Primärenergiefaktor bei Wärmepumpen: Was zählt wirklich?
Primärenergiefaktor (fp) bei Wärmepumpen erklärt: Welchen fp hat Strom 2025, wie beeinflusst er die GEG-Bewertung und den Energieausweis – mit aktuellen Werten.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist der Primärenergiefaktor?
- Aktuelle fp-Werte 2025 nach GEG
- Wie WPs im GEG-Nachweis bewertet werden
- Primärenergie vs. Endenergie: Unterschied
- Auswirkung auf den Energieausweis
- WP + PV: Primärenergiebedarf optimieren
- Entwicklung des Stromfaktors
Was ist der Primärenergiefaktor?
Der Primärenergiefaktor (fp) gibt an, wie viel Primärenergie (Rohstoffe, Energieaufwand für Förderung, Transport, Umwandlung) benötigt wird, um eine Einheit Endenergie (z. B. 1 kWh Strom) bereitzustellen:
Primärenergiebedarf = Endenergiebedarf × Primärenergiefaktor (fp)
Warum fp > 1 bei Strom?
- Kraftwerke haben Wirkungsgrad < 100 % (Kohlekraftwerk ~38 %, GuD ~55 %)
- Netzverlustre: ~5–7 %
- Für 1 kWh Endenergie Strom werden so 1,8 kWh Primärenergie eingesetzt
Warum wichtig für WP?
- WP verbraucht Strom (Endenergie)
- GEG bewertet Primärenergiebedarf → WP muss trotz fp 1,8 gut abschneiden
- Lösung: JAZ > 1,8 → WP spart Primärenergie gegenüber direktem Heizen
Aktuelle fp-Werte 2025 nach GEG
Anlage 4 des GEG 2023 definiert die Primärenergiefaktoren:
| Energieträger | fp (Primärenergiefaktor) |
|---|---|
| Netzstrom (Bundesdurchschnitt) | 1,8 |
| Strom aus erneuerbaren Quellen (Ökostromerzeugung) | 1,2 |
| Erdgas | 1,1 |
| Flüssiggas | 1,1 |
| Heizöl | 1,1 |
| Steinkohle | 1,1 |
| Braunkohle | 1,2 |
| Fernwärme (fossil) | 0,7 |
| Holzpellets | 0,2 |
| Holz (Scheitholz) | 0,2 |
| Umweltwärme (kostenlos) | 0,0 |
Wichtig: Die Umweltwärme (Anteil der WP, der aus Luft/Boden/Wasser stammt) hat fp = 0 → sehr günstig für WP-Bewertung.
Wie WPs im GEG-Nachweis bewertet werden
Berechnung GEG-Primärenergiebedarf
Q_p (WP) = Q_h ÷ JAZ × fp_Strom + Q_WW ÷ JAZ_WW × fp_Strom
Mit:
Q_h = Jahresheizwärmebedarf (kWh/m²/Jahr)
JAZ = Jahresarbeitszahl Heizung
JAZ_WW = Jahresarbeitszahl Warmwasser
fp_Strom = 1,8 (Netzstrom)
Rechenbeispiel: Altbau, WP vs. Gas
Gebäude: EFH 150 m², Heizwärmebedarf 120 kWh/m²/Jahr
| Heizsystem | Endenergie | fp | Primärenergie |
|---|---|---|---|
| Gasheizung (ηN = 92 %) | 120 ÷ 0,92 = 130 kWh/m² | 1,1 | 143 kWh/m² |
| WP (JAZ 3,5) | 120 ÷ 3,5 = 34 kWh/m² Strom | 1,8 | 62 kWh/m² |
| WP (JAZ 2,5) | 120 ÷ 2,5 = 48 kWh/m² | 1,8 | 86 kWh/m² |
→ WP mit JAZ 3,5 hat 57 % niedrigeren Primärenergiebedarf als Gas. → Auch WP mit schlechter JAZ 2,5 hat noch 40 % niedrigeren Bedarf.
Break-even: WP ist ab JAZ > fp_Gas ÷ fp_Strom = 1,1 ÷ 1,8 = 0,61 besser als Gas. Bei JAZ > 0,61 ist WP immer primärenergetisch günstiger – das erreicht jede reale WP problemlos.
