Wärmepumpe Grundlagen

F-Gase-Verordnung 2024: Was bedeutet das für Wärmepumpenbesitzer?

Die neue EU F-Gase-Verordnung 2024 verändert den Wärmepumpenmarkt grundlegend. Was das für bestehende R410A-Anlagen und Neukäufer bedeutet – alles erklärt.

7 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Was sind F-Gase und warum werden sie reguliert?

F-Gase, also fluorierte Treibhausgase, sind eine Gruppe synthetischer chemischer Verbindungen, die in Kälteanlagen, Wärmepumpen, Klimaanlagen und Schaumstoffdämmung eingesetzt werden. Das Problem: Viele F-Gase haben ein extrem hohes Treibhauspotenzial — teilweise Hunderte oder Tausende Mal höher als CO₂.

Das Treibhauspotenzial wird als GWP-Wert (Global Warming Potential) angegeben und gibt an, wie viel Wärme ein Gas im Vergleich zu CO₂ über einen Zeitraum von 100 Jahren in der Atmosphäre einschließt. CO₂ hat per Definition den GWP-Wert 1.

Wenn ein Kältemittel bei der Wartung oder durch einen Defekt austritt, gelangt es unkontrolliert in die Atmosphäre und trägt zum Klimawandel bei. Die Europäische Union hat deshalb beschlossen, den Einsatz hochgradiger F-Gase schrittweise zu reduzieren und auf klimafreundlichere Alternativen umzustellen.


Die wichtigsten Kältemittel im Überblick

R410A – Das auslaufende Mittel

R410A war lange das meistverbreitete Kältemittel in Wärmepumpen und Klimaanlagen. Es hat einen GWP-Wert von 2.088 — das bedeutet, ein Kilogramm R410A ist klimaschädlich wie mehr als zwei Tonnen CO₂. Aufgrund dieses hohen Treibhauspotenzials darf R410A seit dem 1. Januar 2025 nicht mehr in neuen Geräten eingesetzt werden.

R32 – Die Übergangslösung

R32 ist ein moderneres Kältemittel mit einem GWP-Wert von 675 — deutlich besser als R410A, aber noch immer mit relevantem Treibhauspotenzial. R32 wurde in den letzten Jahren von vielen Herstellern als Übergangs-Kältemittel eingeführt. Viele aktuelle Wärmepumpen nutzen R32 und werden es voraussichtlich noch einige Jahre dürfen, bis auch hier schärfere Grenzen gelten.

R290 – Die klimafreundliche Zukunft

R290 ist Propan — ein natürliches Kältemittel mit einem GWP-Wert von nur 3. Es ist damit nahezu klimaneutral bei einem Leck und gilt als langfristige Zukunftslösung für Wärmepumpen. R290 hat ausgezeichnete thermodynamische Eigenschaften und ermöglicht hohe Effizienz — in bestimmten Temperaturbereichen sogar besser als synthetische Kältemittel.

Der einzige Nachteil: R290 ist leicht brennbar. Das erfordert angepasste Sicherheitstechnik bei Geräten und Aufstellung, die Hersteller aber bereits standardmäßig umsetzen.


Was die EU-Verordnung 2024 konkret regelt

Die EU-Verordnung 2024/573 (Neufassung der F-Gas-Verordnung) legt unter anderem fest:

  • Verbot neuer Geräte mit R410A ab 1. Januar 2025 für Wärmepumpen und Klimaanlagen
  • Schrittweises Absenken der Gesamtmenge an F-Gasen, die in der EU in Verkehr gebracht werden darf (Phase-down), auf Basis des GWP-gewichteten Volumens
  • Verschärfte Prüfpflichten für bestehende Anlagen oberhalb bestimmter Kältemittelfüllmengen
  • Einschränkungen beim Service: Für Anlagen mit hochflüchtigen F-Gasen dürfen nur F-Gas-zertifizierte Unternehmen Arbeiten am Kältemittelkreis vornehmen
  • Etikettierungspflichten für neue Geräte mit Angabe des Kältemittels und seines GWP-Werts

Für Endverbraucher ist vor allem die Konsequenz wichtig: Neue Wärmepumpen müssen heute auf klimafreundliche Kältemittel setzen, und wer jetzt eine neue Anlage kauft, sollte R290 oder zumindest R32 bevorzugen.


Auswirkungen auf bestehende R410A-Anlagen

Wenn Sie bereits eine Wärmepumpe mit R410A in Betrieb haben, müssen Sie nicht sofort handeln. Die Verordnung greift primär für neue Geräte. Für Ihren bestehenden Heizungsbetrieb gilt:

Was sich nicht ändert (kurzfristig):

  • Ihre Anlage darf weiter betrieben werden
  • Wartungen und Inspektionen bleiben pflichtgemäß möglich
  • R410A-Kältemittel für Wartungszwecke bleibt noch mehrere Jahre verfügbar

Was sich langfristig verändern wird:

  • Die verfügbaren Mengen an R410A sinken, weil keine neuen Mengen mehr in großem Umfang produziert werden
  • Die Preise für R410A werden voraussichtlich steigen, was Wartungskosten erhöht
  • Bei einem größeren Kältemittelleck kann eine Reparatur teurer oder wirtschaftlich nicht sinnvoll werden

Empfehlung: Lassen Sie bei der nächsten regulären Wartung durch Ihren Fachbetrieb prüfen, in welchem Zustand Ihr Kältemittelkreis ist, und besprechen Sie die mittelfristige Strategie.


Was beim Neukauf gilt

Wer heute eine neue Wärmepumpe kauft, sollte auf das Kältemittel achten. Die klare Empfehlung lautet: R290 oder R32 bevorzugen, R410A meiden.

