Wärmepumpe + Photovoltaik: Synergie richtig nutzen 2025
Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren: Wie Sie PV-Überschuss für die Heizung nutzen, was SG-Ready bedeutet und wie viel Sie wirklich sparen.
Inhaltsverzeichnis
- Warum WP + PV so gut zusammenpassen
- SG-Ready: Die Schlüsselschnittstelle
- Wie viel PV-Strom verbraucht die Wärmepumpe?
- Steuerungsstrategien: Smart nutzen
- Warmwasser als Speicher nutzen
- Kosten und Einsparung: Realistische Zahlen
Warum WP + PV so gut zusammenpassen
Wärmepumpe und Photovoltaik ergänzen sich ideal:
Zeitliche Übereinstimmung:
- PV produziert tagsüber Strom (Spitze ca. 11–15 Uhr)
- Wärmepumpe kann tagsüber vorheizen (Haus als thermischer Puffer)
- Warmwasserbereitung tagsüber möglich
Wirtschaftliche Stärke:
- PV-Eigenverbrauch: 5–8 ct/kWh Grenzkosten (Amortisationsanteil)
- WP-Tarif: 20–26 ct/kWh
- Einspeisung: 8–12 ct/kWh
- Eigenverbrauch für WP ist 2–3× wertvoller als Einspeisung
Gemeinsamer Nutzen im Sommer:
- PV produziert am meisten (Sommer), aber WP braucht am wenigsten (warm draußen)
- Überschuss für Warmwasserbereitung nutzen (auch wenn Heizung aus ist)
- PV kühlt das Haus bei Aktivkühlung
SG-Ready: Die Schlüsselschnittstelle
Was ist SG-Ready? SG-Ready ist ein standardisierter Signaleingang an Wärmepumpen. Ein externes Energiemanagementsystem (EMS) kann der WP über 2 Bits signalisieren:
| Zustand | Signal | Bedeutung |
|---|---|---|
| Normal | 00 | Normalbetrieb nach Heizkurve |
| Empfehlung | 01 | Günstig Betrieb, WP kann erhöhen |
| Freigabe | 10 | Erhöhter Betrieb – PV-Überschuss vorhanden! |
| Sperre | 11 | Betrieb sperren (Netzbetreiber-Steuerung) |
Im Praxis-Betrieb mit PV:
- PV-Wechselrichter oder EMS erkennt: Überschuss vorhanden
- Signal 10 → WP heizt aktiver, lädt Warmwasserspeicher auf
- Bei wenig Überschuss oder normaler PV-Produktion: Signal 00
Voraussetzungen für SG-Ready-Betrieb:
- WP mit SG-Ready-Anschluss (alle modernen WPs)
- PV-Wechselrichter mit SG-Ready-Ausgang ODER
- Energiemanagementsystem (z.B. SMA Energy Manager, Fronius Ohmpilot, Vaillant sensoHOME)
- Verkabelung zwischen PV-System und WP
Kosten SG-Ready-Integration: 200–800 € (Software-Konfiguration + Kabel + ggf. EMS-Hardware)
Wie viel PV-Strom verbraucht die Wärmepumpe?
Beispiel: EFH 150 m², JAZ 3,5, Heizperiode Oktober–April
| Monat | WP-Stromverbrauch (ca.) | PV-Produktion (10 kWp, Süddachland) |
|---|---|---|
| Jan | 600 kWh | 250 kWh |
| Feb | 500 kWh | 400 kWh |
| Mär | 350 kWh | 700 kWh |
| Apr | 200 kWh | 1.000 kWh |
| Mai | 50 kWh (nur WW) | 1.200 kWh |
| Jun | 50 kWh | 1.300 kWh |
| Jul | 50 kWh | 1.400 kWh |
| Aug | 50 kWh | 1.200 kWh |
| Sep | 80 kWh | 900 kWh |
| Okt | 250 kWh | 600 kWh |
| Nov | 450 kWh | 300 kWh |
| Dez | 550 kWh | 200 kWh |
Problem: Im Winter braucht die WP am meisten Strom, aber die PV produziert am wenigsten. Direkte Deckung: Ca. 15–25 % im Winter.
Im Jahresschnitt: Etwa 30–50 % des WP-Stroms können durch PV-Eigenverbrauch gedeckt werden (je nach PV-Größe, Gebäudetyp und Steuerung).
