Energieberatung vor Ort: Was passiert beim Termin?
Ablauf einer Vor-Ort-Energieberatung: Was der Berater prüft, wie lange es dauert, was Sie vorbereiten sollten und was danach kommt.
Inhaltsverzeichnis
- Wer kommt und was bringt der Berater mit?
- Ablauf des Termins: Phase für Phase
- Was der Berater untersucht
- Was Sie vor dem Termin vorbereiten sollten
- Nach dem Termin: Bericht und Empfehlungen
- Energieberatung für Wärmepumpe: Spezifisches
Wer kommt und was bringt der Berater mit?
Der Berater: Ein BAFA-zugelassener Energieeffizienz-Experte (Energieberater für Bundesförderung BEG). Qualifikation: Architekt, Ingenieur oder staatlich geprüfter Techniker mit Zusatzausbildung.
Mitgebrachtes Werkzeug:
- Blower-Door-Gerät (nicht bei jedem Termin): Luftdichtheitsmessung
- Thermalkamera (optional): Wärmebrücken sichtbar machen
- Feuchtemessgerät: Feuchtigkeit in Wänden messen
- Laser-Entfernungsmesser: Gebäudeabmessungen aufnehmen
- Fotokamera: Dokumentation des Ist-Zustands
- Datenblätter und Normen: Referenzwerte für Vergleich
Ablauf des Termins: Phase für Phase
Phase 1: Begrüßung und Erstgespräch (30–45 Min.)
Berater erfragt:
- Ziele: Was soll die Sanierung bringen? (Kosten senken, Komfort, Klimaschutz, Pflicht)
- Budget: Welcher Investitionsrahmen ist realistisch?
- Zeitplan: Wann soll umgesetzt werden?
- Vorgeschichte: Was wurde bereits saniert?
Wichtig: Eigenverbrauch letzter Jahre (Gas/Öl/Strom) angeben – Basis für Berechnungen.
Phase 2: Gebäudebegehung (60–120 Min.)
Der Berater geht durch alle Bereiche des Gebäudes:
Außenbereich:
- Fassade: Sichtprüfung auf Dämmung, Putz, Risse
- Dach: Neigung, Aufbau, Dachfenster
- Fenster: Verglasung, Dichtungen, Rahmentyp
- Heizungsanlage (außen): Wärmpumpe-Aufstellort, Leitungsführung
Keller:
- Heizungsanlage komplett dokumentieren
- Rohrleitungsdämmung
- Kellerdeckendämmung (oder Fehlen davon)
- Feuchte, Keller-Wärmedurchgang
Wohnräume:
- Heizkörper, FBH-Thermostate
- Rollladenkästen (häufige Wärmebrücke!)
- Fenster-Dichtungen
- Außenwand-Innenseite (Feuchtigkeit, Kälte)
Dachgeschoss:
- Dauerhafte Temperatur im Sommer
- Dämmung der obersten Geschossdecke
- Dachausbau / Kaltdach?
Technische Anlage:
- Heizung: Hersteller, Baujahr, Leistung, Zustand
- Warmwasserbereiter
- Lüftungsanlage (falls vorhanden)
- Photovoltaik (falls vorhanden)
Phase 3: Messungen (wenn durchgeführt)
Thermalkamera: Im Winter am wirkungsvollsten. Zeigt Wärmebrücken, schlecht gedämmte Stellen, undichte Anschlüsse.
Blower-Door: Luftdichtigkeit des Gebäudes messen. Ergebnis: n50-Wert (Luftwechsel bei 50 Pa). Gut: < 1,5 h⁻¹ (Neubau), < 3 h⁻¹ (sanierter Altbau).
Phase 4: Erste Einschätzung und Abschlussgespräch (30 Min.)
Berater gibt erste mündliche Einschätzung:
- Größte Energiesparpotenziale
- Welche Maßnahmen am dringlichsten
- Grobe Kosten und Fördermöglichkeiten
- Nächste Schritte (iSFP, Energieausweis, Planung)
Was der Berater untersucht
U-Wert-Schätzung
U-Wert = Wärmedurchgangskoeffizient (je niedriger, desto besser).
| Bauteil | Altbau (ohne Dämmung) | Neubau KfW 70 | Passivhaus |
|---|---|---|---|
| Außenwand | 1,0–1,5 W/m²K | 0,20 W/m²K | 0,10 W/m²K |
| Dach | 0,8–1,2 W/m²K | 0,15 W/m²K | 0,10 W/m²K |
| Fenster | 2,5–3,5 W/m²K | 0,90 W/m²K | 0,50 W/m²K |
| Kellerdecke | 0,8–1,5 W/m²K | 0,25 W/m²K | 0,15 W/m²K |
Berater schätzt U-Werte aus Baujahr, Wandaufbau und Sichtbefund.