R290-Geräte sind die langfristig zukunftssicherste Wahl. Sie sind heute bereits bei vielen Herstellern verfügbar und bieten in der Regel hervorragende Effizienzwerte. Die leichte Brennbarkeit erfordert eine fachgerechte Aufstellung, ist aber im Betrieb für den Endnutzer ohne Bedeutung.

R32-Geräte sind ebenfalls eine vertretbare Wahl für die nächsten Jahre. Der GWP-Wert ist zwar deutlich unter R410A, aber R32 könnte in einigen Jahren von schärferen Regulierungen betroffen sein.

Beim Vergleich von Angeboten sollten Sie den Installateur aktiv nach dem verwendeten Kältemittel fragen. Im Angebot sollte das Kältemittel explizit benannt sein.


Der Übergang der Hersteller

Der deutsche und europäische Wärmepumpenmarkt hat auf die Regulierung reagiert. Große Hersteller haben ihre Produktportfolios bereits auf klimafreundlichere Kältemittel umgestellt oder sind dabei:

Auf R290 umgestellt oder umstellend: Daikin, Vaillant, Viessmann, Stiebel Eltron, Panasonic, Alpha Innotec, Bosch und weitere bieten bereits R290-Modelle an. Bei einigen Herstellern ist R290 bereits das Standard-Kältemittel für Luft-Wasser-Wärmepumpen.

Noch mit R32: Einige Modellreihen nutzen R32 als Übergangs-Kältemittel, insbesondere in Klimageräten und kleineren Split-Wärmepumpen.

Die Marktentwicklung ist eindeutig: Der Anteil von R290-Geräten steigt jedes Quartal. Wenn Sie eine neue Anlage kaufen, ist R290 in vielen Geräteklassen bereits heute die erste Wahl.


Importbeschränkungen und Zeitplan

Ergänzend zu den Produktverboten enthält die Verordnung Importbeschränkungen: Geräte aus Drittländern, die in der EU verbotene Kältemittel enthalten, dürfen nicht mehr importiert werden. Das betrifft insbesondere günstige Geräte aus Asien, die noch R410A nutzen.

Wesentliche Zeitpunkte im Überblick:

  • Ab 2025: Kein R410A mehr in neuen Wärmepumpen und Klimaanlagen
  • Laufend bis 2030: Weitere Phase-down-Schritte für alle F-Gase
  • Ab 2030: Deutlich schärfere Mengenbeschränkungen für mittelgradige F-Gase (betrifft dann auch R32)
  • Langfristig: Hin zu ausschließlich natürlichen Kältemitteln wie R290, R717 (Ammoniak), R744 (CO₂)

Als Verbraucher müssen Sie diese Daten nicht auswendig kennen. Die wichtigste Handlungsempfehlung: Beim Neukauf auf Kältemittel achten, bestehende Anlagen regulär warten lassen und bei Fragen einen qualifizierten Fachbetrieb hinzuziehen.

Mehr zur Planung einer neuen Wärmepumpenanlage finden Sie in unserem Ratgeber zur Wärmepumpen-Grundlagen.

Häufige Fragen

Muss ich meine R410A-Wärmepumpe wegen der F-Gase-Verordnung sofort ersetzen?

Nein. Bestehende Wärmepumpen mit R410A dürfen weiterhin betrieben werden. Das Verbot betrifft nur den Einbau von Neugeräten mit hochgradig klimaschädlichen Kältemitteln. Wartung und Instandhaltung bestehender R410A-Anlagen bleiben zunächst möglich, allerdings wird die Verfügbarkeit und der Preis des Kältemittels langfristig steigen. Ein sofortiger Wechsel ist nicht erforderlich, ein mittelfristiger Wechsel bei der nächsten größeren Reparatur wirtschaftlich sinnvoll.

Ist R290-Propan in einer Wärmepumpe gefährlich?

R290 (Propan) ist brennbar und bei falscher Handhabung theoretisch explosiv. In modernen Wärmepumpen ist das Kältemittel jedoch in einem hermetisch geschlossenen System, und die verwendeten Mengen sind gering (typisch 0,5 bis 1,5 kg). Die Hersteller haben die Sicherheitssysteme entsprechend angepasst. Die Aufstellung im Freien oder in gut belüfteten Bereichen ist Pflicht. Für Endverbraucher im normalen Betrieb ist R290 sicher — Wartung und Kältemittelarbeiten dürfen nur F-Gas-zertifizierte Fachbetriebe durchführen.

Was passiert, wenn R410A für meine Wärmepumpe nicht mehr verfügbar ist?

R410A wird nicht über Nacht verschwinden. Der Phase-out ist gestaffelt: Neue Geräte dürfen seit 2025 kein R410A mehr nutzen, aber vorhandene Bestände dürfen weiter zur Wartung verwendet werden. Langfristig wird die Verfügbarkeit sinken und der Preis steigen. Wer eine R410A-Anlage hat, sollte bei der nächsten Hauptwartung mit dem Fachbetrieb besprechen, ob ein baldiger Wechsel wirtschaftlich sinnvoll ist.

Welche neuen Wärmepumpen verwenden R290?

Nahezu alle großen Hersteller bieten inzwischen Modelle mit R290 an: Daikin (Altherma 3 R-Baureihe), Vaillant (aroTHERM pure), Viessmann (Vitocal 150-A/250-A), Stiebel Eltron (WPL-A-Baureihe), Panasonic (Aquarea J-Serie) und viele weitere. Der Anteil der R290-Modelle am Neumarkt steigt rapide. Beim Kauf einer neuen Wärmepumpe sollte R290 oder R32 Standard sein.

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