Steuerungsstrategien: Smart nutzen
Strategie 1: Einfache SG-Ready-Steuerung
- Bei PV-Überschuss > 2 kW: WP auf erhöhten Betrieb
- Warmwasserspeicher auf 60 °C laden (statt 50 °C)
- Vorteile: Einfach, günstig, keine komplexe Software
- Nachteile: Nicht optimal (kein Wetterprognose)
Strategie 2: Prognosebasierte Steuerung
- EMS berücksichtigt Wettervorhersage (morgen sonnig → heute weniger vorheizen)
- WP heizt ein Haus bei PV-Überschuss "vor" (höherer Vorlauf, Haus als Puffer)
- Systeme: Vaillant myVAILLANT, SMA Energy Manager, E3/DC, Loxone
- Kosten: 500–2.000 €
Strategie 3: Direktsteuerung über Wechselrichter
- Manche Wechselrichter (Fronius, SMA, Huawei) steuern die WP direkt
- Einfacher als separates EMS
- Weniger Flexibilität als vollständiges EMS
Warmwasser als Speicher nutzen
Der Warmwasserspeicher ist ein günstiger "Wärmespeicher" für PV-Strom:
Prinzip: Bei hoher PV-Produktion wird der Warmwasserspeicher auf 60–65 °C aufgeheizt. Das gespeicherte Heißwasser steht dann für 12–24 Stunden zur Verfügung, ohne dass die WP wieder Strom braucht.
Energieinhalt: Ein 200-Liter-Speicher, von 45 °C auf 65 °C aufgeheizt:
- 200 L × 1,16 Wh/L·K × 20 K = 4.640 Wh = 4,6 kWh gespeichert
Kosten: Gratis (nutzt vorhandenen Warmwasserspeicher, nur Steuerung nötig)
Saisonal: In April–September (viel PV, wenig Heizung) fast täglich nutzbar.
Kosten und Einsparung: Realistische Zahlen
Szenario: EFH, WP 4.000 kWh/Jahr Strom, PV 10 kWp, SG-Ready-Integration
| Ohne SG-Ready-Steuerung | Mit SG-Ready-Steuerung |
|---|---|
| WP-Strom: 4.000 kWh | WP-Strom: 4.000 kWh |
| PV-Anteil WP: 20 % (800 kWh) | PV-Anteil WP: 40 % (1.600 kWh) |
| Netzbezug WP: 3.200 kWh | Netzbezug WP: 2.400 kWh |
| WP-Stromkosten: 736 €/Jahr | WP-Stromkosten: 552 €/Jahr |
| Mehrerträge PV-Eigenverbrauch: +64 € | |
| Vorteil SG-Ready: 248 €/Jahr |
SG-Ready-Integration kostet: 400–800 € Amortisation: 2–4 Jahre
Gesamtbewertung: WP + PV ist eine der wirtschaftlichsten Kombinationen in der Haussanierung. Die gemeinsame Investition senkt Energiekosten nachhaltig und schützt gegen steigende Strompreise.
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Häufige Fragen
Wie viel spare ich mit PV + Wärmepumpe?
Bei einer 10 kWp PV-Anlage und einer WP mit 4.000 kWh Jahresstromverbrauch: Wenn 50 % des WP-Stroms durch PV gedeckt werden (2.000 kWh Eigenverbrauch), sparen Sie bei 23 ct/kWh (WP-Tarif) ca. 460 €/Jahr. Die tatsächliche Ersparnis hängt davon ab, wie gut die PV-Produktion mit dem WP-Betrieb synchronisiert wird.
Was ist SG-Ready und brauche ich das?
SG-Ready (Smart Grid Ready) ist eine Schnittstelle, über die ein Energiemanagementsystem der WP signalisiert: 'Jetzt ist günstiger Strom verfügbar – nutze ihn für Heizen/Warmwasser.' Alle modernen Wärmepumpen haben diese Schnittstelle. Ohne SG-Ready ist eine PV-gesteuerte WP kaum effizient steuerbar.
Muss ich die WP groß genug für die PV-Anlage dimensionieren?
Nein – die WP-Dimensionierung richtet sich nach der Heizlast des Gebäudes, nicht nach der PV-Leistung. Die PV wird so ausgelegt, dass sie möglichst viel des WP-Stroms liefert (und darüber hinaus). Eine Überdimensionierung der WP für PV-Überschuss wäre falsch.
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