Betrieb & Optimierung

Heizkurve der Wärmepumpe einstellen: Schritt-für-Schritt Anleitung

Heizkurve der Wärmepumpe richtig einstellen: Was die Heizkurve ist, wie Sie sie optimieren und warum die richtige Einstellung Strom spart.

7 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Was ist die Heizkurve?

Die Heizkurve (auch Heizkennlinie) definiert, auf welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe das Heizwasser aufheizt – in Abhängigkeit von der aktuellen Außentemperatur.

Logik: Je kälter es draußen ist, desto wärmer muss das Heizwasser sein, damit die Heizkörper oder Fußbodenheizungskreise genug Wärme abgeben.

Grafische Darstellung:

Vorlauftemperatur (°C)
50 |
   |     .
40 |   .
   | .
30 |
   |________________________ Außentemperatur (°C)
   -15  -10  -5   0   5   10  15

Die Steigung dieser Kurve und ihr Niveau (Verschiebung nach oben/unten) bestimmen den Heizbetrieb.

Warum ist die Heizkurve für Wärmepumpen so entscheidend?

Die JAZ einer Wärmepumpe hängt direkt von der Vorlauftemperatur ab:

  • Jeder Grad weniger Vorlauftemperatur = ca. 2,5 % mehr JAZ
  • Vorlauf 45 °C statt 55 °C = ca. 25 % höhere JAZ

Eine zu hohe Heizkurve kostet direkt Strom und Geld.

Steigung und Niveau: Die zwei Parameter

Alle Wärmepumpen-Steuerungen haben zwei grundlegende Einstellparameter für die Heizkurve:

Steigung (auch: Steilheit, Gradient)

Die Steigung bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkenden Außentemperaturen ansteigt.

Steigungswert Bedeutung
0,3–0,5 Flach – für gut gedämmte Häuser, FBH
0,6–0,8 Mittel – für teilgedämmte Häuser, Heizkörper
0,9–1,2 Steil – für unsanierte Altbauten, hohe Heizlasten

Beispiel Steigung 0,5:

  • Bei Außentemperatur 0 °C → Vorlauf 35 °C
  • Bei Außentemperatur –10 °C → Vorlauf 40 °C

Beispiel Steigung 0,9:

  • Bei Außentemperatur 0 °C → Vorlauf 45 °C
  • Bei Außentemperatur –10 °C → Vorlauf 54 °C

Niveau (auch: Parallelverschiebung, Offset)

Das Niveau verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten – ohne die Steigung zu verändern.

  • Niveau +5: Vorlauftemperatur immer 5 °C höher
  • Niveau –5: Vorlauftemperatur immer 5 °C niedriger

Typische Anwendung: Das Haus wird insgesamt zu warm oder zu kalt, aber die Reaktion auf Außentemperaturänderungen passt schon.

Schritt-für-Schritt: Heizkurve optimieren

Schritt 1: Ausgangssituation beobachten (1–2 Wochen)

  • Wie verhalten sich die Räume bei verschiedenen Außentemperaturen?
  • Räume zu heiß oder zu kalt?
  • Thermostate: Kommen sie auf → Wärmepumpe macht zuviel
  • Thermostate immer auf Max → Wärmepumpe macht zu wenig

Schritt 2: Grobe Einstellung vornehmen

Startpunkt nach Gebäudetyp (s. Tabelle unten), dann beobachten.

Schritt 3: Feinabstimmung – kältester Tag

An einem Tag mit –5 bis –10 °C Außentemperatur:

  • Alle Thermostate auf Maximum stellen
  • Prüfen: Werden alle Räume warm?
  • Wenn ja: Vorlauftemperatur um 2–3 °C absenken (Niveau/Steigung reduzieren)
  • Wenn nein: Vorlauftemperatur um 2–3 °C anheben

Schritt 4: Mildes Wetter prüfen

An einem Tag mit 5–10 °C Außentemperatur:

  • Werden Räume zu heiß (Thermostate regeln runter)? → Steigung etwas reduzieren
  • Sind Räume angenehm? → Gut, nichts ändern

Schritt 5: Dokumentieren

Notieren Sie die gefundenen Einstellwerte. Nach größeren Gebäudeänderungen (Dämmung, neue Fenster) muss die Heizkurve neu eingestellt werden.

