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Erdsonden-Bohrung-Praxis-Tiefe

Erdsonden-Bohrung: rechtssicher und technisch sauber

Eine Erdsonden-Bohrung für Sole-Wasser-Wärmepumpen ist 2026 das technisch ausgereifteste Verfahren zur Erschließung der oberflächennahen Geothermie — aber auch das genehmigungsintensivste. Wer die wasserrechtlichen Pflichten nach WHG §49, die VDI-4640-Auslegungsregeln und die DVGW-W120-Anforderungen an das Bohrunternehmen kennt, vermeidet teure Nachbesserungen und langwierige Genehmigungs-Schleifen.

11 Min. Lesezeit4 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

Wasserrechtliche Anzeige nach WHG §49: was wirklich vorgelegt werden muss#

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) regelt in §49 die Bohrtiefen-Pflicht: Wer Erdarbeiten ausführen will, die eine Tiefe von 10 m überschreiten, muss dies der zuständigen Behörde mindestens einen Monat vor Beginn anzeigen. Da typische Erdsonden 80–150 m tief sind, ist die WHG-§49-Anzeige in der Praxis immer Pflicht.

Zuständige Behörde: Untere Wasserbehörde (UWB) beim Landkreis bzw. der kreisfreien Stadt, in einigen Bundesländern auch die Bezirksregierung. Die Adresse ist über die Landeswasser-Förder-Karte (in jedem Bundesland online verfügbar) abrufbar.

Inhalt der Anzeige nach WHG §49 Abs. 1:

1. Antragsteller mit vollständigen Adressdaten und Eigentumsverhältnissen am Grundstück (Grundbuch-Auszug, max. 6 Monate alt).

2. Ausführungsfirma — das Bohrunternehmen mit DVGW-W120-Zertifizierung (Brunnenbau) oder spezialisierter Geothermie-Bohrungs-Qualifikation (z.B. Sachkundenachweis nach VDI 4640 Blatt 2 oder geprüfter Sachverständiger für oberflächennahe Geothermie).

3. Lage- und Höhenplan (Maßstab 1:500 oder 1:1.000) mit eingezeichneten Bohrpositionen, Abstand zu Grundstücksgrenzen und zu vorhandenen Versorgungsleitungen (Gas, Wasser, Abwasser, Telekommunikation — Leitungsauskunft VKU/Bayernwerk/E.ON Westnetz vorher einholen).

4. Geplante Bohrtiefe je Sonde, Anzahl der Bohrungen, Sondenart (Doppel-U, Koaxial), Sondendurchmesser.

5. Untergrunds-Vorerkundung: Geologische Karten der Region (Geologisches Landesamt der Bundesländer, online im GeoTHERM-Atlas Bayerns oder Geothermie-Portal NRW), Wärmeleitfähigkeits-Annahmen, ggf. Probebohrung-Ergebnisse bei größeren Anlagen.

6. Sole-Konzentration und chemische Zusammensetzung der Wärmeträger-Flüssigkeit. Standardsole 2026 ist Propylenglykol-Wasser-Gemisch 25–30 % Volumen (z.B. Tyfocor LS), in seltenen Fällen auch Ethanol- oder Salzlösungen. Propylenglykol ist nach DIN EN ISO 9000-9001 toxikologisch unbedenklich, in der Trinkwasser-Verordnung als „lebensmittelecht“ klassifiziert — wichtig bei Sole-Austritt-Risiko.

7. Verfüllmaterial: Thermisch leitfähiges, geprüftes Bentonit-Material mit dokumentierter Wärmeleitfähigkeit. Standardprodukte 2026: Stüwa Therma flow (λ = 2,0 W/m·K), Wienerberger Wienertherm (λ = 2,2 W/m·K), Hütte+Bersch HB 50/30 (λ = 2,3 W/m·K).

8. Bohrloch-Hinterfüllung-Protokoll mit Mengen-Nachweis (kg Bentonit-Material pro Sonde, dokumentiert über das Mischverhältnis und die Eintragsmenge).

