Wärmepumpe Grundlagen

Wärmepumpe + Photovoltaik: Synergie richtig nutzen 2025

Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren: Wie Sie PV-Überschuss für die Heizung nutzen, was SG-Ready bedeutet und wie viel Sie wirklich sparen.

7 Min. LesezeitXpora Redaktion
PhotovoltaikPVWärmepumpeSG-ReadyEigenverbrauchStrom

Inhaltsverzeichnis


Warum WP + PV so gut zusammenpassen

Wärmepumpe und Photovoltaik ergänzen sich ideal:

Zeitliche Übereinstimmung:

  • PV produziert tagsüber Strom (Spitze ca. 11–15 Uhr)
  • Wärmepumpe kann tagsüber vorheizen (Haus als thermischer Puffer)
  • Warmwasserbereitung tagsüber möglich

Wirtschaftliche Stärke:

  • PV-Eigenverbrauch: 5–8 ct/kWh Grenzkosten (Amortisationsanteil)
  • WP-Tarif: 20–26 ct/kWh
  • Einspeisung: 8–12 ct/kWh
  • Eigenverbrauch für WP ist 2–3× wertvoller als Einspeisung

Gemeinsamer Nutzen im Sommer:

  • PV produziert am meisten (Sommer), aber WP braucht am wenigsten (warm draußen)
  • Überschuss für Warmwasserbereitung nutzen (auch wenn Heizung aus ist)
  • PV kühlt das Haus bei Aktivkühlung

SG-Ready: Die Schlüsselschnittstelle

Was ist SG-Ready? SG-Ready ist ein standardisierter Signaleingang an Wärmepumpen. Ein externes Energiemanagementsystem (EMS) kann der WP über 2 Bits signalisieren:

Zustand Signal Bedeutung
Normal 00 Normalbetrieb nach Heizkurve
Empfehlung 01 Günstig Betrieb, WP kann erhöhen
Freigabe 10 Erhöhter Betrieb – PV-Überschuss vorhanden!
Sperre 11 Betrieb sperren (Netzbetreiber-Steuerung)

Im Praxis-Betrieb mit PV:

  • PV-Wechselrichter oder EMS erkennt: Überschuss vorhanden
  • Signal 10 → WP heizt aktiver, lädt Warmwasserspeicher auf
  • Bei wenig Überschuss oder normaler PV-Produktion: Signal 00

Voraussetzungen für SG-Ready-Betrieb:

  1. WP mit SG-Ready-Anschluss (alle modernen WPs)
  2. PV-Wechselrichter mit SG-Ready-Ausgang ODER
  3. Energiemanagementsystem (z.B. SMA Energy Manager, Fronius Ohmpilot, Vaillant sensoHOME)
  4. Verkabelung zwischen PV-System und WP

Kosten SG-Ready-Integration: 200–800 € (Software-Konfiguration + Kabel + ggf. EMS-Hardware)

Wie viel PV-Strom verbraucht die Wärmepumpe?

Beispiel: EFH 150 m², JAZ 3,5, Heizperiode Oktober–April

Monat WP-Stromverbrauch (ca.) PV-Produktion (10 kWp, Süddachland)
Jan 600 kWh 250 kWh
Feb 500 kWh 400 kWh
Mär 350 kWh 700 kWh
Apr 200 kWh 1.000 kWh
Mai 50 kWh (nur WW) 1.200 kWh
Jun 50 kWh 1.300 kWh
Jul 50 kWh 1.400 kWh
Aug 50 kWh 1.200 kWh
Sep 80 kWh 900 kWh
Okt 250 kWh 600 kWh
Nov 450 kWh 300 kWh
Dez 550 kWh 200 kWh

Problem: Im Winter braucht die WP am meisten Strom, aber die PV produziert am wenigsten. Direkte Deckung: Ca. 15–25 % im Winter.

Im Jahresschnitt: Etwa 30–50 % des WP-Stroms können durch PV-Eigenverbrauch gedeckt werden (je nach PV-Größe, Gebäudetyp und Steuerung).

