R290, R32 oder älteres Kältemittel — was ist der Unterschied?
R290, R32, R410A — die Kältemittel-Bezeichnungen sagen Laien wenig, dabei steckt dahinter ein klarer Unterschied. Diese Seite erklärt den entscheidenden Punkt, den GWP-Wert, stellt die gängigen Kältemittel gegenüber, ordnet die F-Gase-Verordnung ein und zeigt, was der Unterschied für den Käufer einer Wärmepumpe praktisch bedeutet.
Der entscheidende Unterschied: der GWP-Wert#
Um die Kältemittel zu unterscheiden, braucht man nur einen Begriff zu verstehen: den GWP-Wert. GWP steht für Global Warming Potential, auf Deutsch Treibhauspotenzial.
Der GWP-Wert gibt an, wie stark ein Stoff als Treibhausgas wirkt, wenn er in die Atmosphäre gelangt — bezogen auf Kohlendioxid als Vergleichsmaßstab. Kohlendioxid hat per Definition den GWP-Wert 1. Ein Kältemittel mit einem GWP-Wert von 1.000 würde, wenn es freigesetzt würde, tausendmal so stark als Treibhausgas wirken wie dieselbe Menge Kohlendioxid.
Wichtig ist die Einordnung, wann der GWP-Wert überhaupt zum Tragen kommt: nur dann, wenn das Kältemittel den geschlossenen Kreis verlässt — also bei einer Undichtigkeit, bei einer unsachgemäßen Entsorgung oder bei der Außerbetriebnahme. Im dichten Normalbetrieb wirkt das Kältemittel nicht als Treibhausgas, weil es eingeschlossen bleibt.
Trotzdem ist der GWP-Wert der zentrale Unterschied zwischen den Kältemitteln: Er bestimmt, wie schädlich ein Leck oder eine schlechte Entsorgung wäre, und er ist der Maßstab, an dem die Gesetzgebung ansetzt. Ein Kältemittel mit niedrigem GWP-Wert ist die umweltverträglichere Wahl — und genau das trennt R290 von den fluorierten Mitteln.
R290, R32 und ältere Kältemittel im Vergleich#
Mit dem GWP-Wert als Maßstab lassen sich die gängigen Kältemittel klar einordnen.
R290 — Propan — ist ein natürliches Kältemittel mit einem sehr niedrigen GWP-Wert in der Größenordnung von 3. Sein Treibhauspotenzial ist damit minimal. R290 ist kein fluorierter Stoff.
R32 ist ein fluoriertes Kältemittel mit einem GWP-Wert in der Größenordnung von 675. Das ist deutlich niedriger als bei älteren fluorierten Mitteln, aber ein Vielfaches des Wertes von R290. R32 ist ein verbreitetes, technisch funktionierendes Kältemittel — aber als fluorierter Stoff steht es unter regulatorischem Druck.
R410A ist ein älteres fluoriertes Kältemittel mit einem GWP-Wert in der Größenordnung von 2.088. Es repräsentiert eine frühere Gerätegeneration und hat ein erheblich höheres Treibhauspotenzial.
Die Rangfolge ist damit eindeutig: R290 hat das mit Abstand niedrigste Treibhauspotenzial, R32 liegt im Mittelfeld, ältere Mittel wie R410A am oberen Ende. Diese Abstufung erklärt, warum sich der Markt für neue Wohnhaus-Wärmepumpen so klar in Richtung R290 bewegt hat — es ist schlicht das umweltverträglichste der gängigen Kältemittel.
Die F-Gase-Verordnung und ihre Richtung#
Die Bewegung des Marktes hin zu R290 ist kein Zufall, sondern hat einen regulatorischen Rahmen: die europäische F-Gase-Verordnung.
Das Kürzel F-Gase steht für fluorierte Treibhausgase — also genau die Stoffgruppe, zu der R32 und R410A gehören, nicht aber das natürliche R290. Die F-Gase-Verordnung verfolgt das Ziel, die Verwendung dieser fluorierten Gase mit hohem Treibhauspotenzial schrittweise zurückzudrängen. Dieser Mechanismus wird als Phase-down bezeichnet: Die zulässige Menge an fluorierten Treibhausgasen, die in den Markt gebracht werden darf, wird über die Zeit reduziert.
Für die Kältemittel bedeutet das einen klaren Druck in eine Richtung: weg von Mitteln mit hohem GWP-Wert, hin zu Mitteln mit niedrigem GWP-Wert. Fluorierte Kältemittel mit hohem Treibhauspotenzial werden zunehmend unattraktiv, natürliche Kältemittel wie R290 gewinnen.
Für den Käufer einer Wärmepumpe ist die Richtung das Entscheidende — nicht jedes Detail des Verordnungstextes, der sich zudem fortentwickelt. Die Richtung lautet eindeutig: Die Zukunft gehört den Kältemitteln mit niedrigem GWP-Wert. Wer das weiß, kann seine Kaufentscheidung daran ausrichten.
Was der Unterschied für den Käufer praktisch bedeutet#
Aus dem Vergleich und der Regulierung ergeben sich für den Käufer einer Wärmepumpe einige praktische Schlüsse.
Erstens: Bei einem neuen Gerät fürs Einfamilienhaus ist R290 die zukunftssichere Wahl. Es hat das niedrigste Treibhauspotenzial und steht als natürliches Kältemittel nicht unter dem regulatorischen Druck der F-Gase-Verordnung. Wer heute neu kauft, bekommt mit einem aktuellen Gerät ohnehin meist R290.
Zweitens: Ein R32-Gerät ist nicht schlecht oder unsicher. R32 funktioniert technisch einwandfrei. Aber R32 ist ein fluoriertes Mittel mit höherem GWP-Wert — bei einer freien Wahl zwischen einem aktuellen R290- und einem R32-Gerät spricht der Umwelt- und Zukunftsaspekt für R290.
Drittens: Ein älteres Bestandsgerät mit R410A ist kein akuter Handlungsgrund. Eine funktionierende Anlage muss nicht wegen ihres Kältemittels ausgetauscht werden — der GWP-Wert ist erst dann relevant, wenn das Kältemittel den Kreis verlässt oder das Gerät am Ende seines Lebens entsorgt wird. Eine fachgerechte Wartung und am Lebensende eine fachgerechte Kältemittel-Rückgewinnung sind hier der richtige Umgang.
Der praktische Kern: Bei der Neuanschaffung auf R290 setzen — beim Bestand gelassen bleiben und auf fachgerechte Wartung und Entsorgung achten.
⚠ Praxis-Hinweis
Ein älteres Bestandsgerät mit R410A ist kein akuter Austauschgrund. Der hohe GWP-Wert wirkt sich nur bei einem Leck oder bei der Entsorgung aus — eine funktionierende Anlage deshalb vorzeitig zu ersetzen, ist weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll.
Häufige Fragen — R290, R32 oder älteres Kältemittel — was ist der Unterschied?
Was bedeutet der GWP-Wert?▾
Wie unterscheiden sich R290, R32 und R410A?▾
Was ist die F-Gase-Verordnung?▾
Ist ein R32-Gerät eine schlechte Wahl?▾
Muss ich mein altes Gerät wegen des Kältemittels austauschen?▾
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