9. Geländerelief und Versickerungs-Bedingungen bei Niederschlag — relevant für die Frage, ob Oberflächenwasser ins Bohrloch eindringen könnte.

10. Sole-Befüllungs-Protokoll mit Mengen-Nachweis nach Inbetriebnahme.

Bearbeitungszeit der UWB: Anzeige-Verfahren typisch 4–6 Wochen, bei standardisierten Bohrungen in unkritischem Untergrund. Bei Wasserschutzgebieten (Zone II oder III) oder bei Risiken für Grundwasser-Schichten ist eine Erlaubnis nach WHG §8 erforderlich — deutlich aufwendiger mit Geologen-Gutachten (2.500–6.000 € einmalig) und 6–12 Monaten Bearbeitungszeit.

Kosten für den Bauherrn: Verwaltungsgebühr der Anzeige typisch 200–500 €. Geologen-Gutachten bei kritischem Untergrund 2.500–6.000 €. Probebohrung bei größeren Anlagen (ab 6 Sonden) 1.500–3.000 €.

Wichtig: Die WHG-§49-Anzeige ist keine reine Formsache — die UWB prüft den Untergrund und die Ausführungsfirma. Bei seriösen Bohrunternehmen mit DVGW-W120-Zertifikat sind Beanstandungen selten, bei nicht-zertifizierten Firmen häufiger.

VDI 4640: die maßgebliche technische Auslegungsnorm#

Die VDI-Richtlinie 4640 (Stand der Technik 2010 für Blatt 2, fortgeschrieben 2019 für Blatt 4) ist die maßgebliche technische Auslegungsnorm für oberflächennahe Geothermie in Deutschland. Sie regelt die Bohrungs-Auslegung, die Sondenfeld-Anordnung und die thermische Bewertung des Untergrunds.

VDI 4640 Blatt 1 (Grundlagen): Begriffe, Wärmequellen-Klassifizierung (oberflächennahe Geothermie bis 400 m Tiefe), Sicherheitsanforderungen, Übersicht der Wärmequellen-Verfahren.

VDI 4640 Blatt 2 (Erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen): Die zentrale Auslegungs-Norm für Erdsonden. Inhalte:

— Spezifische Entzugsleistung je Bohrmeter: 25–50 W/m je nach Untergrunds-Wärmeleitfähigkeit. Bei λ = 1,5 W/m·K (trockener Sand, Kies) typisch 25–35 W/m, bei λ = 2,5 W/m·K (Schiefer, Granit, gesättigter Sandstein) typisch 45–55 W/m.

— Sondenfeld-Auslegung: Bohrungs-Mindestabstand 6–10 m bei einzelnen Bohrungen, bei größeren Sondenfeldern ab 4 Bohrungen 8–12 m Abstand (zur Vermeidung thermischer Beeinflussung der Bohrungen untereinander).

— Vollständige Berechnung: Heizlast nach DIN/TS 12831-1 × Jahresvollbenutzungsstunden = Wärme-Jahresentzug. Geteilt durch spezifische Entzugsleistung × spezifische Jahresbenutzungsstunden = Bohrmeter-Bedarf.

Beispiel-Berechnung für EFH mit Heizlast 8 kW

  • Heizlast 8 kW × 1.800 Volllaststunden = 14.400 kWh/Jahr Wärme-Entzug.
  • Spezifische Entzugsleistung bei mittlerer Wärmeleitfähigkeit (λ = 2,0 W/m·K, gemischter Untergrund): 40 W/m.
  • Bohrmeter-Bedarf: 14.400 kWh ÷ (40 W/m × 1.800 h × 0,001 kW/W) = 200 m.
  • Praxis-Aufteilung: 2 Sonden à 100 m, Abstand 8 m.

VDI 4640 Blatt 4 (Direkt verdampfende Sondensysteme): Spezialfall der direkten Verdampfung von Kältemittel im Boden — selten 2026 wegen Sicherheits-Bedenken bei Kältemittel-Leckagen in das Grundwasser.

