Energieberatung Praxis

Gebäudedaten erfassen: Was der Energieberater braucht

Welche Gebäudedaten braucht der Energieberater für die WP-Planung? Vollständige Liste aller Angaben zu Gebäude, Heizsystem und Nutzung – mit Checkliste zum Ausdrucken.

5 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Warum Gebäudedaten so wichtig sind

Die Qualität der WP-Planung hängt direkt von der Datenlage ab:

  • WP-Dimensionierung: Falsche Heizlast → WP zu groß (Taktproblem) oder zu klein (friert)
  • Vorlauftemperatur: Beeinflusst JAZ stark; ermittelbar nur mit Kenntnissen über Heizkörper und Gebäude
  • BAFA-Förderung: Heizlastberechnung ist Pflicht für hydraulischen Abgleich

Ein guter Energieberater kann fehlende Daten beim Vor-Ort-Termin selbst ermitteln – aber je mehr Sie vorbereiten, desto effizienter (und günstiger) der Termin.


Checkliste: Gebäudehülle

Grunddaten

  • Baujahr des Gebäudes
  • Gebäudetyp (EFH, Doppelhaus, Reihenhaus, MFH)
  • Wohnfläche (m²) – beheizte Fläche
  • Anzahl Geschosse (inkl. Keller und Dachausbau)
  • Gebäudevolumen oder lichte Raumhöhen

Außenwand

  • Wandaufbau (Vollziegel, Poroton, Beton, Holzrahmen)
  • Wanddicke (cm) – sichtbar an Fensterlaibung
  • Außendämmung vorhanden? (WDVS, Kerndämmung)
    • Wenn ja: Material und Dicke (z. B. 10 cm EPS, aufgeklebt 2010)

Dach

  • Dachform (Satteldach, Flachdach, Walmdach)
  • Dachausbau: Ausgebaut und beheizt, oder unausgebaut?
  • Dachdämmung: Wann und wie? (Zwischensparren, Aufsparren, Flachdach-Aufbau)
    • Wenn ja: Dicke und Material

Keller

  • Keller vorhanden? Beheizt oder unbeheizt?
  • Kellerdecke gedämmt? (Dämmung von unten an Kellerdecke)

Fenster

  • Baujahr oder Austauschzeitpunkt der Fenster
  • Verglasung: Einfach (alt), 2-fach, 3-fach
  • Rahmenmaterial: Holz, Kunststoff, Aluminium
  • Gesamtfensterfläche (geschätzt oder gemessen, m²)

Checkliste: Heizsystem und Verteilung

Wärmeerzeuger (Heizkessel)

  • Hersteller und Modell (Typenschild am Kessel)
  • Baujahr (oft auf Typenschild oder Schornsteinfeger-Protokoll)
  • Nennleistung (kW, auf Typenschild)
  • Brennstoff: Gas, Öl, Pellets, Strom

Warmwasserbereitung

  • Wie wird WW bereitet? (Kombispeicher, Durchlauferhitzer, Solar+Speicher)
  • Speichergröße (Liter, auf Typenschild)

Wärmeverteilung

  • Heizkörper oder Fußbodenheizung?
  • Bei Heizkörpern:
    • Anzahl und Größe (grob, z. B. 3 Standard-Heizkörper pro Etage)
    • Baujahr (orig. Gussradiatoren oder neuere Flachheizkörper?)
    • Typ (Einrohr oder Zweirohrsystem?)
    • Thermostatventile vorhanden?
  • Bei FBH:
    • Wann verlegt? Welche Räume?
    • Schichtdicke Estrich (cm)

Heizkreisverteiler

  • Anzahl Heizkreise (jeden Raum zählen)
  • Hydraulischer Abgleich: War je ein Abgleich durchgeführt?

Checkliste: Nutzung und Verbrauch

Bewohner und Nutzung

  • Anzahl Personen im Haushalt
  • Nutzungsprofil: Berufstätig (tagsüber wenig da), Homeoffice, Rentner (ganztags)
  • Warmwasserbedarf: Normaler Bedarf, häufiges Baden, großer Haushalt?