Steuerungsstrategien: Smart nutzen

Strategie 1: Einfache SG-Ready-Steuerung

  • Bei PV-Überschuss > 2 kW: WP auf erhöhten Betrieb
  • Warmwasserspeicher auf 60 °C laden (statt 50 °C)
  • Vorteile: Einfach, günstig, keine komplexe Software
  • Nachteile: Nicht optimal (kein Wetterprognose)

Strategie 2: Prognosebasierte Steuerung

  • EMS berücksichtigt Wettervorhersage (morgen sonnig → heute weniger vorheizen)
  • WP heizt ein Haus bei PV-Überschuss "vor" (höherer Vorlauf, Haus als Puffer)
  • Systeme: Vaillant myVAILLANT, SMA Energy Manager, E3/DC, Loxone
  • Kosten: 500–2.000 €

Strategie 3: Direktsteuerung über Wechselrichter

  • Manche Wechselrichter (Fronius, SMA, Huawei) steuern die WP direkt
  • Einfacher als separates EMS
  • Weniger Flexibilität als vollständiges EMS

Warmwasser als Speicher nutzen

Der Warmwasserspeicher ist ein günstiger "Wärmespeicher" für PV-Strom:

Prinzip: Bei hoher PV-Produktion wird der Warmwasserspeicher auf 60–65 °C aufgeheizt. Das gespeicherte Heißwasser steht dann für 12–24 Stunden zur Verfügung, ohne dass die WP wieder Strom braucht.

Energieinhalt: Ein 200-Liter-Speicher, von 45 °C auf 65 °C aufgeheizt:

  • 200 L × 1,16 Wh/L·K × 20 K = 4.640 Wh = 4,6 kWh gespeichert

Kosten: Gratis (nutzt vorhandenen Warmwasserspeicher, nur Steuerung nötig)

Saisonal: In April–September (viel PV, wenig Heizung) fast täglich nutzbar.

Kosten und Einsparung: Realistische Zahlen

Szenario: EFH, WP 4.000 kWh/Jahr Strom, PV 10 kWp, SG-Ready-Integration

Ohne SG-Ready-Steuerung Mit SG-Ready-Steuerung
WP-Strom: 4.000 kWh WP-Strom: 4.000 kWh
PV-Anteil WP: 20 % (800 kWh) PV-Anteil WP: 40 % (1.600 kWh)
Netzbezug WP: 3.200 kWh Netzbezug WP: 2.400 kWh
WP-Stromkosten: 736 €/Jahr WP-Stromkosten: 552 €/Jahr
Mehrerträge PV-Eigenverbrauch: +64 €
Vorteil SG-Ready: 248 €/Jahr

SG-Ready-Integration kostet: 400–800 € Amortisation: 2–4 Jahre

Gesamtbewertung: WP + PV ist eine der wirtschaftlichsten Kombinationen in der Haussanierung. Die gemeinsame Investition senkt Energiekosten nachhaltig und schützt gegen steigende Strompreise.

Ein Energieberater plant die optimale Kombination aus WP, PV, Speicher und Steuerungssystem für Ihr Haus.


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Häufige Fragen

Wie viel spare ich mit PV + Wärmepumpe?

Bei einer 10 kWp PV-Anlage und einer WP mit 4.000 kWh Jahresstromverbrauch: Wenn 50 % des WP-Stroms durch PV gedeckt werden (2.000 kWh Eigenverbrauch), sparen Sie bei 23 ct/kWh (WP-Tarif) ca. 460 €/Jahr. Die tatsächliche Ersparnis hängt davon ab, wie gut die PV-Produktion mit dem WP-Betrieb synchronisiert wird.

Was ist SG-Ready und brauche ich das?

SG-Ready (Smart Grid Ready) ist eine Schnittstelle, über die ein Energiemanagementsystem der WP signalisiert: 'Jetzt ist günstiger Strom verfügbar – nutze ihn für Heizen/Warmwasser.' Alle modernen Wärmepumpen haben diese Schnittstelle. Ohne SG-Ready ist eine PV-gesteuerte WP kaum effizient steuerbar.

Muss ich die WP groß genug für die PV-Anlage dimensionieren?

Nein – die WP-Dimensionierung richtet sich nach der Heizlast des Gebäudes, nicht nach der PV-Leistung. Die PV wird so ausgelegt, dass sie möglichst viel des WP-Stroms liefert (und darüber hinaus). Eine Überdimensionierung der WP für PV-Überschuss wäre falsch.

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