Energieberatung Praxis

Energieberatung vor Ort: Was passiert beim Termin?

Ablauf einer Vor-Ort-Energieberatung: Was der Berater prüft, wie lange es dauert, was Sie vorbereiten sollten und was danach kommt.

6 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Wer kommt und was bringt der Berater mit?

Der Berater: Ein BAFA-zugelassener Energieeffizienz-Experte (Energieberater für Bundesförderung BEG). Qualifikation: Architekt, Ingenieur oder staatlich geprüfter Techniker mit Zusatzausbildung.

Mitgebrachtes Werkzeug:

  • Blower-Door-Gerät (nicht bei jedem Termin): Luftdichtheitsmessung
  • Thermalkamera (optional): Wärmebrücken sichtbar machen
  • Feuchtemessgerät: Feuchtigkeit in Wänden messen
  • Laser-Entfernungsmesser: Gebäudeabmessungen aufnehmen
  • Fotokamera: Dokumentation des Ist-Zustands
  • Datenblätter und Normen: Referenzwerte für Vergleich

Ablauf des Termins: Phase für Phase

Phase 1: Begrüßung und Erstgespräch (30–45 Min.)

Berater erfragt:

  • Ziele: Was soll die Sanierung bringen? (Kosten senken, Komfort, Klimaschutz, Pflicht)
  • Budget: Welcher Investitionsrahmen ist realistisch?
  • Zeitplan: Wann soll umgesetzt werden?
  • Vorgeschichte: Was wurde bereits saniert?

Wichtig: Eigenverbrauch letzter Jahre (Gas/Öl/Strom) angeben – Basis für Berechnungen.

Phase 2: Gebäudebegehung (60–120 Min.)

Der Berater geht durch alle Bereiche des Gebäudes:

Außenbereich:

  • Fassade: Sichtprüfung auf Dämmung, Putz, Risse
  • Dach: Neigung, Aufbau, Dachfenster
  • Fenster: Verglasung, Dichtungen, Rahmentyp
  • Heizungsanlage (außen): Wärmpumpe-Aufstellort, Leitungsführung

Keller:

  • Heizungsanlage komplett dokumentieren
  • Rohrleitungsdämmung
  • Kellerdeckendämmung (oder Fehlen davon)
  • Feuchte, Keller-Wärmedurchgang

Wohnräume:

  • Heizkörper, FBH-Thermostate
  • Rollladenkästen (häufige Wärmebrücke!)
  • Fenster-Dichtungen
  • Außenwand-Innenseite (Feuchtigkeit, Kälte)

Dachgeschoss:

  • Dauerhafte Temperatur im Sommer
  • Dämmung der obersten Geschossdecke
  • Dachausbau / Kaltdach?

Technische Anlage:

  • Heizung: Hersteller, Baujahr, Leistung, Zustand
  • Warmwasserbereiter
  • Lüftungsanlage (falls vorhanden)
  • Photovoltaik (falls vorhanden)

Phase 3: Messungen (wenn durchgeführt)

Thermalkamera: Im Winter am wirkungsvollsten. Zeigt Wärmebrücken, schlecht gedämmte Stellen, undichte Anschlüsse.

Blower-Door: Luftdichtigkeit des Gebäudes messen. Ergebnis: n50-Wert (Luftwechsel bei 50 Pa). Gut: < 1,5 h⁻¹ (Neubau), < 3 h⁻¹ (sanierter Altbau).

Phase 4: Erste Einschätzung und Abschlussgespräch (30 Min.)

Berater gibt erste mündliche Einschätzung:

  • Größte Energiesparpotenziale
  • Welche Maßnahmen am dringlichsten
  • Grobe Kosten und Fördermöglichkeiten
  • Nächste Schritte (iSFP, Energieausweis, Planung)

Was der Berater untersucht

U-Wert-Schätzung

U-Wert = Wärmedurchgangskoeffizient (je niedriger, desto besser).

Bauteil Altbau (ohne Dämmung) Neubau KfW 70 Passivhaus
Außenwand 1,0–1,5 W/m²K 0,20 W/m²K 0,10 W/m²K
Dach 0,8–1,2 W/m²K 0,15 W/m²K 0,10 W/m²K
Fenster 2,5–3,5 W/m²K 0,90 W/m²K 0,50 W/m²K
Kellerdecke 0,8–1,5 W/m²K 0,25 W/m²K 0,15 W/m²K

Berater schätzt U-Werte aus Baujahr, Wandaufbau und Sichtbefund.

