Energieberatung Praxis

Energieberatung im Neubau: KfW-Anforderungen erfüllen

Energieberatung beim Neubau: KfW-Effizienzhaus-Standards (QNG, EH 40, EH 55), Wärmepumpen im Neubau, Planungsbegleitung und Fördermittel 2025.

6 Min. LesezeitXpora Redaktion
NeubauKfWEffizienzhausQNGEnergieberatungWärmepumpe

Inhaltsverzeichnis


GEG im Neubau: Was ist Pflicht?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt Anforderungen an Neubauten in zwei Bereichen:

Primärenergiebedarf (Qp)

Der Jahres-Primärenergiebedarf darf das GEG-Referenzgebäude nicht überschreiten:

  • Referenzgebäude: Fiktives Gebäude gleicher Geometrie mit definierten Bauteil-U-Werten
  • Neubau muss ≤ 100 % des Referenzgebäudes erreichen (in der Praxis meist besser)

Transmissionswärmeverlust (H'T)

  • Maximal 70 % des Referenzgebäudes (vereinfacht)
  • Begrenzung der Wärmeverluste durch Außenbauteile

65 %-Erneuerbare-Pflicht (§ 71 GEG ab 2024)

  • Jede neue Heizungsanlage im Neubau muss mindestens 65 % erneuerbare Energie nutzen
  • Wärmepumpe: Erfüllt dies automatisch (Umweltwärme > 65 %)
  • Gas-Heizung allein: Nicht mehr zulässig im Neubau (Ausnahmen: Biomasse, grüner Wasserstoff)

KfW-Standards: EH 40, EH 55 und QNG

Effizienzhaus-Nummern erklären sich selbst

Die Zahl gibt den Primärenergiebedarf als Prozentsatz des Referenzgebäudes an:

Standard Primärenergiebedarf H'T-Grenzwert WP-JAZ (Luft)
GEG-Minimum ≤ 100 % ≤ 70 % 3,5–4,0
EH 55 ≤ 55 % ≤ 70 % 4,0–4,5
EH 40 ≤ 40 % ≤ 55 % 4,5–5,0
EH 40 + QNG ≤ 40 % + Nachhaltigkeitsklasse 5,0+ 4,8–5,5

QNG – Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude

Seit 2023 Voraussetzung für den höchsten KfW-Zinsvorteil:

  • Ökologische Qualität (Primärenergiebedarf, Ökobilanz)
  • Soziale Qualität (Barrierefreiheit, Schallschutz)
  • Technische Qualität (Raumluft, Licht, Erdbebenresistenz)
  • Zertifizierung durch akkreditierte Stelle (z. B. DGNB, BNB, NaWoh)

Wichtig: QNG erhöht Baukosten um ca. 5.000–15.000 € aber verbessert KfW-Konditionen erheblich.


Wärmepumpe im Neubau: Die Standard-Heizlösung

Warum WP im Neubau ideal ist

Der Neubau bietet optimale Voraussetzungen für Wärmepumpen:

1. Fußbodenheizung von Anfang an geplant

  • 35–40 °C Vorlauftemperatur → JAZ 4,5–5,5
  • Gleichmäßige Wärmeverteilung
  • Kein Heizkörpertausch nötig

2. Niedrige Heizlast durch gute Dämmung

  • EH 40: Heizlast nur 20–40 W/m² Wohnfläche
  • 150 m² Neubau: oft nur 5–8 kW Heizlast
  • Kleine, günstige WP ausreichend

3. Primärenergiefaktor-Vorteil

  • WP Strom: fp = 1,8 (GEG Anlage 4)
  • Umweltwärme: fp = 0,0
  • Kombination → sehr günstiger Primärenergieausweis

WP-Typen im Neubau

WP-Typ Neubau-Eignung Besonderheit
Luft-Wasser-WP ✅ Sehr gut Günstigste Option, kein Grundstückseingriff
Sole-WP (Erdsonde) ✅ Sehr gut Höchste JAZ, ideal wenn Grundstück erlaubt
Sole-WP (Erdkollektor) ✅ Gut Wenn großes Grundstück vorhanden
Energiepfähle ✅ Ideal (Neubau) Nur bei Pfahlgründung, null Mehrkosten für Wärmequelle
Grundwasser-WP ✅ Gut (wenn genehmigt) Höchste JAZ, Genehmigung frühzeitig prüfen

Dimensionierung im Neubau

Faustformel Neubau EH 40:
Heizlast = 25–35 W/m² × Wohnfläche

Beispiel: 160 m² EH 40:
Heizlast = 30 × 160 = 4.800 W = 4,8 kW
WP-Größe: 6 kW (+ Reserve für WW-Aufheizung)

Rolle des Energieeffizienz-Experten im Neubau

Planungsphase (vor Baubeginn)

  • Analyse der Architektenplanung auf energetische Qualität
  • Berechnung des Primärenergiebedarfs (KfW-Nachweis)
  • WP-Empfehlung und Dimensionierungshinweise
  • Ausstellung BzA (Bestätigung zum Antrag) → Pflicht vor KfW-Antrag

Baubegleitung (während Bau)

  • Kontrolle der Umsetzung dämmrelevanter Details (3–5 Besuche)
  • Prüfung: Wärmebrücken-Minimierung, Luftdichtheit
  • Vorbereitung Blower-Door-Test (am Bautag)
  • Protokollierung der Ausführungsqualität

Nach Fertigstellung

  • BnD (Bestätigung nach Durchführung) ausstellen → Pflicht für KfW-Auszahlung
  • Energieausweis (Bedarfsausweis) erstellen
  • Einweisung Eigentümer in optimalen WP-Betrieb

KfW-Förderung für Neubau 2025

BEG WG (Wohngebäude) – Hauptprogramm

KfW 297/298 – Klimafreundlicher Neubau:

Standard Zinsvorteil Kreditbetrag (je WE)
EH 40 Günstige Zinsen Bis 150.000 €
EH 40 + QNG Noch günstigerer Zins Bis 150.000 €

Aktueller Zinssatz: Marktabhängig; KfW-Zins historisch 0,5–2,0 % unter Markt.

