Technik & Planung

Inbetriebnahme der Wärmepumpe: Was beim ersten Start passiert

Was passiert bei der WP-Inbetriebnahme? Checkliste, Parametrierung, Heizkurve einstellen, Druckprüfung und was Eigentümer dabei beachten und prüfen sollten.

5 Min. LesezeitXpora Redaktion
InbetriebnahmeErststartHeizkurveParametrierungWärmepumpeInstallation

Inhaltsverzeichnis


Vorbereitung vor dem Erststart

Vor dem ersten Start prüft der Fachbetrieb:

  • Heizkreis vollständig befüllt und entlüftet (Druck 1,8–2,0 bar)
  • Alle Hydraulikverbindungen dicht (kein Tropfen)
  • Elektrischer Anschluss komplett (Absicherung, FI-Schutz)
  • Kältemittelkreis dicht (ab Werk befüllt bei Luft-WP, oder Befüllung vor Ort)
  • Außeneinheit: Keine Hindernisse, mindestens 50 cm Freiraum vor Ansaugöffnung
  • Steuerungskabel Innen- ↔ Außeneinheit verbunden
  • Warmwasserspeicher (falls vorhanden): Befüllt, Entlüftet

Schritt 1: Hydraulischer Drucktest

Heizkreis (Sekundärkreis)

Prüfdruck: 1,5× Betriebsdruck, max. 6 bar
Haltedauer: 30–60 Minuten
Zulässiger Druckabfall: ≤ 0,2 bar

Wenn Druckabfall > 0,2 bar: Leckage suchen und beheben vor Erststart.

Sole-Kreis (bei Sole-WP)

  • Sole-Befüllung und Entlüftung: Spezielles Befüllgerät nötig
  • Prüfdruck: 6 bar, Haltedauer: 1 Stunde
  • Frostschutzgehalt der Sole: Messung mit Refraktometer (Ziel: −15 bis −20 °C)

Schritt 2: Elektrische Prüfungen

Der Elektriker / Fachbetrieb prüft:

Prüfung Sollwert
Netzspannung L1/L2/L3 230/400 V ± 10 %
Absicherung je Phase Laut Hersteller (typ. 16–25 A)
FI-Schutz (RCD Typ A) Auslösung korrekt
Isolationswiderstand > 1 MΩ
Erdung/Potenzialausgleich Korrekt angeschlossen
Steuerspannung (Kältemittelkreis-Elektronik) Laut Schaltplan

Schritt 3: Parametrierung der WP

Im Installateur-Menü der WP-Steuerung (meist passwortgeschützt):

Grundeinstellungen

Parameter Typischer Wert Anpassung je Gebäude
Betriebsmodus Heizen + Warmwasser Selten ändern
Max. Vorlauftemperatur 55–60 °C Je nach Heizsystem
Min. Vorlauftemperatur 20–25 °C Basiswert
WW-Solltemperatur 50–55 °C GEG: mindestens 60 °C für Legionellen
Legionellenprogramm 1× pro Woche, 60 °C Empfohlen
Abtauintervall Automatisch WP-Steuerung regelt

Pumpeneinstellungen

  • Primärpumpe (WP-seitig): Volumenstrom laut Hersteller (typisch 1.000–2.000 L/h)
  • Sekundärpumpe (Heizkreisseitig): Druckerhöhung je Heizkreis

Schritt 4: Heizkurve einstellen

Die Heizkurve ist die wichtigste Effizienzeinstellung. Sie bestimmt, welche Vorlauftemperatur die WP bei welcher Außentemperatur liefert:

Heizkurven-Prinzip

Bei –10 °C Außentemperatur → WP liefert z. B. 45 °C Vorlauf
Bei +10 °C Außentemperatur → WP liefert z. B. 30 °C Vorlauf

Richtwerte nach Gebäudetyp

Gebäudetyp Vorlauf bei –10 °C Vorlauf bei +10 °C Neigung (Steilheit)
Neubau FBH 30–35 °C 22–25 °C Flach (0,4–0,5)
Altbau saniert FBH 35–42 °C 25–30 °C Mittel (0,5–0,7)
Altbau Heizkörper (saniert) 42–50 °C 28–35 °C Mittel (0,6–0,8)
Altbau Heizkörper (unsaniert) 50–60 °C 35–40 °C Steil (0,8–1,2)

Einstellung bei Inbetriebnahme: Fachbetrieb stellt Ausgangskurve ein. Feinoptimierung in der ersten Heizperiode: Leichtes Absenken testen (Effizienz verbessern), solange alle Räume ausreichend warm werden.