Wichtige Auslegungs-Faktoren neben der Hauptformel:

— Glykol-Anteil der Sole: Bei 25 % Propylenglykol-Anteil und Sole-Vorlauf 0 °C sinkt die spezifische Entzugsleistung gegenüber Reinwasser um ca. 8 %. In der Norm-Auslegung enthalten.

— Sondenart: Doppel-U-Sonde (PE 32 mm Außendurchmesser, zwei Rohre als Vorlauf und Rücklauf, parallel im Bohrloch) ist Standard. Koaxialsonde (innen rauf, außen runter) hat etwas höhere Wärmeentzugs-Effizienz, ist aber teurer und seltener.

— Bohrloch-Verfüllung: Thermisch leitfähige Bentonit-Mischung mit λ ≥ 2,0 W/m·K. Bei λ = 1,5 sinkt die Entzugsleistung um 5–8 %.

— Grundwasser-Strömung: Bei aktiver Grundwasser-Strömung im Untergrund (typisch 0,5–2 m/Tag) erhöht sich die effektive Entzugsleistung um 15–25 %, weil neue Wärme von oben nachfließt.

Die VDI 4640 ist nicht rechtlich verbindlich (kein Gesetz), aber die anerkannte Stand-der-Technik-Norm. Bei Streit-Fällen vor Gericht wird sie als „gute fachliche Praxis“ herangezogen — wer davon abweicht, hat im Mängel-Fall einen schweren Stand.

DVGW W120 und die Anforderungen an das Bohrunternehmen#

Das Bohrunternehmen ist der zentrale Erfolgsfaktor jeder Erdsonden-Bohrung. Die Anforderungen sind in mehreren Regelwerken festgelegt:

DVGW W120 (Stand 2020): Die Qualifikationsanforderungen an Unternehmen, die Bohrungen für Brunnen und Erdwärmesonden durchführen. Die Norm unterscheidet:

— DVGW W120-1: Anforderungen an das Unternehmen (Organisationsstruktur, Personal-Qualifikation, Geräte-Ausstattung, Qualitätssicherung).

— DVGW W120-2: Anforderungen an die Bohrführer und Bohrarbeiter (Schulung, Erfahrung, Sicherheits-Qualifikationen).

— DVGW W120-3: Qualitätsstandards der Bohrung (Bohrloch-Vermessung, Verfüllung, Druckprüfung).

DVGW-W120-zertifizierte Bohrunternehmen sind über das DVGW-Verzeichnis (dvgw.de) auffindbar — bundesweit rund 240 Unternehmen Stand 2026. Bei Erdsonden-Bohrung in Deutschland ist die DVGW-W120-Zertifizierung praktisch Standard — die UWB akzeptiert nur W120-zertifizierte Firmen für Anzeige-Verfahren in den meisten Bundesländern.

Zusätzliche Anforderungen:

— VDI 4640 Blatt 2 Sachkundenachweis: Spezifische Schulung für Erdsonden-Auslegung und -Ausführung, oft als Weiterbildung der Bohrführer.

— Geothermie-Bohrgeräte: Direktspülungs-Bohranlagen (typisch Wirth Geotec, Vermeer 80 Geothermal, Beretta T46) mit Druckluftaufsatz für die Spülung. Kapazität typisch 1.500 m³ pro Tag, Bohrgeschwindigkeit 100–250 m/Tag je nach Untergrund.

— Versicherungs-Schutz: Bohrunternehmens-Haftpflicht mit Mindestdeckung 3 Mio. €, oft auch Vermögensschadenshaftung für Folge-Schäden (z.B. Trinkwasser-Kontamination).

Bohr-Verfahren in der Praxis:

— Imlochhammer-Bohren (Stand-2026-Standard): Druckluftbetriebene Bohrhämmer am Bohrkopf, Spülung mit Druckluft + Bohrschmand. Schnell (150–300 m/Tag), Bohrungs-Qualität sehr gut. Bohrlöcher 152–168 mm Durchmesser.