KfW 431 – Energieeffizienz-Experten-Kosten

  • 50 % Zuschuss auf EE-Honorar
  • Max. 5.000 € Zuschuss (= 10.000 € EE-Kosten)
  • Antrag über KfW (nicht BAFA)
  • Voraussetzung: EE aus Bundesliste

Nicht mehr: KfW EH 55 (eingestellt)

KfW 55 wurde 2022 eingestellt und nicht reaktiviert. EH 40 ist der jetzige Mindeststandard für KfW BEG WG.

BAFA für die WP selbst

WP im Neubau: Grundsätzlich nicht über BAFA BEG EM förderbar (BEG EM gilt für Bestandsgebäude). Die WP im Neubau wird über den KfW-Kredit (BEG WG) mitfinanziert.


Energieausweis für den Neubau

Bedarfsausweis (Pflicht im Neubau)

Im Gegensatz zum Altbau (Wahlrecht) ist im Neubau der Bedarfsausweis Pflicht:

  • Berechnet nach normiertem Nutzungsverhalten (DIN V 18599)
  • Erstellt vom Energieeffizienz-Experten
  • Wird beim Verkauf/Vermietung vorgelegt
  • Pflichtinhalt: Energieeffizienzklasse (A+ bis H), Primärenergiebedarf, Endenergiebedarf, Heizungstyp

Energieeffizienzklassen

Klasse Primärenergiebedarf
A+ ≤ 30 kWh/m²·a
A 30–50 kWh/m²·a
B 50–75 kWh/m²·a
C 75–100 kWh/m²·a

Neubau mit WP und EH 40: Typisch Klasse A oder A+ (18–45 kWh/m²·a Primärenergie).


Planungsoptimierung: Worauf der EE achtet

Wärmebrücken-Minimierung

Wärmebrücken können 10–30 % des Transmissionsverlustes ausmachen:

Planungsdetail Wärmebrücken-Einfluss
Auskragende Balkonplatte Hoch → thermisch getrennte Balkone
Fensteranschluss Mittel → Laibungsdämmung, ISO-Blöcke
Kellerwand-Anschluss Mittel → Perimeterdämmung
Dachranddetail Gering–Mittel → Überstand planen

Optimale WP-Planung in der Entwurfsphase

  • Rohrleitungsführung kurz halten (Kältemittelleitungen Split, Sole-Leitungen)
  • Außeneinheit-Standort in Planungsphase festlegen (Schallschutz, Abstand)
  • Pufferspeicher-Raum einplanen (mind. 0,5–1 m² im Technikraum)
  • Elektro-Hausanschluss: 3×25A für WP + Hausanschluss (mit Elektriker abstimmen)
  • SG-Ready-Verkabelung: Signalleitung PV→WP vorbereiten

Lüftung und Luftdichtheit

EH 40 erfordert oft kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL):

  • KWL + WP: Synergie (KWL liefert vortemperierte Luft → weniger WP-Last)
  • Blower-Door-Zielwert: n50 ≤ 1,5 h⁻¹ (KfW-Anforderung EH 40)
  • EE überwacht Luftdichtheit während Bauphase

→ Neubau-Energieberatung und KfW-Förderung anfragen

Verwandte Ratgeber:

Häufige Fragen

Brauche ich für einen Neubau einen Energieeffizienz-Experten?

Für KfW-Förderung: Ja – Energieeffizienz-Experte (EE) aus der Bundesliste ist Pflicht. Der EE begleitet die Planung (Baubegleitung), prüft die energetischen Eigenschaften und stellt die Bestätigungen aus (BzA vor Antragstellung, BnD nach Fertigstellung). Ohne EE: Keine KfW BEG WG Förderung. Für reine GEG-Erfüllung (ohne Förderung): Kein EE nötig, aber empfohlen.

Was ist KfW Effizienzhaus 40 und warum ist es wichtig für die WP?

KfW Effizienzhaus 40 (EH 40): Primärenergiebedarf ≤ 40 % des GEG-Referenzgebäudes. Transmissionswärmeverlust H'T ≤ 55 % des Referenzgebäudes. In der Praxis: Sehr gut gedämmtes Gebäude mit niedriger Vorlauftemperatur (30–40 °C). Ideal für Wärmepumpen: JAZ 4,5–5,5 erreichbar. Voraussetzung für KfW-Kredit BEG WG (297/298) mit günstigem Zinssatz.

Was kostet die Energieberatung beim Neubau?

EE-Kosten Neubau: Energetische Planung (Nachweisführung GEG): 1.000–2.500 €. KfW-Baubegleitung (3–5 Besuche): 1.500–3.500 €. Gesamt: 2.500–6.000 €. Förderung: 50 % Zuschuss über KfW 431 (Energieeffizienz-Expertenliste); max. 5.000 €. Effektive Eigenkosten: oft 1.250–3.000 €. Im Vergleich zu Gesamtbaukosten: 0,3–1 % – gut investiert.

Jetzt kostenlose Beratung anfordern

Finden Sie qualifizierte Energieberater und Wärmepumpeninstallateure in Ihrer Region.