Inbetriebnahme der Wärmepumpe: Was beim ersten Start passiert
Was passiert bei der WP-Inbetriebnahme? Checkliste, Parametrierung, Heizkurve einstellen, Druckprüfung und was Eigentümer dabei beachten und prüfen sollten.
Inhaltsverzeichnis
- Vorbereitung vor dem Erststart
- Schritt 1: Hydraulischer Drucktest
- Schritt 2: Elektrische Prüfungen
- Schritt 3: Parametrierung der WP
- Schritt 4: Heizkurve einstellen
- Schritt 5: Erststart und Überwachung
- Was der Eigentümer kontrollieren sollte
- Inbetriebnahme-Protokoll
Vorbereitung vor dem Erststart
Vor dem ersten Start prüft der Fachbetrieb:
- Heizkreis vollständig befüllt und entlüftet (Druck 1,8–2,0 bar)
- Alle Hydraulikverbindungen dicht (kein Tropfen)
- Elektrischer Anschluss komplett (Absicherung, FI-Schutz)
- Kältemittelkreis dicht (ab Werk befüllt bei Luft-WP, oder Befüllung vor Ort)
- Außeneinheit: Keine Hindernisse, mindestens 50 cm Freiraum vor Ansaugöffnung
- Steuerungskabel Innen- ↔ Außeneinheit verbunden
- Warmwasserspeicher (falls vorhanden): Befüllt, Entlüftet
Schritt 1: Hydraulischer Drucktest
Heizkreis (Sekundärkreis)
Prüfdruck: 1,5× Betriebsdruck, max. 6 bar
Haltedauer: 30–60 Minuten
Zulässiger Druckabfall: ≤ 0,2 bar
Wenn Druckabfall > 0,2 bar: Leckage suchen und beheben vor Erststart.
Sole-Kreis (bei Sole-WP)
- Sole-Befüllung und Entlüftung: Spezielles Befüllgerät nötig
- Prüfdruck: 6 bar, Haltedauer: 1 Stunde
- Frostschutzgehalt der Sole: Messung mit Refraktometer (Ziel: −15 bis −20 °C)
Schritt 2: Elektrische Prüfungen
Der Elektriker / Fachbetrieb prüft:
| Prüfung | Sollwert |
|---|---|
| Netzspannung L1/L2/L3 | 230/400 V ± 10 % |
| Absicherung je Phase | Laut Hersteller (typ. 16–25 A) |
| FI-Schutz (RCD Typ A) | Auslösung korrekt |
| Isolationswiderstand | > 1 MΩ |
| Erdung/Potenzialausgleich | Korrekt angeschlossen |
| Steuerspannung (Kältemittelkreis-Elektronik) | Laut Schaltplan |
Schritt 3: Parametrierung der WP
Im Installateur-Menü der WP-Steuerung (meist passwortgeschützt):
Grundeinstellungen
| Parameter | Typischer Wert | Anpassung je Gebäude |
|---|---|---|
| Betriebsmodus | Heizen + Warmwasser | Selten ändern |
| Max. Vorlauftemperatur | 55–60 °C | Je nach Heizsystem |
| Min. Vorlauftemperatur | 20–25 °C | Basiswert |
| WW-Solltemperatur | 50–55 °C | GEG: mindestens 60 °C für Legionellen |
| Legionellenprogramm | 1× pro Woche, 60 °C | Empfohlen |
| Abtauintervall | Automatisch | WP-Steuerung regelt |
Pumpeneinstellungen
- Primärpumpe (WP-seitig): Volumenstrom laut Hersteller (typisch 1.000–2.000 L/h)
- Sekundärpumpe (Heizkreisseitig): Druckerhöhung je Heizkreis
Schritt 4: Heizkurve einstellen
Die Heizkurve ist die wichtigste Effizienzeinstellung. Sie bestimmt, welche Vorlauftemperatur die WP bei welcher Außentemperatur liefert:
Heizkurven-Prinzip
Bei –10 °C Außentemperatur → WP liefert z. B. 45 °C Vorlauf
Bei +10 °C Außentemperatur → WP liefert z. B. 30 °C Vorlauf
Richtwerte nach Gebäudetyp
| Gebäudetyp | Vorlauf bei –10 °C | Vorlauf bei +10 °C | Neigung (Steilheit) |
|---|---|---|---|
| Neubau FBH | 30–35 °C | 22–25 °C | Flach (0,4–0,5) |
| Altbau saniert FBH | 35–42 °C | 25–30 °C | Mittel (0,5–0,7) |
| Altbau Heizkörper (saniert) | 42–50 °C | 28–35 °C | Mittel (0,6–0,8) |
| Altbau Heizkörper (unsaniert) | 50–60 °C | 35–40 °C | Steil (0,8–1,2) |
Einstellung bei Inbetriebnahme: Fachbetrieb stellt Ausgangskurve ein. Feinoptimierung in der ersten Heizperiode: Leichtes Absenken testen (Effizienz verbessern), solange alle Räume ausreichend warm werden.
