Technik & Planung

Elektroinstallation für Wärmepumpen: Was Elektriker und Eigentümer wissen müssen

Welche Elektroinstallation braucht eine Wärmepumpe? Netzanschluss, Absicherung, SG-Ready, Smart Meter – mit Kosten und allen Anforderungen für 2025.

6 Min. LesezeitXpora Redaktion
ElektroinstallationWärmepumpeNetzanschlussSG-ReadySmart MeterSicherung

Inhaltsverzeichnis


Netzanschluss: Was reicht aus?

Einphasig vs. Dreiphasig

WP-Leistung Anschluss Typische Absicherung
< 3,5 kW (Kleinst-WP) 1-phasig (230 V) möglich 16 A
3,5–8 kW 3-phasig (400 V) empfohlen 3 × 16 A
8–18 kW 3-phasig (400 V) Pflicht 3 × 16–25 A
> 18 kW 3-phasig, ggf. Anmeldung beim Netzbetreiber 3 × 25–32 A

Wichtig: Ab 12 kW WP-Leistung ist der Netzbetreiber vorab zu informieren (§ 19 NAV). Bei > 30 kW: Separate Anmeldung Pflicht.

Hausanschluss prüfen

Viele ältere EFH haben nur 32 A Hausanschluss (3 × 32 A = 22 kW max.). Das reicht für eine 10–12 kW WP üblicherweise aus, wenn der Gleichzeitigkeitsfaktor berücksichtigt wird.

Problematisch: Haus mit 25 A Hausanschluss + Elektroauto + WP. Hier kann ein Upgrade auf 63 A nötig werden (3.000–8.000 €, durch Netzbetreiber).

Eigencheck: Im Zählerschrank steht die Absicherung (Hauptsicherung). 3 × 25 A = genug für 8-kW-WP.


Absicherung und Leitungsdimensionierung

Leitungsquerschnitt

WP-Anschlussstrom Mindestquerschnitt Empfohlen
16 A 2,5 mm² 2,5 mm²
20 A 4 mm² 4 mm²
25 A 6 mm² 6 mm²
32 A 10 mm² 10 mm²

Gilt für Kupferleiter in Rohrinstallation nach DIN VDE 0100-520.

Leitungslänge beachten

Langer Kabelweg (Zählerschrank → WP-Inneneinheit → WP-Außeneinheit) erhöht den Spannungsabfall. Bei > 30 m: Querschnitt erhöhen (nächste Stufe). Elektriker berechnet laut VDE.

Schutzschalter-Typen

  • LSS Typ B (Standard): Auslösung bei 3–5× Nennstrom → gut für WP (begrenzter Anlaufstrom)
  • LSS Typ C: Auslösung erst bei 5–10× → nur bei sehr hohen Anlaufströmen nötig
  • FI-Schutzschalter (RCD Typ A): Pflicht für WP-Anschluss (Fehlerstromschutz)

Separater WP-Zähler: Sondertarif

Wie funktioniert der WP-Sondertarif elektrisch?

Für den günstigeren WP-Sondertarif braucht der Netzbetreiber einen separaten Zähler für den WP-Strom:

  1. Haushaltszähler bleibt (für normalen Strom)
  2. WP-Zähler (neu) wird vom Netzbetreiber installiert
  3. Beide laufen auf getrennten Tarifen
  4. WP-Zähler kann bei Sperrzeiten getrennt abgeschaltet werden

§ 14a EnWG: Steuerbare Verbrauchseinrichtung

Ab 01.01.2024 gilt: Alle Wärmepumpen (und E-Auto-Ladepunkte) > 4,2 kW gelten als "steuerbare Verbrauchseinrichtungen". Der Netzbetreiber darf die WP bei Netzüberlastung zeitweise (max. 2h am Stück, max. 6h/Tag, mindestens 50% Restleistung) dimmen. Dafür: reduzierter Netzbetreiber-Aufpreis (–60 €/Jahr Netzentgelt-Reduzierung oder günstigerer Tarif).

Technische Anforderung

  • Zweikreisleitung vom Verteiler: Haushalt + WP getrennt
  • WP-Zähler: Wird vom Netzbetreiber auf Antrag installiert
  • Steuerempfänger (Rundsteuerempfänger): Für Sperrzeiten-Signal, ggf. durch Smart-Meter ersetzt

Smart Meter: Pflicht ab 2025

Was ist Pflicht?

Nach Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) §29:

  • WP ≥ 7 kW: Smart Meter Gateway Pflicht (intelligentes Messsystem, iMSys)
  • Rollout: Messstellenbetreiber muss installieren (Kosten: Messstellenbetreiber)
  • Eigentümer-Kosten: Max. 20 €/Jahr (gedeckelt, § 31 MsbG)

Was passiert mit dem Smart Meter?

