Gebäudedaten erfassen: Was der Energieberater braucht
Welche Gebäudedaten braucht der Energieberater für die WP-Planung? Vollständige Liste aller Angaben zu Gebäude, Heizsystem und Nutzung – mit Checkliste zum Ausdrucken.
Inhaltsverzeichnis
- Warum Gebäudedaten so wichtig sind
- Checkliste: Gebäudehülle
- Checkliste: Heizsystem und Verteilung
- Checkliste: Nutzung und Verbrauch
- Heizlastberechnung: Was der EE berechnet
- Unterlagen für den Energieberater-Termin
Warum Gebäudedaten so wichtig sind
Die Qualität der WP-Planung hängt direkt von der Datenlage ab:
- WP-Dimensionierung: Falsche Heizlast → WP zu groß (Taktproblem) oder zu klein (friert)
- Vorlauftemperatur: Beeinflusst JAZ stark; ermittelbar nur mit Kenntnissen über Heizkörper und Gebäude
- BAFA-Förderung: Heizlastberechnung ist Pflicht für hydraulischen Abgleich
Ein guter Energieberater kann fehlende Daten beim Vor-Ort-Termin selbst ermitteln – aber je mehr Sie vorbereiten, desto effizienter (und günstiger) der Termin.
Checkliste: Gebäudehülle
Grunddaten
- Baujahr des Gebäudes
- Gebäudetyp (EFH, Doppelhaus, Reihenhaus, MFH)
- Wohnfläche (m²) – beheizte Fläche
- Anzahl Geschosse (inkl. Keller und Dachausbau)
- Gebäudevolumen oder lichte Raumhöhen
Außenwand
- Wandaufbau (Vollziegel, Poroton, Beton, Holzrahmen)
- Wanddicke (cm) – sichtbar an Fensterlaibung
- Außendämmung vorhanden? (WDVS, Kerndämmung)
- Wenn ja: Material und Dicke (z. B. 10 cm EPS, aufgeklebt 2010)
Dach
- Dachform (Satteldach, Flachdach, Walmdach)
- Dachausbau: Ausgebaut und beheizt, oder unausgebaut?
- Dachdämmung: Wann und wie? (Zwischensparren, Aufsparren, Flachdach-Aufbau)
- Wenn ja: Dicke und Material
Keller
- Keller vorhanden? Beheizt oder unbeheizt?
- Kellerdecke gedämmt? (Dämmung von unten an Kellerdecke)
Fenster
- Baujahr oder Austauschzeitpunkt der Fenster
- Verglasung: Einfach (alt), 2-fach, 3-fach
- Rahmenmaterial: Holz, Kunststoff, Aluminium
- Gesamtfensterfläche (geschätzt oder gemessen, m²)
Checkliste: Heizsystem und Verteilung
Wärmeerzeuger (Heizkessel)
- Hersteller und Modell (Typenschild am Kessel)
- Baujahr (oft auf Typenschild oder Schornsteinfeger-Protokoll)
- Nennleistung (kW, auf Typenschild)
- Brennstoff: Gas, Öl, Pellets, Strom
Warmwasserbereitung
- Wie wird WW bereitet? (Kombispeicher, Durchlauferhitzer, Solar+Speicher)
- Speichergröße (Liter, auf Typenschild)
Wärmeverteilung
- Heizkörper oder Fußbodenheizung?
- Bei Heizkörpern:
- Anzahl und Größe (grob, z. B. 3 Standard-Heizkörper pro Etage)
- Baujahr (orig. Gussradiatoren oder neuere Flachheizkörper?)
- Typ (Einrohr oder Zweirohrsystem?)
- Thermostatventile vorhanden?
- Bei FBH:
- Wann verlegt? Welche Räume?
- Schichtdicke Estrich (cm)
Heizkreisverteiler
- Anzahl Heizkreise (jeden Raum zählen)
- Hydraulischer Abgleich: War je ein Abgleich durchgeführt?
Checkliste: Nutzung und Verbrauch
Bewohner und Nutzung
- Anzahl Personen im Haushalt
- Nutzungsprofil: Berufstätig (tagsüber wenig da), Homeoffice, Rentner (ganztags)
- Warmwasserbedarf: Normaler Bedarf, häufiges Baden, großer Haushalt?
