Nachtabsenkung bei Wärmepumpen: Sinnvoll oder kontraproduktiv?
Soll ich die Wärmepumpe nachts absenken? Warum Nachtabsenkung bei WPs oft falsch ist, wann sie sich doch lohnt und wie man es richtig macht.
Inhaltsverzeichnis
- Nachtabsenkung: Das Prinzip
- Warum es bei Wärmepumpen oft nicht funktioniert
- Das Wiederaufheizproblem
- Wann Nachtabsenkung trotzdem sinnvoll ist
- Bessere Alternativen zur Nachtabsenkung
- Praxisempfehlung: So stellen Sie es ein
Nachtabsenkung: Das Prinzip
Bei Gasheizungen (klassisch): Heizung senkt die Raumtemperatur nachts auf 16–18 °C. Am Morgen heizt die Gasheizung schnell auf 20 °C auf. Ergebnis: 5–10 % Energieeinsparung.
Warum es bei Gasheizungen funktioniert:
- Gasheizung kann schnell hohe Vorlauftemperaturen liefern (70–90 °C)
- Aufheizzeit von 16 °C auf 20 °C: 30–60 Minuten
- Höchstleistung = hoher Wirkungsgrad (Brennwertkessel im Volllastbetrieb)
Warum es bei Wärmepumpen oft nicht funktioniert
Wärmepumpen folgen einer anderen Physik:
Problem 1: Langsame Reaktion Wärmepumpen liefern maximale Leistung bei niedrigen Vorlauftemperaturen. Wenn das Haus nachts auskühlte, muss die WP das Haus wieder erwärmen – aber der Wärmeübergang von Heizkörper/FBH ins Haus ist bei niedrigen Temperaturdifferenzen langsam.
Problem 2: Notfalleinstieg Heizstab Wenn die WP nicht schnell genug aufheizt, schaltet der elektrische Heizstab zu. Heizstab = COP 1,0 statt COP 3,5. Das ist erheblich schlechter.
Problem 3: JAZ-Verschlechterung beim Aufheizen Für schnelle Aufheizung muss die WP mit höherer Vorlauftemperatur arbeiten als im Normalbetrieb. Das senkt die JAZ.
Problem 4: Thermal mass Gut gedämmte Häuser kühlen sehr langsam aus. Das Einsparungspotenzial der Nachtabsenkung ist gering, der Wiederaufheizaufwand aber unverhältnismäßig.
Ergebnis: Bei schlecht gedämmten Häusern kühlt das Haus zu stark aus; bei gut gedämmten spart die Absenkung zu wenig.
Das Wiederaufheizproblem
Beispiel: EFH 150 m², JAZ 3,5, Wärmekapazität des Hauses 50 kWh/K
Nachtabsenkung: 20 °C → 18 °C (–2 K)
- Energieeinsparung durch Absenkung (8 h): 2 K × (Wärmeverlust) ≈ 4–8 kWh
- Energie für Wiederaufheizung: 50 kWh/K × 2 K = 100 kWh gesamt (Haus + Heizwasser)
- Davon durch WP in 2 h (8 kW WP): 16 kWh
- Bei geringerer JAZ (Aufheizmodalität): 15 % schlechtere Effizienz
Bilanziell ist die Nachtabsenkung oft negativ – mehr Strom für Wiederaufheizung als Ersparnis durch Absenkung.
Wann Nachtabsenkung trotzdem sinnvoll ist
Szenario 1: WP-Nachtstromtarif mit zeitvariablen Preisen Wenn Strom nachts (z.B. 22–6 Uhr) deutlich günstiger ist:
- Heizung tagsüber: 30 ct/kWh
- Heizung nachts: 18 ct/kWh (–40 %)
- Dann: Nachts vorheizen (höhere Vorlauftemperatur), tagsüber absenken
- Aber: Das ist das Gegenteil der klassischen Nachtabsenkung!
