen
Achten Sie auf den SCOP (Seasonal Coefficient of Performance). Der SCOP ist die genormte saisonale Effizienz nach EN 14825 und realitätsnäher als der COP-Einzelwert. Er berücksichtigt verschiedene Außentemperaturen gemäß europäischer Klimazonen.
Klimazone: Deutschland liegt in Zone „Durchschnittlich" (A). Der SCOP-Wert für Zone A ist der relevante Vergleichswert.
Vergleich: Schauen Sie auf den SCOP für A7/W35 und A-7/W35. Eine Pumpe mit COP 5,0 bei A7, aber nur 2,5 bei A-7 ist bei deutschen Wintern schlechter als eine mit COP 4,5 bei A7 und COP 3,2 bei A-7.
Typische Fehler beim Effizienzvergleich
Nur COP bei A7/W35 vergleichen: Das ist der günstigste Testpunkt. Wichtiger für Deutschland sind A-7/W35 und A-15/W35.
Herstellerangaben ohne Normverweis: Manche Hersteller nennen COP-Werte ohne Normbedingungen. Fragen Sie immer nach dem Normtest (EN 14825).
JAZ für andere Klimaregion: Die JAZ-Angaben in Produktdatenblättern beziehen sich oft auf eine mittlere Klimaregion. Ihr Standort (Hochgebirge, Nordseeküste, Rheinebene) kann abweichen.
Hilfsenergie ignorieren: Lüfter, Pumpen und Steuerung brauchen auch Strom. Manche Hersteller geben COP-Werte ohne diese Hilfsenergie an. Fragen Sie nach dem „system COP".
Stromkosten selbst berechnen
Schritt 1: Ihren Jahreswärmebedarf ermitteln (Heizkostenabrechnung oder Energieberatung).
Schritt 2: Erreichbare JAZ schätzen (Luft-WP, 45 °C Vorlauf, mitteldeutsche Lage → JAZ 3,5).
Schritt 3: Jahresstromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ.
Schritt 4: Jahresstromkosten = Stromverbrauch × Wärmepumpenstromtarif.
Beispiel: 16.000 kWh Wärmebedarf ÷ JAZ 3,5 = 4.571 kWh Strom × 0,23 €/kWh = 1.051 € Heizstromkosten/Jahr.
Für eine genaue Analyse empfiehlt sich eine Energieberatung, die Gebäude und Anlage gemeinsam betrachtet.
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Häufige Fragen
Was ist ein guter COP-Wert für eine Wärmepumpe?
Unter Normbedingungen A7/W35 (7 °C Außen, 35 °C Vorlauf) sollte eine moderne Luft-Wärmepumpe einen COP von mindestens 4,0 erreichen. Besonders effiziente Modelle kommen auf 5,0–6,0.
Warum ist die JAZ immer niedriger als der COP?
Der COP wird unter idealen Laborbedingungen gemessen. Die JAZ berücksichtigt den gesamten Jahresbetrieb: kalte Wintertage (niedrigerer COP), Abtauzyklen, Warmwasserbereitung und Hilfsheizer.
Wie berechnet man den Jahresstromverbrauch aus der JAZ?
Formel: Jahresstromverbrauch = Jahreswärmebedarf ÷ JAZ. Beispiel: 15.000 kWh Wärmebedarf ÷ JAZ 3,5 = 4.286 kWh Strom/Jahr.
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