Kosten & Wirtschaftlichkeit

Wärmepumpen-Stromtarif: Wie viel sparen WP-Sondertarife?

Wärmepumpen-Sondertarif oder normaler Haushaltsstromtarif? Wie WP-Tarife funktionieren, was sie kosten, wer sie anbietet und wie viel Ersparnis realistisch ist.

6 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Wie WP-Sondertarife funktionieren

Technische Voraussetzung: Zweitarifzähler

WP-Sondertarife erfordern einen separaten Stromzähler für die Wärmepumpe (und ggf. Warmwasserspeicher). Dafür:

  1. Normaler Haushaltszähler läuft weiter
  2. Zweiter Zähler wird für WP installiert
  3. Netzbetreiber kann WP-Zähler über Rundsteuerempfänger oder Funksteuerung sperren (Sperrzeiten)
  4. Gesamtrechnung: Haushaltsstrom zu Normaltarif + WP-Strom zu Sondertarif

Einmaliger Einrichtungsaufwand: Elektriker verlegt Leitung zum WP-Zähler, Netzbetreiber installiert Zähler. Kosten: 300–600 € (einmalig).

Warum gibt es günstigeren WP-Strom?

Stromnetze sind zeitweise überlastet (z. B. abends im Winter). Der Netzbetreiber darf WP kurz abschalten um Lastspitzen zu vermeiden. Als Gegenleistung: günstigerer Arbeitspreis.

Neue Regelung seit 2024 (§ 14a EnWG): Kein vollständiger Abschalt mehr, sondern Reduzierung auf max. 3,7 kW (Peak Shaving). WP läuft weiter, aber reduziert.


Kosten und Ersparnis im Vergleich

Typische Tarif-Vergleich 2025

Tarif Arbeitspreis Grundpreis/Monat
Haushaltsstrom (Vergleich) 28–35 ct/kWh 8–15 €
WP-Sondertarif 20–27 ct/kWh 4–8 €
Ersparnis je kWh 5–10 ct/kWh

Regionale Unterschiede: Netzbetreiber-abhängig. Stadtwerke München: ca. 22 ct/kWh WP-Tarif. E.ON: ca. 24 ct/kWh. Enercity Hannover: ca. 21 ct/kWh.

Rechenbeispiel: EFH 150 m²

Jahresheizwärmebedarf: 18.000 kWh
JAZ Wärmepumpe: 3,2
WP-Stromverbrauch: 18.000 ÷ 3,2 = 5.625 kWh/Jahr

Normaltarif (0,30 €/kWh): 5.625 × 0,30 = 1.688 €/Jahr
WP-Tarif (0,24 €/kWh):    5.625 × 0,24 = 1.350 €/Jahr
Ersparnis: 338 €/Jahr
Minus Grundpreis WP-Zähler: 5 €/Monat = 60 €/Jahr
Nettovorteil: 278 €/Jahr

Über 15 Jahre (ohne Preissteigerung): 4.170 € Ersparnis.


Sperrzeiten nach § 14a EnWG

Neue Regeln ab 2024

Das geänderte Energiewirtschaftsgesetz (§ 14a EnWG) regelt, was Netzbetreiber bei WP-Tarifen dürfen:

Regel Wert
Max. Einzelsperrzeit 2 Stunden
Max. Sperrereignisse/Tag 3
Max. Gesamtsperrzeit/Tag 6 Stunden
Neue Variante: Peak Shaving Reduzierung auf 3,7 kW (kein Vollabschalt)

Was das bedeutet: Selbst bei 6 Stunden Sperrzeit versorgt der Pufferspeicher das Gebäude (gut gedämmtes Haus kühlt in 2h um 0,3–0,8 K ab). In der Praxis selten täglich 6h Sperrzeit.

Mehr Details: Sperrzeiten Wärmepumpe: Was Netzbetreiber dürfen


Wer bietet WP-Tarife an?

WP-Tarife müssen beim lokalen Netzbetreiber beantragt werden (nicht beim Stromanbieter). In Deutschland gibt es ca. 900 Netzbetreiber.

Große Netzbetreiber mit WP-Tarifen

Netzbetreiber Region WP-Tarif-Name
E.ON Grid Norddeutschland HT/NT-Tarif
Bayernwerk Bayern WärmepumpenTarif
Westnetz (RWE) NRW, Rheinland Wärmepumpenstrom
Netz Stuttgart BW WP-Sondertarif
Stromnetz Berlin Berlin WP-Tarif

Stromanbieter mit WP-Tarifen

Einige Stromanbieter bieten WP-spezifische Tarife (über den Netzbetreiber hinaus):

  • E.ON: WärmepumpenStrom
  • EON/Innogy: LandStrom für WP
  • envia M: WärmepumpeGas
  • Stadtwerke (lokal): Oft günstigste WP-Tarife

Tipp: Vergleichen Sie lokal! Stadtwerke haben oft die günstigsten WP-Tarife, weil sie Netzbetreiber und Lieferant in einem sind.