Zielvorlauftemperaturen je nach Gebäudetyp

Gebäude / Heizsystem Ziel-Vorlauf bei 0°C Ziel-Vorlauf bei –15°C
Neubau KfW 55, FBH 25–30 °C 30–35 °C
Teilgedämmter Altbau, FBH 30–38 °C 35–42 °C
Altbau 1990, Heizkörper saniert 40–48 °C 48–55 °C
Unsanierter Altbau, Heizkörper 50–58 °C 60–65 °C

Faustregel: Bei Fußbodenheizung sollte die Vorlauftemperatur nie über 45 °C steigen. Bei Heizkörpern ist 55 °C die Grenze für gute JAZ; alles darüber frisst Effizienz.

Heizkurve beim Hersteller einstellen

Jeder Hersteller hat eine eigene Steuerungsoberfläche, aber die Parameter sind überall gleich.

Viessmann Vitocal:

  • Menü: Heizkreis → Heizkennlinie → Steilheit + Niveau
  • Steilheit = 0,0–3,5, Niveau = –13 bis +40 K

Vaillant aroTHERM:

  • Menü: Betriebsart Heizen → Heizkennlinie → Neigung + Niveau
  • Neigung = 0,1–4,0

Stiebel Eltron WPL:

  • Menü: Heizung → Heizkennlinie → Steigung + Verschiebung
  • Steigung = 0,1–4,0

Bosch Compress 7000i:

  • Menü: Heizkennlinie → Steilheit (0,1–4,0) + Parallelverschiebung (–20 bis +20)

Mitsubishi Ecodan:

  • Menü: Zone Control → Target Flow Temp Settings → Curve slope + offset

Tipp: Lesen Sie die Bedienungsanleitung Ihrer spezifischen Anlage. Bei Unsicherheit: Heizungsbauer oder Hersteller-Service anrufen.

Typische Fehler und Symptome

Symptom Wahrscheinliche Ursache Lösung
Wärmepumpe taktet häufig Heizkurve zu hoch, Thermostate regeln ab Steilheit/Niveau reduzieren
Räume kalt bei –5 °C Heizkurve zu flach, Heizlast unterschätzt Steilheit erhöhen
Morgens kalt, nachmittags warm Witterungsführung falsch, keine Zeitprogramme Zeitprogramm aktivieren, WP früher starten
Heizstab springt häufig an Wärmepumpe nicht leistungsfähig genug oder Heizkurve viel zu hoch Heizkurve optimieren, WP prüfen
Räume unterschiedlich warm Kein hydraulischer Abgleich Hydraulischen Abgleich durchführen lassen

Wichtig: Die Heizkurven-Optimierung funktioniert nur bei korrektem hydraulischen Abgleich. Ohne Abgleich können Sie die Heizkurve nicht richtig einstellen – die Räume sind immer ungleichmäßig versorgt.

Für eine professionelle Einstellung und Optimierung empfiehlt sich eine Energieberatung oder ein Servicebesuch des Heizungsbauers.


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Häufige Fragen

Was ist eine gute Heizkurven-Steigung für eine Wärmepumpe?

Für gut gedämmte Häuser mit Fußbodenheizung: Steigung 0,3–0,5. Für Altbauten mit Heizkörpern: 0,6–0,9. Die Steigung bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkenden Außentemperaturen steigt. Eine zu steile Kurve bedeutet unnötig hohe Temperaturen und schlechte JAZ.

Wie erkenne ich, dass die Heizkurve falsch eingestellt ist?

Anzeichen für zu hohe Heizkurve: Räume werden bei mildem Wetter zu heiß (Thermostate gehen auf), Wärmepumpe taktet häufig. Anzeichen für zu niedrige Heizkurve: Räume werden bei Kälte nicht warm, Thermostate immer voll offen, Heizstab springt ein.

Wie oft sollte ich die Heizkurve anpassen?

Die erste Einstellung erfolgt bei der Inbetriebnahme. Eine Feinabstimmung ist nach der ersten Heizperiode sinnvoll – wenn Sie genug Erfahrung mit dem Verhalten gesammelt haben. Saisonale Anpassungen (Sommer/Winter) sind in der Regel nicht nötig, wenn die Kurve korrekt ist.

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