— Spülbohrung: Wasser-basierte Spülung, etwas langsamer (80–150 m/Tag), Vorteil bei sehr lockerem Untergrund (Schwemmsand).

— Direktspülung mit Bentonitschlamm: Bei sehr tiefen Sonden (> 200 m) als spezielle Variante.

Nach Abschluss der Bohrung:

1. Bohrloch-Vermessung: GPS-Position dokumentiert, Bohrtiefe protokolliert.

2. Sondeneinbau: Doppel-U-Sonde (PE 100 32 × 3,0 mm Wandstärke, Druckklasse PN 16) wird in das Bohrloch eingeführt.

3. Bohrloch-Verfüllung mit Bentonit-Mischung von unten nach oben — Pflicht zur dokumentierten Verfüllung mit Mengen-Nachweis. Wichtig: Vollständige Verfüllung ohne Hohlräume, sonst sinkt die Wärmeleitfähigkeit und es entstehen Wegnahmen für Grundwasser-Eindringen.

4. Druckprüfung: Die fertig eingebauten Sonden werden mit Wasser-Glykol-Gemisch auf Druck (typisch 6 bar für 30 Minuten) geprüft. Druckabfall > 0,1 bar zeigt Leckage an.

5. Bohrprotokoll: Inhalt: Bohrposition, Bohrtiefe, Untergrunds-Beschreibung (Bohr-Schmand-Analyse je 1–2 m Bohrtiefe), Sondenein-bau-Tiefe, Verfüllmaterial-Menge, Druckprüfungs-Ergebnis. Pflichtdokument für die UWB-Inbetriebnahme-Bestätigung und für den BAFA-Verwendungsnachweis.

Praxis-Beispiele: drei Erdsonden-Projekte#

Beispiel A — EFH-Neubau mit Sole-WP 10 kW, 2 Bohrungen 100 m

Konstellation: Neubau-EFH 200 m², KfW-40-EE-Standard, Grundstück 600 m², Untergrund nach Geologischer Karte Bayerns: Schwäbisch-Bayerische Alb mit Jura-Schichten (Wärmeleitfähigkeit λ ≈ 2,2 W/m·K). Wasserschutzgebiets-Karte: außerhalb von Wasserschutzgebieten.

Auslegung (VDI 4640)

  • Heizlast 6,2 kW (KfW-40-EE, FBH).
  • Jahres-Wärme-Entzug 11.160 kWh (1.800 Vollbenutzungsstunden).
  • Spezifische Entzugsleistung bei λ = 2,2 W/m·K: ca. 45 W/m.
  • Bohrmeter-Bedarf: 11.160 ÷ (45 × 1.800 × 0,001) = 137 m. Aufrunden auf 200 m (2 × 100 m), Abstand 8 m.

Genehmigungs-Pfad

  • WHG-§49-Anzeige bei UWB: 5 Wochen Bearbeitung, 320 € Verwaltungsgebühr.
  • Leitungsauskunft (Versorger): 1 Woche.
  • Bohrunternehmen-Auswahl: 3 Angebote, gewählt: DVGW-W120-zertifiziert, lokale Firma mit Geothermie-Spezialisierung.

Bohrkosten brutto

  • 2 × 100 m Imlochhammer-Bohrung: 200 m × 95 €/m = 19.000 €.
  • Doppel-U-Sonden PE 100 32 × 3,0 mm: 2 × 480 € = 960 €.
  • Bentonit-Verfüllung (Stüwa Therma flow): 2 × 380 = 760 €.
  • Sole-Befüllung 25 % Propylenglykol: 220 €.
  • Druckprüfung + Bohrprotokoll: 280 €.
  • Brutto Erdsonden-Anteil: rund 21.220 € inkl. Verwaltungsgebühren.

Bauausführung: 2 Tage Bohrarbeiten + 1 Tag Hauptverteilungs-Anbindung. Lärm-Belastung der Nachbarschaft: 3 Tage mit 75–85 dB(A) in 10 m Abstand zum Bohrgerät.