Schritt 5: Erststart und Überwachung

Erster Betrieb

  1. WP startet im Testmodus (kein Heizbetrieb, nur Pumpentest)
  2. Dann: Erster Heizbetrieb
  3. Fachbetrieb überwacht: Kältemitteldruck (Hochdruck/Niederdruck), Temperaturen, Volumenströme
  4. Typische Messwerte notieren (für Protokoll)

Was zu prüfen ist (Fachbetrieb)

Messgröße Sollbereich Gemessen
Vorlauftemperatur Laut Heizkurve __
Rücklauftemperatur VL minus 5–8 K __
Volumenstrom Heizkreis Laut Auslegung __
Kältemittel-Hochdruck Laut Hersteller __
Kältemittel-Niederdruck Laut Hersteller __
Strom je Phase Laut Datenblatt __
Schallpegel Außeneinheit < 55 dB(A) bei 1 m __

Was der Eigentümer kontrollieren sollte

Während der Inbetriebnahme:

Fragen an den Fachbetrieb stellen:

  • Welche Heizkurve wurde eingestellt und warum?
  • Wie ist das Warmwasserprogramm eingestellt?
  • Wo finde ich die Fehleranzeige (Fehlercodes)?
  • Wie melde ich mich in der Hersteller-App an?
  • Was tun, wenn Druck abfällt (Füllhahn-Position zeigen lassen)?

Einweisung fordern:

  • WP-Display: Wie Status ablesen?
  • Urlaubsmodus: Wie einschalten?
  • Nachtabsenkung: Wie konfigurieren?
  • Notaus: Wo ist der Hauptschalter?

Inbetriebnahme-Protokoll

Das Inbetriebnahme-Protokoll ist Pflicht und muss ausgehändigt werden (BAFA-Verwendungsnachweis):

Pflichtinhalt

  • Anlagenstandort, Auftraggeber
  • Gerätedaten: Hersteller, Modell, Seriennummer, kW-Leistung
  • Kältemitteltyp und eingefüllte Menge (kg)
  • Eingestellte Parameter (Heizkurve, WW-Temp., Betriebsmodus)
  • Messwerte: Drücke, Temperaturen, Ströme
  • Druck-Prüfprotokoll Heizkreis (Ergebnis: dicht)
  • Datum, Unterschrift Fachbetrieb

Aufbewahrung: Protokoll zusammen mit Rechnung und BAFA-Bescheid dauerhaft aufbewahren.


→ WP-Installation und Inbetriebnahme durch qualifizierten Fachbetrieb anfragen

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Häufige Fragen

Wie lange dauert die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe?

Inbetriebnahme einer Luft-WP: 2–4 Stunden (Parametrierung, Erststart, Kontrolle). Bei Sole-WP zusätzlich: Sole-Befüllung, Entlüftung des Sole-Kreises (1–2 Stunden extra). Gesamte Installationszeit (Installation + Inbetriebnahme): Luft-WP 1–2 Tage, Sole-WP 3–5 Tage (inkl. Bohrung). Inbetriebnahme-Protokoll muss danach ausgehändigt werden.

Was wird bei der Inbetriebnahme einer Wärmepumpe eingestellt?

Wichtigste Einstellungen: 1) Heizkurve (Vorlauftemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur). 2) Warmwasser-Solltemperatur (meist 50–55 °C, Legionellenprogramm auf 60 °C). 3) WP-Betriebsmodus (Heizen + WW, oder nur Heizen). 4) Nachtabsenkung (Zeitprogramm). 5) Frostschutz-Einstellungen. 6) Pumpeneinstellungen (Volumenstrom). 7) SG-Ready (wenn PV vorhanden).

Was steht im Inbetriebnahme-Protokoll?

Das Protokoll muss enthalten: Gerätedaten (Hersteller, Modell, Seriennummer). Datum der Inbetriebnahme. Eingestellte Parameter (Heizkurve, WW-Temperatur). Prüfwerte: Drücke, Temperaturen, Volumenströme. Kältemittelmenge und -typ. Unterschrift Fachbetrieb. Dieses Protokoll ist Bestandteil des BAFA-Verwendungsnachweises – immer aushändigen lassen.

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