Das Smart Meter Gateway:

  • Misst WP-Verbrauch viertelstündlich
  • Sendet Daten an Netzbetreiber und Energieversorger
  • Kann zukünftig dynamische Tarife ermöglichen (automatische Nutzung günstigster Stunden)
  • Ermöglicht § 14a EnWG-Umsetzung ohne separaten Steuerempfänger

Für den Eigentümer: Kein Handlungsbedarf, Messstellenbetreiber handelt von sich aus.


SG-Ready-Anschluss

Was ist SG-Ready?

SG-Ready (Smart Grid Ready) ist ein 2-Kontakt-Interface, das der WP signalisiert, in welchem Modus sie arbeiten soll:

Zustand Kontakt WP-Verhalten
00 Beide offen Normalbetrieb
01 Kontakt 1 geschlossen Gesperrt (z. B. Netz-Hochlastzeit)
10 Kontakt 2 geschlossen Erhöhter Betrieb erlaubt (PV-Überschuss)
11 Beide geschlossen Forcierter Betrieb (Laden für PV-Eigenverbrauch)

SG-Ready elektrisch einbinden

SG-Ready-Anschluss an der WP ist ein Niederspannungs-Steuerstromkreis (24 V oder potenzialfreier Kontakt):

  • Kabel zum WP-Inneneinheit-Anschlussfeld (2-adriges Steuerkabel, 1,5 mm²)
  • Am anderen Ende: Steuerrelais oder PV-Wechselrichter / Energiemanager
  • PV-Wechselrichter mit SG-Ready-Ausgang: Kopplung direkt möglich

Kosten: 200–500 € (Kabel + Relais oder Energiemanager-Anschluss)


Kosten der Elektroinstallation

Typische Elektroinstallation bei WP-Neuinstallation

Position Kosten
Neue Zuleitung von Verteiler zur WP (10–20 m) 400–800 €
Absicherung (LSS, FI) im Verteiler 150–300 €
Steuerkabel WP-Außen- zu Inneneinheit 200–400 €
Zählerantrag und Zählerinstallation (Netzbetreiber) 200–500 €
SG-Ready-Anschluss (Kabel + Relais) 200–400 €
Gesamt Elektroinstallation 1.150–2.400 €

Hausanschluss-Upgrade (wenn nötig):

  • Upgrade 32 A → 63 A Hausanschluss: 2.000–5.000 € (Netzbetreiber + Elektriker)
  • Nur nötig wenn bestehender Anschluss zu schwach

Wer darf installieren?

Elektroinstallation für WP = konzessionierter Elektriker Pflicht:

  • DIN VDE 0100 schreibt Fachbetrieb vor
  • Netzbetreiber fordert Elektriker-Anmeldung für neue Verbrauchseinrichtungen
  • WP-Anmeldung beim Netzbetreiber: üblicherweise durch WP-Fachbetrieb oder Elektriker erledigt

Was Eigentümer selbst dürfen:

  • SG-Ready-Steuerkabel selbst verlegen (Niederspannung 24 V, max. SELV-Bereich)
  • Smart Meter Gateway: Kein Handlungsbedarf, Messstellenbetreiber handelt

→ WP-Installation mit Elektroinstallation anfragen

Verwandte Ratgeber:

Häufige Fragen

Welche elektrische Absicherung braucht eine Wärmepumpe?

Eine Luft-Wasser-WP 10 kW benötigt typisch: 3-phasigen Anschluss (400 V), Absicherung 16–25 A je Phase (LSS B16 oder B25), separaten Stromkreis (nicht zusammen mit Haushaltsstrom). Anlaufstrom (Einschaltstrom) kann kurz 3–5× den Betriebsstrom übersteigen. Deshalb: B-Charakteristik bevorzugen (nicht C). Der Elektriker dimensioniert laut DIN VDE 0100 und Hersteller-Datenblatt.

Brauche ich für die Wärmepumpe einen separaten Stromzähler?

Für den WP-Sondertarif: Ja, separater Zähler erforderlich. Netzbetreiber installiert kostenpflichtigen Doppelzähler (Haushaltsstrom + WP-Strom). Kosten: 200–500 € (einmalig, ggf. vom Netzbetreiber übernommen). Ohne Sondertarif: Kein separater Zähler nötig, WP läuft auf normalem Haushaltsstrom. Empfehlung: WP-Sondertarif lohnt sich – durchschnittlich 4–8 ct/kWh günstiger.

Muss ich bei der Wärmepumpe einen Smart Meter nachrüsten?

Ab 01.01.2025 (Messstellenbetriebsgesetz 2023): Wärmepumpen ab 7 kW müssen mit einem intelligenten Messsystem (iMSys/Smart Meter Gateway) ausgestattet werden. Der Messstellenbetreiber (meist Netzbetreiber) installiert das Smart Meter auf eigene Kosten. Für den Eigentümer entstehen lediglich Betriebskosten (max. 20 €/Jahr Deckelung). Keine Pflicht zur aktiven Steuerung – nur Messung.

Jetzt kostenlose Beratung anfordern

Finden Sie qualifizierte Energieberater und Wärmepumpeninstallateure in Ihrer Region.