Beispiel B — Bestand-EFH-Sanierung mit Erdsonden-Nachrüstung, 3 Bohrungen 100 m

Konstellation: Bestand-EFH 250 m² Baujahr 1985, Heizlast nach Sanierung 9 kW, Heizkörper-Bestand mit Vorlauf 50 °C nach Sanierung. Sole-WP Heliotherm HP10C statt Gasbrennwert. Grundstück 800 m², Untergrund Norddeutsches Tiefland (lockerer Sand, Wärmeleitfähigkeit λ ≈ 1,7 W/m·K).

Auslegung (VDI 4640)

  • Heizlast 9 kW × 1.900 Volllaststunden = 17.100 kWh/Jahr Wärme.
  • Spezifische Entzugsleistung bei λ = 1,7 W/m·K: ca. 35 W/m.
  • Bohrmeter-Bedarf: 17.100 ÷ (35 × 1.900 × 0,001) = 257 m. 3 Sonden à 100 m = 300 m Bohrmeter (mit Reserve).

Genehmigungs-Pfad

  • WHG-§49-Anzeige bei UWB Norddeutschland: 4 Wochen Bearbeitung, 280 € Verwaltungsgebühr.
  • Probebohrung empfohlen vom Bohrunternehmen wegen lockerem Untergrund: 1 × 50 m Probebohrung, 4.000 € einmalig. Ergebnis: Untergrund tragfähig, Wärmeleitfähigkeit gemessen 1,8 W/m·K (besser als angenommen).

Bohrkosten brutto

  • Probebohrung: 4.000 €.
  • 3 × 100 m Bohrung: 300 m × 105 €/m = 31.500 € (höhere Kosten wegen Schwemmsand-Untergrund mit Spülbohrung).
  • Sonden + Verfüllung + Sole + Druckprüfung: 2.800 €.
  • Brutto Erdsonden-Anteil: 38.300 € inkl. Verwaltungsgebühren.

Wichtig: Bei lockerem Untergrund (Norddeutsches Tiefland) ist die Bohrung teurer als im Süddeutschen Untergrund mit festem Fels — typisch +10–25 %.

Beispiel C — MFH 14 WE mit Sondenfeld 6 × 130 m, Wärmepumpenkaskade

Konstellation: MFH-Sanierung 14 WE, 850 m² Wohnfläche, Heizlast 38 kW. Wärmepumpenkaskade 2 × Heliotherm HP20C (40 kW Gesamt). Grundstück mit Hofeinfahrt 25 m², 6 Bohrungen unter Hofeinfahrt (Bohr-Vorgang vor Pflaster-Erneuerung).

Auslegung

  • Heizlast 38 kW × 1.900 Volllaststunden = 72.200 kWh/Jahr.
  • Spezifische Entzugsleistung bei λ = 2,0 W/m·K: 40 W/m.
  • Bohrmeter-Bedarf: 72.200 ÷ (40 × 1.900 × 0,001) = 950 m. 6 × 130 m = 780 m (knapp), 6 × 150 m = 900 m (besser dimensioniert). Gewählt: 6 × 130 m mit Reserve durch Kaskaden-Modulation.

Genehmigungs-Pfad

  • WHG-§49-Anzeige als Gemeinschafts-Antrag für 6 Sonden: 6 Wochen Bearbeitung, 800 € Verwaltungsgebühr.
  • Geologen-Gutachten wegen Sondenfeld-Größe (Abstands-Berechnung VDI 4640): 2.800 €.
  • Probebohrung 1 × 80 m: 5.500 €.

Bohrkosten brutto

  • 6 × 130 m Bohrung: 780 m × 92 €/m = 71.760 €.
  • Sonden + Verfüllung + Sole + Druckprüfung 6 × 600 € = 3.600 €.
  • Sondenfeld-Hauptverteilungs-Schacht im Hof (Sammelverteiler für alle 6 Sonden, Wartungs-Zugang): 4.500 €.
  • Brutto Erdsonden-Anteil: 88.160 €.