Heizlastberechnung

Vereinfacht: Wärmeverluste aller Bauteile × Temperaturdifferenz = Heizlast (kW).

Diese Zahl ist entscheidend für: Wärmepumpen-Dimensionierung, Heizkörper-Check, Vorlauftemperatur.


Was Sie vor dem Termin vorbereiten sollten

Pflicht-Dokumente (mitbereitstellen):

  • Jahresabrechnung Gas/Öl/Strom (letzten 3 Jahre)
  • Baujahr des Gebäudes
  • Grundrisse / Baupläne (wenn vorhanden)

Hilfreich aber optional:

  • Handwerkerrechnungen zu vergangenen Sanierungen
  • Datenblätter Heizung, Fenster
  • Fotos von Keller, Dachboden
  • Alter der Heizungsanlage (Typenschild fotografieren)

Fragen notieren: Was beschäftigt Sie? Was wollen Sie unbedingt wissen?

  • Wärmepumpe: Passt sie zum Gebäude?
  • Welche Förderung ist für uns realistisch?
  • Was ist die sinnvollste Reihenfolge der Maßnahmen?

Haushalts-Informationen:

  • Anzahl Personen im Haushalt (für Warmwasser-Bedarf)
  • Durchschnittliche Raumtemperatur gewünscht
  • Geplante Nutzungszeit (langfristiges Eigenheim oder Verkauf geplant?)

Nach dem Termin: Bericht und Empfehlungen

Energieberater-Bericht (schriftlich, 2–4 Wochen nach Termin)

Inhalt:

  • Ist-Zustand des Gebäudes (U-Werte, Heizlast, Energieverbrauch)
  • Effizienzklasse: A+ bis H (nach GEG)
  • Maßnahmenplan: Priorität, Kosten, Einsparung je Maßnahme
  • Förderübersicht: BAFA, KfW, Landesförderung
  • Wirtschaftlichkeitsberechnung: Amortisation je Maßnahme

iSFP (individueller Sanierungsfahrplan)

Wenn Berater einen iSFP erstellt: Detaillierter Stufenplan für alle Sanierungsmaßnahmen über 15 Jahre. Enthält spezifische Maßnahmen mit Reihenfolge-Empfehlung.

Wichtig für WP-Förderung: iSFP gibt +5 % BAFA-Bonus (iSFP-Bonus) auf alle Einzelmaßnahmen, die im Fahrplan stehen.

Mehr: iSFP Sanierungsfahrplan erklärt


Energieberatung für Wärmepumpe: Spezifisches

WP-relevante Fragen beim Termin:

  1. Ist das Gebäude WP-geeignet? → Berater prüft Heizlast und empfiehlt Vorlauftemperatur
  2. Welcher WP-Typ passt? → Luft-Wasser (einfach), Sole-Wasser (effizienter), Luft-Luft (nur Heizung+Kühlung)
  3. Müssen Heizkörper getauscht werden? → Check auf Niedertemperatureignung
  4. Passt die Elektroinstallation? → Netzanschluss, Absicherung, WP-Tarif
  5. Außenaufstellort prüfen → Schallschutz, Abstand zu Nachbarn, Genehmigungspflicht

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Verwandte Ratgeber:

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Energieberatung vor Ort?

Erstgespräch + Besichtigung: 2–4 Stunden. Danach Auswertung und Bericht-Erstellung: 1–3 Wochen (büroseitig). Gesamtprozess bis zum fertigen iSFP oder Energieausweis: 3–6 Wochen. Für reine Wärmepumpen-Planung ohne iSFP: Ersttermin reicht oft für konkrete Empfehlung.

Was muss ich für den Energieberater vorbereiten?

Wichtigste Dokumente: Energieverbrauchsabrechnung (Strom, Gas, Öl) der letzten 3 Jahre, Baupläne oder Grundrisse (wenn vorhanden), Baujahr und Umbau-/Sanierungshistorie. Hilfreich aber nicht zwingend: vorhandene Dämmnachweise, Heizungsprotokoll, Fenster-Datenblätter.

Was kostet die Energieberatung vor Ort?

Marktpreis: 800–1.500 € für EFH (iSFP-Beratung). Mit BAFA-Förderung (80 % auf max. 1.300 € für EFH): Eigenanteil 260–400 €. Die Förderung muss vor dem Beratungstermin beantragt werden (BAFA-Vorabantrag). Für reine WP-Planung ohne iSFP: oft 300–600 € (nicht förderungsfähig als Individualberatung).

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