Primärenergie vs. Endenergie: Unterschied
| Begriff | Was gemessen wird | Relevanz |
|---|---|---|
| Endenergiebedarf | Energie am Hausanschluss (kWh Strom, m³ Gas) | Auf Energierechnung, Abrechnungsgrundlage |
| Primärenergiebedarf | Gesamter Ressourcenaufwand inkl. Vorkette | GEG-Nachweis, Energieausweis |
| Nutzenergiebedarf | Wärme, die wirklich ins Gebäude fließt | Heizlastberechnung, Planung |
Energieausweis: Zeigt beide Werte:
- Endenergiebedarf: Relevant für Betriebskosten-Abschätzung
- Primärenergiebedarf: Relevant für GEG-Klasse und Umweltbewertung
Auswirkung auf den Energieausweis
Energieeffizienzklassen (GEG 2023, ab 01.01.2023)
| Klasse | Primärenergiebedarf (kWh/m²/Jahr) |
|---|---|
| A+ | < 30 |
| A | 30–50 |
| B | 50–75 |
| C | 75–100 |
| D | 100–130 |
| E | 130–160 |
| F | 160–200 |
| G | 200–250 |
| H | > 250 |
WP-Effekt auf Energieausweis:
- Altbau unsaniert mit Gas: Klasse G–H (200–300 kWh/m²)
- Selbes Haus mit WP JAZ 3,5: Klasse D–E (90–130 kWh/m²) – ohne Sanierung!
- Nach Sanierung + WP JAZ 4,0: Klasse B–C (50–80 kWh/m²)
Verkaufswert: Höhere Energieeffizienzklasse steigert Immobilienwert (bis zu 10 % Aufpreis laut IW-Köln-Studie 2023).
WP + PV: Primärenergiebedarf optimieren
PV-Eigenverbrauch senkt fp
Wenn WP teilweise mit PV-Eigenstrom betrieben wird:
fp_eff = (Anteil Netzstrom × 1,8 + Anteil PV-Strom × 1,2) ÷ Gesamtstrom
Beispiel: 40 % PV-Eigenverbrauch, 60 % Netzstrom:
fp_eff = (0,6 × 1,8 + 0,4 × 1,2) ÷ 1 = 1,08 + 0,48 = 1,56
Gegenüber reinem Netzstrom (fp 1,8): Primärenergiefaktor um 13 % gesunken.
Energieausweis-Verbesserung: Energieberater kann PV-Anteil einrechnen → bessere Klasse.
Entwicklung des Stromfaktors
Der fp für Netzstrom sinkt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien:
| Jahr | fp Strom (GEG/EnEV) | EE-Anteil Strom Deutschland |
|---|---|---|
| 2014 | 2,6 | 27 % |
| 2016 | 1,8 | 32 % |
| 2023 | 1,8 | 52 % |
| 2030 (Prognose) | ~1,4–1,5 | ~80 % |
| 2045 (Klimaneutral) | ~1,0 | ~100 % |
Konsequenz: WP-Anlagen werden mit der Energiewende automatisch besser in der GEG-Bewertung – ohne Umbau oder Nachrüstung.
→ Energieberatung mit GEG-Nachweis anfragen
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Häufige Fragen
Was ist der Primärenergiefaktor für Strom 2025?
Primärenergiefaktor (fp) für Netzstrom: Aktuell 1,8 laut GEG 2023 (Anlage 4). Bedeutung: Für jede kWh Endenergie (Strom) werden 1,8 kWh Primärenergie (Rohstoffäquivalent) angesetzt. Hintergrund: Strom in Deutschland noch zu großem Teil aus Kohle/Gas erzeugt → höherer fp als für Erdgas (1,1) oder Heizöl (1,1). Tendenz sinkend: Mit Energiewende (mehr EE-Strom) wird fp für Strom zukünftig auf 1,4–1,6 sinken.
Wie beeinflusst der Primärenergiefaktor die GEG-Bewertung der Wärmepumpe?
WP-Effizienz im GEG: Primärenergiebedarf (kWh/m²/Jahr) = Endenergiebedarf × fp ÷ JAZ. Beispiel: WP mit JAZ 3,5, Endenergiebedarf 100 kWh/m²/Jahr. Endenergie WP = 100 ÷ 3,5 = 28,6 kWh Strom/m²/Jahr. Primärenergie = 28,6 × 1,8 = 51,4 kWh/m²/Jahr. Vergleich Gas: 100 kWh × 1,1 = 110 kWh/m²/Jahr → WP hat 53 % niedrigeren Primärenergiebedarf als Gas.
Zählt Ökostrom oder PV-Strom mit einem anderen Primärenergiefaktor?
Ja – Ökostrom und PV-Eigenstrom: fp = 1,2 (laut GEG, Anlage 4, Strom aus erneuerbaren Quellen). PV-Eigenstrom sogar fp = 0 (lt. manche Nachweisführungen) oder 1,2. Grünstromvertrag: Wenn eindeutig nachgewiesen, kann fp 1,2 angesetzt werden. In der Praxis: Energieberater muss Nachweis prüfen. Für WP + PV: Deutlich bessere GEG-Bewertung möglich → Energieausweis verbessert sich.
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