Förderung: BAFA-BEG-EM MFH-Variante 30 % auf Sole-WP-Anteil + Erdsonden-Bohrung als förderfähige Mehrkosten. Effektive Förderung der Bohrkosten-Anteil rund 26.500 €. Netto Bohrkosten 61.660 €.

⚠ Praxis-Hinweis

Wasserrechtliche Anzeige WHG §49 immer Pflicht bei Bohrungen über 10 m Tiefe. DVGW-W120-zertifiziertes Bohrunternehmen ist Standard 2026 — UWB akzeptiert oft keine andere. VDI 4640 als Auslegungs-Norm zwingend, sonst Mängel-Risiko vor Gericht.

Häufige Fragen — Erdsonden-Bohrung — Genehmigung und Praxis 2026

Wie lange dauert eine Erdsonden-Bohrung?
Genehmigungs-Phase: WHG-§49-Anzeige 4–8 Wochen bei UWB, bei Wasserschutzgebiets-Nähe oder kritischem Untergrund mit Geologen-Gutachten 6–12 Monate. Bohrarbeiten selbst: 1–3 Tage je Bohrung (Imlochhammer-Bohrung 150–300 m/Tag in Standardgrundbedingungen). Sondeneinbau und Verfüllung: 0,5 Tage je Sonde. Inbetriebnahme der Sole-WP: 2–3 Tage nach Sondenfertigstellung. Gesamt: Bei einfachem EFH-Projekt (2 Bohrungen 100 m) 8–12 Wochen ab Antragstellung bis Inbetriebnahme, bei MFH mit 6+ Bohrungen 14–20 Wochen.
Was kostet eine Erdsonden-Bohrung 2026 pro Bohrmeter?
Standard-Bohrmeter-Preise 2026 in Deutschland: 85–120 €/m brutto bei Imlochhammer-Bohrung in mittlerer Bodenbedingung (Süddeutschland Festgesteine), 95–130 €/m bei Spülbohrung in Schwemmsand (Norddeutschland), 110–150 €/m bei sehr schwierigen Bedingungen (Felsen mit Klüften, sehr tiefe Bohrungen > 150 m). Hinzu kommen Sonden (PE 100 32 × 3,0 mm, ca. 480 €/100m), Bentonit-Verfüllung (ca. 380 €/100m), Sole-Befüllung (ca. 110 €/100m), Druckprüfung. Für ein typisches EFH-Projekt (2 × 100 m) sind Gesamtkosten 18.000–25.000 € brutto realistisch.
Welche Wärmeleitfähigkeit hat der Untergrund in Deutschland?
Sehr unterschiedlich je nach Geologie: Schwemmsand und lockerer Kies (Norddeutsches Tiefland): λ = 1,5–1,8 W/m·K. Tonige Untergrund (Münsterland, Niederrhein): λ = 1,7–2,0 W/m·K. Gemischter Untergrund (Hessen, Thüringen): λ = 2,0–2,3 W/m·K. Festes Sediment (Süddeutsche Schichten, Frankenjura): λ = 2,3–2,8 W/m·K. Granit, Schiefer (Mittelgebirge, Bayerischer Wald, Erzgebirge): λ = 2,8–3,3 W/m·K. Höhere Wärmeleitfähigkeit bedeutet kürzere Bohrmeter pro kW Heizleistung — daher in Süddeutschland mit Festgesteinen oft 30 m/kW, im Norddeutschen Tiefland eher 40 m/kW.
Wann brauche ich eine wasserrechtliche Erlaubnis statt Anzeige?
Anzeige nach WHG §49 reicht für Bohrungen außerhalb von Wasserschutzgebieten in Standard-Untergrund. Erlaubnis nach WHG §8 ist nötig: In Wasserschutzgebieten der Zone II oder III (verschärfte Auflagen, oft Geologen-Gutachten Pflicht), bei sehr großen Sondenfeldern (> 10 Bohrungen mit großem thermischen Einfluss auf das Grundwasser), bei Bohrungen über 200 m Tiefe, bei Verdacht auf kontaminierten Untergrund (Altlasten). Erlaubnis-Verfahren dauert 6–12 Monate, Geologen-Gutachten kostet 2.500–6.000 € einmalig. In manchen Wasserschutzgebieten der Zone II ist Erdsonden-Bohrung komplett untersagt.
