Energieberatung Praxis

iSFP und GEG-Reform 2026: Warum der Sanierungsfahrplan jetzt wichtiger ist denn je

Nach der GEG-Reform braucht es keine Pflichtumrüstung – aber strategische Planung ist wichtiger als je zuvor. Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) liefert genau das: Orientierung und 5 % extra BAFA-Bonus.

8 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Was ist der iSFP und wie funktioniert er?

Der individuelle Sanierungsfahrplan (iSFP) ist ein standardisiertes Beratungsdokument für Wohngebäude. Er wird von einem zugelassenen Energieberater erstellt und enthält:

  • Eine Bestandsaufnahme des energetischen Zustands des Gebäudes
  • Empfohlene Sanierungsmaßnahmen in einer priorisierten Reihenfolge (Heizung, Dämmung, Fenster, Lüftung)
  • Kostenschätzungen für jede Maßnahme
  • Erwartete Energieeinsparungen und CO₂-Reduktion
  • Eine Ziel-Energieeffizienzklasse nach vollständiger Umsetzung

Der iSFP wird auf Basis einer Vor-Ort-Begehung erstellt. Das fertige Dokument hat eine Laufzeit von 15 Jahren.


iSFP und GEG-Reform: Die neue Bedeutung

Vor der GEG-Lockerung war der iSFP vor allem ein Förderinstrument (für den +5 % Bonus). Jetzt ist er mehr: ein strategischer Kompass in einem unregulierten Markt.

Was die GEG-Reform für Eigentümer ohne iSFP bedeutet:

  • Keine externe Pflicht mehr → keine klare Orientierung, was zu tun ist
  • Freie Wahl zwischen Gasheizung, Wärmepumpe, Hybrid → welche Entscheidung ist richtig?
  • Kein zeitlicher Druck → droht Aufschub der wichtigen Investitionen?

Was der iSFP leistet:

  • Fundierte, unabhängige Empfehlung, losgelöst von Produktinteressen
  • Klarheit über die optimale Reihenfolge (z.B.: erst Dämmung, dann Wärmepumpe — oder umgekehrt)
  • Konkrete Kostenpläne für die mittelfristige Budgetplanung
  • Nachweis für Banken und potenzielle Käufer über den Sanierungsplan

Der iSFP-Bonus: 5 % mehr BAFA-Förderung

Der iSFP-Bonus ist eindeutig und unverändert:

Liegt bei Antragstellung ein gültiger iSFP vor → +5 % auf den BAFA-Fördersatz.

Das gilt für alle BEG-Einzelmaßnahmen:

  • Wärmepumpeninstallation
  • Dämmmaßnahmen (Fassade, Dach, Keller)
  • Fenster- und Türenersatz
  • Lüftungsanlagen

Wichtig: Der iSFP muss vor der BAFA-Antragstellung vorliegen. Er kann nicht nachträglich eingebracht werden.

Wie wichtig ist der iSFP-Bonus wirklich?

Viele Eigentümer unterschätzen den finanziellen Hebel:

Maßnahme Investition Förderung ohne iSFP Förderung mit iSFP iSFP-Bonus in €
Wärmepumpe 21.000 € 10.500 € (50 %) 11.550 € (55 %) +1.050 €
Fassadendämmung 25.000 € 10.000 € (40 %) 11.250 € (45 %) +1.250 €
Dachdämmung 18.000 € 7.200 € (40 %) 8.100 € (45 %) +900 €
Gesamt (alle 3 Maßnahmen) 64.000 € 27.700 € 30.900 € +3.200 €

Ein iSFP, der 300 € Eigenanteil kostet, bringt hier über mehrere Maßnahmen 3.200 € extra Förderung — eine Rendite von über 1.000 %.


Was enthält ein iSFP?

Ein vollständiger iSFP enthält nach dem Qualitätsstandard des BAFA:

Teil 1: Ist-Zustand

  • Energetische Beschreibung der Gebäudehülle (U-Werte Wände, Dach, Keller, Fenster)
  • Beschreibung des bestehenden Heizsystems
  • Energieverbrauch der letzten 3 Jahre (aus Verbrauchsabrechnungen)
  • Aktueller Energieausweis oder Bedarfsausweis-Erstellung

Teil 2: Sanierungsempfehlungen

  • Empfohlene Maßnahmen in priorisierter Reihenfolge (Schritt 1, 2, 3…)
  • Kosten- und Förderschätzung je Maßnahme
  • Erwartete Energieeinsparung je Schritt

Teil 3: Zielzustand

  • Erreichbare Energieeffizienzklasse nach vollständiger Umsetzung
  • CO₂-Bilanz vor und nach Sanierung
  • Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Teil 4: Kurzfassung für Eigentümer

  • Grafische Übersicht (Sanierungspfad-Darstellung)
  • Wichtigste Handlungsempfehlungen auf einer Seite

Wie wird ein iSFP erstellt?