Energieverbrauch
- Letzte 2–3 Energie-Jahresabrechnungen (Gas m³ oder kWh, Öl Liter)
- Jahres-Heizenergieverbrauch (kWh/Jahr) – berechnet aus Rechnungen
- Spezifischer Verbrauch (kWh/m²/Jahr) – falls bekannt
Besonderheiten
- Photovoltaikanlage vorhanden? (kWp, Baujahr)
- Solarthermie?
- Lüftungsanlage (kontrollierte Wohnraumlüftung)?
- Geplante Sanierungen in den nächsten Jahren?
Heizlastberechnung: Was der EE berechnet
Auf Basis der Gebäudedaten erstellt der EE die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831:
Was berechnet wird
Heizlast (kW) = Transmissionswärmeverlust + Lüftungswärmeverlust
Transmissionsverlust = Σ (A × U × ΔT) pro Bauteil
A = Fläche (m²)
U = Wärmedurchgangskoeffizient (W/m²K)
ΔT = Temperaturdifferenz innen/außen bei Normtemperatur
Lüftungsverlust = V_Gebäude × n_Luft × 0,34 W/(m³K) × ΔT
Ergebnis
- Gebäude-Normheizlast (kW): z. B. 8,5 kW für EFH 150 m²
- Raumweise Heizlast: Basis für hydraulischen Abgleich
- Grundlage für WP-Dimensionierung: WP sollte Nennleistung nahe der Normheizlast haben
Unterlagen für den Energieberater-Termin
Ideal mitbringen (wenn vorhanden)
| Unterlage | Wo finden |
|---|---|
| Grundriss Erdgeschoss + OG | Bauunterlagen, Keller-Archiv |
| Baupläne / Baugenehmigung | Stadtarchiv, eigene Unterlagen |
| Letzter Schornsteinfeger-Bericht | Eigene Unterlagen (jährlich) |
| Energieabrechnung (3 Jahre) | Energieversorger-Portal, Eigenarchiv |
| Fenster-Kaufrechnung | Falls vorhanden |
| Foto Heizkessel-Typenschild | Beim Termin aufnehmen |
Wenn nichts vorhanden
Kein Problem – der Energieberater ermittelt alles vor Ort. Dann dauert die Begehung etwas länger (2–4 statt 1–2 Stunden).
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Häufige Fragen
Welche Unterlagen brauche ich für den Energieberater-Termin?
Für Ersttermin mitbringen: 1) Grundriss und Schnittzeichnung (falls vorhanden). 2) Letzte Energierechnung (Gas-/Ölmenge oder kWh/Jahr). 3) Alter und Typ der Heizanlage (Kessel-Typenschild). 4) Baujahr des Gebäudes. 5) Informationen zu bisherigen Sanierungen (Fenster, Dämmung). Wenn nicht vorhanden: Energieberater kann vieles selbst ermitteln (Begehung). Vollständigere Unterlagen = schnellere und günstigere Beratung.
Was ist eine Heizlastberechnung und brauche ich eine?
Heizlastberechnung (DIN EN 12831): Berechnung der maximalen Wärmeleistung, die das Gebäude bei Normatienaußentemperatur benötigt (kW). Für WP-Förderung: Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B erfordert Heizlastberechnung → Pflicht für BAFA. Für WP-Dimensionierung: Basis für korrekte WP-Leistungswahl (Über/Unterdimensionierung vermeiden). Kosten: Im EE-Honorar enthalten oder 300–600 € separat.
Kann ich Gebäudedaten auch selbst erfassen?
Ja – Voraberfassung spart Zeit beim Energieberater-Termin: Wohnfläche ausmessen (oder aus Grundriss ablesen). Wandaufbau fotografieren (Foto Wandquerschnitt z. B. in Kellertreppe sichtbar). Heizkörper fotografieren (Typenschild: kW-Angabe). Schornsteinfeger-Protokoll heraussuchen (Alter der Heizanlage). Fenster-Baujahr schätzen (Original oder getauscht). Je mehr vorhanden, desto gezielter kann der EE planen.
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