Szenario 2: Stark gedämmtes Haus, tiefe Absenkung vermeiden
- Neubau KfW 55, sehr träge Gebäudemasse
- Nachtabsenkung nur –1 K (20 → 19 °C)
- Konsequenz: Minimale Energieeinsparung, aber keine negativen Effekte
Szenario 3: Öffentlicher Gebäudebetrieb (Büros, Gewerbeobjekte)
- Gebäude mit langen Nicht-Nutzungszeiten (Wochenende)
- Absenkung auf 15 °C möglich wenn Aufheizzeit lang genug ist (> 4 h)
- WP beginnt Aufheizung am Freitagnacht/Samstagmorgen: kein Kapazitätsproblem
Bessere Alternativen zur Nachtabsenkung
Alternative 1: Konstantbetrieb mit niedrigem Vorlauf (empfohlen)
- WP läuft durchgehend bei minimaler nötiger Vorlauftemperatur
- Heizkurve optimal eingestellt (gerade so warm wie nötig)
- Keine Temperaturschwankungen, keine Wiederaufheiz-Peaks
- Ergebnis: Beste JAZ und Komfort
Alternative 2: Eco-Betrieb (leichte Absenkung)
- Viele WP-Steuerungen haben einen "Eco-Modus": Vorlauftemperatur um 1–2 K absenken, nicht ausschalten
- WP läuft weiter, aber mit etwas weniger Energie
- Raumtemperatur sinkt nur 0,5–1 K
- Kein Wiederaufheizproblem
Alternative 3: Warmwasserbereitung deaktivieren
- Warmwasser nachts nicht bereiten lassen (laut sein, warm genug für morgens)
- WP heizt erst morgens Warmwasser auf
- Einsparung: 0,5–1,5 kWh/Nacht → 20–50 €/Jahr
Praxisempfehlung: So stellen Sie es ein
Standard-Empfehlung für Wärmepumpen:
| Einstellung | Empfehlung |
|---|---|
| Raumtemperatur-Zeitprogramm | Konstantbetrieb ODER max. –2 K Nachtabsenkung |
| Warmwasserprogramm | Tagsüber (9–15 Uhr), nicht nachts |
| Heizkurve | So niedrig wie möglich (Zimmer noch warm) |
| Nachtabsenkung Beginn | 22:00 Uhr |
| Wiederaufheizung | 06:00 Uhr (nicht 07:00 – WP braucht Zeit!) |
WP-Menü-Einstellungen (typische Bezeichnungen):
- Viessmann: "Absenk-Betrieb", "Raumtemperatur reduziert"
- Vaillant: "Absenktemperatur", "Nachtmodus"
- Stiebel Eltron: "Temperaturstufe Absenken"
Mein Rat: Probieren Sie Konstantbetrieb für 2 Wochen und vergleichen Sie den Stromverbrauch mit Nachtabsenkung. Die Differenz zeigt, ob Nachtabsenkung für Ihr Haus sinnvoll ist.
Für eine individuelle Analyse der optimalen WP-Betriebsstrategie empfiehlt sich eine Energieberatung.
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Häufige Fragen
Warum sollte ich bei der Wärmepumpe keine Nachtabsenkung nutzen?
Bei Wärmepumpen ist der Wiederaufheizaufwand nach Nachtabsenkung oft größer als die Einsparung: Das Haus kühlt in 8 Stunden mehr aus als gedacht; beim Wiederaufheizen läuft die WP unter hoher Last, was die JAZ senkt; im schlimmsten Fall springt der Heizstab an. Außerdem ist das Haus morgens kalt (unbequem). Gasheizungen reagieren schnell mit hohem Vorlauf – WPs nicht.
Wann ist Nachtabsenkung bei Wärmepumpen sinnvoll?
Sinnvoll, wenn: WP-Nachtstromtarif deutlich günstiger als Tagstromtarif; Haus sehr gut gedämmt (kühlt langsam aus); Nachtabsenkung nicht zu tief (max. –2 bis –3 K); Wiederaufheizung im 'Tagprogramm' beginnt 1–2 Stunden vor Aufwachzeit.
Was ist besser als Nachtabsenkung?
Konstantbetrieb mit tiefer Vorlauftemperatur ist meist effizienter als Nachtabsenkung mit späterer Wiederaufheizung. Alternativ: 'Eco-Modus' nutzen, der die Vorlauftemperatur leicht absenkt (nicht ausschaltet). Außerdem: Warmwasserbereitung nachts deaktivieren.
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