Schritt 1: Energieberater beauftragen Suchen Sie einen in der Expertenliste der DENA eingetragenen Berater. Wichtig: Der Berater muss speziell für die „Energieberatung für Wohngebäude" (BAFA-Programm) qualifiziert sein.

Schritt 2: Vor-Ort-Termin Der Berater besichtigt Ihr Gebäude (1,5–3 Stunden). Er dokumentiert Baujahr, Baustoffe, Dämmzustand, Heizsystem, Fenster und Lüftung.

Schritt 3: Gebäudemodellierung Der Berater erstellt ein digitales Energiemodell Ihres Gebäudes und berechnet verschiedene Sanierungsvarianten.

Schritt 4: iSFP-Erstellung und Beratungsgespräch Der fertige iSFP wird mit Ihnen besprochen. Sie erhalten das Dokument als PDF und als offiziell registriertes Dokument (mit iSFP-Kennnummer).

Schritt 5: BAFA-Förderantrag für Energieberatung Der Berater stellt für Sie den Förderantrag beim BAFA (80 % Kostenerstattung).


Kosten und Förderung des iSFP

Kosten der Energieberatung vor Ort (iSFP):

  • Einfamilienhaus bis 150 m²: ca. 800–1.200 €
  • Einfamilienhaus über 150 m²: ca. 1.200–1.800 €
  • Mehrfamilienhaus: ca. 1.500–3.000 € (abhängig von Wohneinheiten)

BAFA-Förderung „Energieberatung für Wohngebäude":

  • EFH/ZFH: 80 % Förderung (max. 1.300 € Zuschuss)
  • MFH: 80 % Förderung (max. 1.700 € Zuschuss)

Eigenanteil EFH (Beispiel, 1.000 € Gesamtkosten): 800 € BAFA-Förderung → 200 € Eigenanteil


iSFP in der Praxis: Rechenbeispiele

Beispiel: Familie, EFH 140 m², Baujahr 1985, alte Gasheizung

Kosten iSFP: 1.000 € → BAFA-Förderung 80 % → Eigenanteil 200 €

Geplante Maßnahmen laut iSFP:

  1. Wärmepumpe (Jahr 1): Investition 22.000 € → iSFP-Bonus +5 % = +1.100 € Förderung
  2. Fassadendämmung (Jahr 3): Investition 28.000 € → iSFP-Bonus +5 % = +1.400 € Förderung
  3. Dachbodendämmung (Jahr 5): Investition 12.000 € → iSFP-Bonus +5 % = +600 € Förderung

Gesamter iSFP-Bonus über alle 3 Maßnahmen: 3.100 € Eigenanteil iSFP: 200 € Rendite: 1.550 %


Wann sollte ich einen iSFP erstellen lassen?

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, wenn:

  • Sie in den nächsten 1–5 Jahren eine Heizungssanierung oder energetische Maßnahme planen
  • Ihre Heizung älter als 15 Jahre ist
  • Sie in einem schlecht gedämmten Gebäude wohnen (Energieklasse E, F, G)
  • Sie die Immobilie verkaufen oder vermieten möchten

Kein unmittelbarer Bedarf, wenn:

  • Ihr Gebäude bereits umfassend saniert ist (Energieklasse A oder B)
  • Sie keine Maßnahmen in den nächsten 5 Jahren planen und keine Förderung benötigen

Wichtig: Den iSFP müssen Sie erstellen lassen, bevor Sie den BAFA-Antrag für die erste Maßnahme stellen. Nachträglich ist das Dokument für den Bonus wertlos.


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Häufige Fragen

Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) und wozu brauche ich ihn?

Der iSFP ist ein von einem zugelassenen Energieberater erstellter Stufenplan zur energetischen Sanierung Ihres Gebäudes. Er listet Maßnahmen nach Priorität auf, nennt Kosten und Einsparpotenziale. Praktischer Vorteil: Mit einem gültigen iSFP erhalten Sie bei jeder BAFA-geförderten Maßnahme 5 % mehr Förderung.

Wird der iSFP durch die GEG-Reform weniger wichtig?

Nein, im Gegenteil. Da die GEG-Pflichten entfallen, fehlt ein klarer Orientierungsrahmen für Eigentümer. Der iSFP übernimmt diese Funktion: Er gibt eine fundierte Empfehlung, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirtschaftlich sinnvoll sind.

Was kostet ein iSFP und wie viel Förderung bekomme ich dafür?

Ein iSFP für ein Einfamilienhaus kostet ca. 800–1.500 €. Das BAFA-Programm 'Energieberatung für Wohngebäude' fördert 80 % davon. Der Eigenanteil liegt bei ca. 160–300 €. Dieser kleine Eigenanteil rechnet sich bereits bei einer einzigen BAFA-geförderten Maßnahme durch den 5 %-Bonus.

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