Schritt 5: Erststart und Überwachung
Erster Betrieb
- WP startet im Testmodus (kein Heizbetrieb, nur Pumpentest)
- Dann: Erster Heizbetrieb
- Fachbetrieb überwacht: Kältemitteldruck (Hochdruck/Niederdruck), Temperaturen, Volumenströme
- Typische Messwerte notieren (für Protokoll)
Was zu prüfen ist (Fachbetrieb)
| Messgröße | Sollbereich | Gemessen |
|---|---|---|
| Vorlauftemperatur | Laut Heizkurve | __ |
| Rücklauftemperatur | VL minus 5–8 K | __ |
| Volumenstrom Heizkreis | Laut Auslegung | __ |
| Kältemittel-Hochdruck | Laut Hersteller | __ |
| Kältemittel-Niederdruck | Laut Hersteller | __ |
| Strom je Phase | Laut Datenblatt | __ |
| Schallpegel Außeneinheit | < 55 dB(A) bei 1 m | __ |
Was der Eigentümer kontrollieren sollte
Während der Inbetriebnahme:
Fragen an den Fachbetrieb stellen:
- Welche Heizkurve wurde eingestellt und warum?
- Wie ist das Warmwasserprogramm eingestellt?
- Wo finde ich die Fehleranzeige (Fehlercodes)?
- Wie melde ich mich in der Hersteller-App an?
- Was tun, wenn Druck abfällt (Füllhahn-Position zeigen lassen)?
Einweisung fordern:
- WP-Display: Wie Status ablesen?
- Urlaubsmodus: Wie einschalten?
- Nachtabsenkung: Wie konfigurieren?
- Notaus: Wo ist der Hauptschalter?
Inbetriebnahme-Protokoll
Das Inbetriebnahme-Protokoll ist Pflicht und muss ausgehändigt werden (BAFA-Verwendungsnachweis):
Pflichtinhalt
- Anlagenstandort, Auftraggeber
- Gerätedaten: Hersteller, Modell, Seriennummer, kW-Leistung
- Kältemitteltyp und eingefüllte Menge (kg)
- Eingestellte Parameter (Heizkurve, WW-Temp., Betriebsmodus)
- Messwerte: Drücke, Temperaturen, Ströme
- Druck-Prüfprotokoll Heizkreis (Ergebnis: dicht)
- Datum, Unterschrift Fachbetrieb
Aufbewahrung: Protokoll zusammen mit Rechnung und BAFA-Bescheid dauerhaft aufbewahren.
→ WP-Installation und Inbetriebnahme durch qualifizierten Fachbetrieb anfragen
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Häufige Fragen
Wie lange dauert die Inbetriebnahme einer Wärmepumpe?
Inbetriebnahme einer Luft-WP: 2–4 Stunden (Parametrierung, Erststart, Kontrolle). Bei Sole-WP zusätzlich: Sole-Befüllung, Entlüftung des Sole-Kreises (1–2 Stunden extra). Gesamte Installationszeit (Installation + Inbetriebnahme): Luft-WP 1–2 Tage, Sole-WP 3–5 Tage (inkl. Bohrung). Inbetriebnahme-Protokoll muss danach ausgehändigt werden.
Was wird bei der Inbetriebnahme einer Wärmepumpe eingestellt?
Wichtigste Einstellungen: 1) Heizkurve (Vorlauftemperatur in Abhängigkeit der Außentemperatur). 2) Warmwasser-Solltemperatur (meist 50–55 °C, Legionellenprogramm auf 60 °C). 3) WP-Betriebsmodus (Heizen + WW, oder nur Heizen). 4) Nachtabsenkung (Zeitprogramm). 5) Frostschutz-Einstellungen. 6) Pumpeneinstellungen (Volumenstrom). 7) SG-Ready (wenn PV vorhanden).
Was steht im Inbetriebnahme-Protokoll?
Das Protokoll muss enthalten: Gerätedaten (Hersteller, Modell, Seriennummer). Datum der Inbetriebnahme. Eingestellte Parameter (Heizkurve, WW-Temperatur). Prüfwerte: Drücke, Temperaturen, Volumenströme. Kältemittelmenge und -typ. Unterschrift Fachbetrieb. Dieses Protokoll ist Bestandteil des BAFA-Verwendungsnachweises – immer aushändigen lassen.
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