Heizlastberechnung
Vereinfacht: Wärmeverluste aller Bauteile × Temperaturdifferenz = Heizlast (kW).
Diese Zahl ist entscheidend für: Wärmepumpen-Dimensionierung, Heizkörper-Check, Vorlauftemperatur.
Was Sie vor dem Termin vorbereiten sollten
Pflicht-Dokumente (mitbereitstellen):
- Jahresabrechnung Gas/Öl/Strom (letzten 3 Jahre)
- Baujahr des Gebäudes
- Grundrisse / Baupläne (wenn vorhanden)
Hilfreich aber optional:
- Handwerkerrechnungen zu vergangenen Sanierungen
- Datenblätter Heizung, Fenster
- Fotos von Keller, Dachboden
- Alter der Heizungsanlage (Typenschild fotografieren)
Fragen notieren: Was beschäftigt Sie? Was wollen Sie unbedingt wissen?
- Wärmepumpe: Passt sie zum Gebäude?
- Welche Förderung ist für uns realistisch?
- Was ist die sinnvollste Reihenfolge der Maßnahmen?
Haushalts-Informationen:
- Anzahl Personen im Haushalt (für Warmwasser-Bedarf)
- Durchschnittliche Raumtemperatur gewünscht
- Geplante Nutzungszeit (langfristiges Eigenheim oder Verkauf geplant?)
Nach dem Termin: Bericht und Empfehlungen
Energieberater-Bericht (schriftlich, 2–4 Wochen nach Termin)
Inhalt:
- Ist-Zustand des Gebäudes (U-Werte, Heizlast, Energieverbrauch)
- Effizienzklasse: A+ bis H (nach GEG)
- Maßnahmenplan: Priorität, Kosten, Einsparung je Maßnahme
- Förderübersicht: BAFA, KfW, Landesförderung
- Wirtschaftlichkeitsberechnung: Amortisation je Maßnahme
iSFP (individueller Sanierungsfahrplan)
Wenn Berater einen iSFP erstellt: Detaillierter Stufenplan für alle Sanierungsmaßnahmen über 15 Jahre. Enthält spezifische Maßnahmen mit Reihenfolge-Empfehlung.
Wichtig für WP-Förderung: iSFP gibt +5 % BAFA-Bonus (iSFP-Bonus) auf alle Einzelmaßnahmen, die im Fahrplan stehen.
Mehr: iSFP Sanierungsfahrplan erklärt
Energieberatung für Wärmepumpe: Spezifisches
WP-relevante Fragen beim Termin:
- Ist das Gebäude WP-geeignet? → Berater prüft Heizlast und empfiehlt Vorlauftemperatur
- Welcher WP-Typ passt? → Luft-Wasser (einfach), Sole-Wasser (effizienter), Luft-Luft (nur Heizung+Kühlung)
- Müssen Heizkörper getauscht werden? → Check auf Niedertemperatureignung
- Passt die Elektroinstallation? → Netzanschluss, Absicherung, WP-Tarif
- Außenaufstellort prüfen → Schallschutz, Abstand zu Nachbarn, Genehmigungspflicht
Für eine persönliche Energieberatung können Sie über unser Portal einen qualifizierten Energieberater anfragen.
→ Energieberater vor Ort anfragen
Verwandte Ratgeber:
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine Energieberatung vor Ort?
Erstgespräch + Besichtigung: 2–4 Stunden. Danach Auswertung und Bericht-Erstellung: 1–3 Wochen (büroseitig). Gesamtprozess bis zum fertigen iSFP oder Energieausweis: 3–6 Wochen. Für reine Wärmepumpen-Planung ohne iSFP: Ersttermin reicht oft für konkrete Empfehlung.
Was muss ich für den Energieberater vorbereiten?
Wichtigste Dokumente: Energieverbrauchsabrechnung (Strom, Gas, Öl) der letzten 3 Jahre, Baupläne oder Grundrisse (wenn vorhanden), Baujahr und Umbau-/Sanierungshistorie. Hilfreich aber nicht zwingend: vorhandene Dämmnachweise, Heizungsprotokoll, Fenster-Datenblätter.
Was kostet die Energieberatung vor Ort?
Marktpreis: 800–1.500 € für EFH (iSFP-Beratung). Mit BAFA-Förderung (80 % auf max. 1.300 € für EFH): Eigenanteil 260–400 €. Die Förderung muss vor dem Beratungstermin beantragt werden (BAFA-Vorabantrag). Für reine WP-Planung ohne iSFP: oft 300–600 € (nicht förderungsfähig als Individualberatung).
Jetzt kostenlose Beratung anfordern
Finden Sie qualifizierte Energieberater und Wärmepumpeninstallateure in Ihrer Region.