WP-Tarif beantragen: Schritt für Schritt

Schritt 1: Netzbetreiber ermitteln

Netzbetreiber ≠ Stromlieferant. Netzbetreiber finden: Bundesnetzagentur-Marktstammdatenregister (netztransparenz.de) oder auf der Stromrechnung.

Schritt 2: WP-Tarif beim Netzbetreiber anfragen

Netzbetreiber kontaktieren und WP-Anschlusstarif beantragen. Benötigt wird:

  • Adresse des Anschlusses
  • Leistung der WP (in kW)
  • WP-Modell (Hersteller, Typ)

Schritt 3: Zweiten Zähler installieren lassen

Netzbetreiber schickt Techniker für Zweitarifzähler. Einbauzeitpunkt: Idealerweise gleichzeitig mit WP-Installation koordinieren.

Schritt 4: Stromlieferant für WP wählen

Nach Zählerinstallation: Stromlieferant für WP-Zähler wählen (kann anderer Anbieter sein als Haushaltsstrom).

Wichtig: Zeitpunkt

WP-Tarif möglichst vor oder gleichzeitig mit WP-Installation beantragen. Nachträgliche Zählerinstallation kostet mehr (erneuter Elektriker-Einsatz).


WP-Tarif + PV: Optimale Kombination

Wenn Sie eine Photovoltaikanlage haben oder planen:

Option 1: PV-Eigenverbrauch tagsüber + WP-Tarif nachts

  • WP läuft bevorzugt tagsüber (Eigenverbrauch PV-Strom, 0 ct/kWh Grenzkosten)
  • WP-Tarif für abends/nachts (20–24 ct/kWh vs. 30 ct/kWh Normaltarif)
  • SG-Ready-Schnittstelle koordiniert WP und PV-Anlage automatisch

Option 2: Dynamischer Tarif (Tibber, aWATTar)

Dynamische Tarife basieren auf Börsenstrom (EPEX Spot). Wenn WP gesteuert wird um bei Niedrigpreisphasen zu laufen:

  • Durchschnittlicher Preis: 15–20 ct/kWh (gut)
  • Erfordert: Smart Meter Gateway + WP-Steuerung (z. B. SMA Energy Manager)
  • Höhere Einrichtungskomplexität, aber potenziell höchste Ersparnisse

Option 3: Einfach WP-Sondertarif ohne PV

Für Haushalte ohne PV: WP-Tarif bringt verlässlich 5–10 ct/kWh Ersparnis. Unkompliziert, sofort nutzbar.


Fazit: WP-Sondertarif lohnt sich fast immer – der Mehraufwand (Zweitarifzähler) kostet einmalig 300–600 €, spart aber jährlich 200–500 €. Payback: 1–2 Jahre.


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Häufige Fragen

Was ist ein Wärmepumpen-Sondertarif?

Ein WP-Sondertarif ist ein spezieller Stromtarif für Wärmepumpen mit separatem Zweitarifzähler. Der Tarif ist günstiger als Haushaltsstrom (22–28 ct/kWh statt 28–35 ct/kWh), weil der Netzbetreiber das Recht hat, die WP bis zu 6 Stunden täglich abzuschalten (§ 14a EnWG Sperrzeiten). Vorteil: Günstigere kWh. Nachteil: WP kann kurzzeitig gesperrt werden.

Wie viel spare ich mit einem WP-Tarif?

Rechenbeispiel EFH 150 m² (7.500 kWh WP-Strom/Jahr): Normaltarif 0,30 €/kWh = 2.250 €/Jahr. WP-Tarif 0,24 €/kWh = 1.800 €/Jahr. Ersparnis: 450 €/Jahr. Minus Grundpreis WP-Zähler (50–80 €/Jahr): Nettovorteil ca. 370–400 €/Jahr. Bei WP mit PV: Kombination oft noch günstiger.

Wann lohnt sich kein WP-Tarif?

WP-Tarif lohnt sich nicht wenn: 1) WP-Stromverbrauch sehr gering (< 3.000 kWh/Jahr) → Grundpreis-Nachteil wiegt schwerer. 2) PV-Anlage vorhanden mit hohem Eigenverbrauch → Überschuss deckt WP-Bedarf tagsüber ab, Einsparung durch Tarif marginal. 3) Netzbetreiber sperrt in Ihrer Region häufig zu unpassenden Zeiten → Heizstab-Mehrverbrauch frisst Ersparnisse.

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