Energieverbrauch

  • Letzte 2–3 Energie-Jahresabrechnungen (Gas m³ oder kWh, Öl Liter)
  • Jahres-Heizenergieverbrauch (kWh/Jahr) – berechnet aus Rechnungen
  • Spezifischer Verbrauch (kWh/m²/Jahr) – falls bekannt

Besonderheiten

  • Photovoltaikanlage vorhanden? (kWp, Baujahr)
  • Solarthermie?
  • Lüftungsanlage (kontrollierte Wohnraumlüftung)?
  • Geplante Sanierungen in den nächsten Jahren?

Heizlastberechnung: Was der EE berechnet

Auf Basis der Gebäudedaten erstellt der EE die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831:

Was berechnet wird

Heizlast (kW) = Transmissionswärmeverlust + Lüftungswärmeverlust

Transmissionsverlust = Σ (A × U × ΔT) pro Bauteil
  A = Fläche (m²)
  U = Wärmedurchgangskoeffizient (W/m²K)
  ΔT = Temperaturdifferenz innen/außen bei Normtemperatur

Lüftungsverlust = V_Gebäude × n_Luft × 0,34 W/(m³K) × ΔT

Ergebnis

  • Gebäude-Normheizlast (kW): z. B. 8,5 kW für EFH 150 m²
  • Raumweise Heizlast: Basis für hydraulischen Abgleich
  • Grundlage für WP-Dimensionierung: WP sollte Nennleistung nahe der Normheizlast haben

Unterlagen für den Energieberater-Termin

Ideal mitbringen (wenn vorhanden)

Unterlage Wo finden
Grundriss Erdgeschoss + OG Bauunterlagen, Keller-Archiv
Baupläne / Baugenehmigung Stadtarchiv, eigene Unterlagen
Letzter Schornsteinfeger-Bericht Eigene Unterlagen (jährlich)
Energieabrechnung (3 Jahre) Energieversorger-Portal, Eigenarchiv
Fenster-Kaufrechnung Falls vorhanden
Foto Heizkessel-Typenschild Beim Termin aufnehmen

Wenn nichts vorhanden

Kein Problem – der Energieberater ermittelt alles vor Ort. Dann dauert die Begehung etwas länger (2–4 statt 1–2 Stunden).


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Häufige Fragen

Welche Unterlagen brauche ich für den Energieberater-Termin?

Für Ersttermin mitbringen: 1) Grundriss und Schnittzeichnung (falls vorhanden). 2) Letzte Energierechnung (Gas-/Ölmenge oder kWh/Jahr). 3) Alter und Typ der Heizanlage (Kessel-Typenschild). 4) Baujahr des Gebäudes. 5) Informationen zu bisherigen Sanierungen (Fenster, Dämmung). Wenn nicht vorhanden: Energieberater kann vieles selbst ermitteln (Begehung). Vollständigere Unterlagen = schnellere und günstigere Beratung.

Was ist eine Heizlastberechnung und brauche ich eine?

Heizlastberechnung (DIN EN 12831): Berechnung der maximalen Wärmeleistung, die das Gebäude bei Normatienaußentemperatur benötigt (kW). Für WP-Förderung: Hydraulischer Abgleich nach Verfahren B erfordert Heizlastberechnung → Pflicht für BAFA. Für WP-Dimensionierung: Basis für korrekte WP-Leistungswahl (Über/Unterdimensionierung vermeiden). Kosten: Im EE-Honorar enthalten oder 300–600 € separat.

Kann ich Gebäudedaten auch selbst erfassen?

Ja – Voraberfassung spart Zeit beim Energieberater-Termin: Wohnfläche ausmessen (oder aus Grundriss ablesen). Wandaufbau fotografieren (Foto Wandquerschnitt z. B. in Kellertreppe sichtbar). Heizkörper fotografieren (Typenschild: kW-Angabe). Schornsteinfeger-Protokoll heraussuchen (Alter der Heizanlage). Fenster-Baujahr schätzen (Original oder getauscht). Je mehr vorhanden, desto gezielter kann der EE planen.

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