Wie wähle ich ein qualifiziertes Bohrunternehmen aus?
Vier Mindest-Kriterien: (1) DVGW-W120-Zertifizierung (über dvgw.de Verzeichnis bundesweit suchbar — Stand 2026 rund 240 zertifizierte Firmen). (2) Sachkundenachweis nach VDI 4640 Blatt 2 für die Bohrführer. (3) Versicherungs-Schutz mit Mindestdeckung 3 Mio. € Betriebshaftpflicht und Vermögensschadenshaftung. (4) Referenz-Projekte aus den letzten 12 Monaten in vergleichbarem Untergrund mit Bauherr-Kontaktdaten zum direkten Gespräch. Optional: VDI-Zertifizierung für Geothermie-Sachverständige, regionale Energieagentur-Listung. Bei Wasserschutzgebietsnähe: spezialisierte Firma mit Erfahrung in WSG-Bohrungen unverzichtbar.
Was passiert mit der Sole bei Leckage?
Bei modernen Sole-WP mit Propylenglykol-Wasser-Gemisch (lebensmittelecht, in der Trinkwasser-Verordnung als unbedenklich klassifiziert) ist eine Leckage technisch unkritisch — Propylenglykol ist kein Gefahrstoff. Trotzdem: Sole-Leckagen sind technisch unerwünscht (Druckverlust, ineffizienter Betrieb) und müssen sofort behoben werden. Standardursachen: Beschädigung der PE-Sonde während des Einbaus (selten bei W120-zertifizierter Bohrung), Druckprüfungs-Fehler (DIN-konforme Sonden halten 6 bar locker), Frost-Schäden in der Sole-Hauptverteilung (bei undichten Außenverbindungen). Die Sole-Befüllungs-Mengen werden im Bohrprotokoll dokumentiert, sodass eine Leckage über Mengen-Verbrauch erkennbar wird.
Wie lange halten Erdsonden?
Lebensdauer der Sonden 50–100 Jahre — länger als jedes Gebäude. Die PE-100-Rohre (32 × 3,0 mm Wandstärke, Druckklasse PN 16) sind gegen UV-Strahlung geschützt (im Boden), gegen Korrosion immun (Kunststoff), gegen mechanische Belastung gut gerüstet (im Bentonit-Material eingebettet). In der Praxis ist die Sondenlebensdauer länger als die Lebensdauer der Wärmepumpe (typisch 15–25 Jahre). Bei Wärmepumpen-Erneuerung werden die vorhandenen Sonden meist weiter verwendet — das spart bei der zweiten Generation der Anlage erhebliche Kosten. Wartung Sonden: keine. Wartung Sole-Hauptverteilung: jährliche Druckprüfung empfehlenswert.
Kann ich mehrere kleine Sonden statt einer tiefen Sonde verwenden?
Ja, technisch möglich und oft sinnvoll. VDI 4640 empfiehlt bei zwei Sonden 6–10 m Mindestabstand, bei größeren Sondenfeldern 8–12 m. Mehrere kürzere Sonden (z.B. 3 × 80 m statt 2 × 120 m) sind bei kleinem Grundstück oder bei schwierigem Tieftgrund-Bohrungsbedingungen oft die wirtschaftlichere Lösung — weil tiefere Bohrungen überproportional teurer werden (über 150 m steigen die m-Preise um 20–40 %). Bei sehr engen Grundstücken sind auch kürzere Sonden mit Erdkollektoren als Mischung möglich, aber Erdkollektoren brauchen viel mehr Grundstücksfläche (typisch 2–2,5 m² pro kW Heizleistung) — selten praktikabel im Reihenhaus.

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